Wohnbauförderung 2020

Bauboom und Sanierungsflaute

Förderung
11.10.2021

Von: Redaktion Bauzeitung

Die Wohnbauförderungsstatistik zeigt auch für 2020 ein weiteres Auseinanderdriften zwischen Wohnbauförderungen und Wohnungsproduktion.

Die Wohnbauförderungs- und Baubewilligungsstatistik 2020 weist mit 78.500 Baubewilligungen einen fortlaufenden Neubauboom aus. Die Wohnbauförderung ist mit rückläufigen Zahlen konfrontiert: 2,07 Milliarden Euro bedeuten minus zwölf Prozent unter dem zehnjährigen Durchschnitt. Dies zeigen die Ergebnisse der aktuellen Wohnbauförderungsstatistik, die vom Fachverband der Stein- und keramischen Industrie alljährlich mit dem Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW) erstellt wird. Während trotz COVID-Lockdowns mit rund 78.500 baubewilligten Wohnungen einer der höchsten Werte der letzten Jahrzehnte erreicht wurde, wuchs die Wohnbauförderung im Vergleich zum Vorjahr nur um vier Prozent und liegt um zwölf Prozent unter dem Zehnjahres-Schnitt. Die hohen Bewilligungszahlen sind auch dem anhaltend starken Bevölkerungswachstum geschuldet. Bei der Sanierungsförderung liegt das Volumen mit 470 Millionen Euro rund 43 Prozent unter dem Höchstwert von 2010. Die Sanierungsrate liegt zurzeit bei 1,5 Prozent, zur Erreichung der Klimaziele ist eine Verdoppelung notwendig. Robert Schmid, Obmann des Fachverbands der Stein- und keramischen Industrie, weist hier auf die Hebelwirkung für den Klimaschutz hin: "Insbesondere Sanierungsförderungen tragen dazu bei, den Energieverbrauch im Gebäudesektor langfristig zu reduzieren und können somit ein wesentlicher Baustein zum Erreichen der Klimaziele sein" und ergänzt weiter: "Die zur Verfügung gestellte Sanierungsförderung ist ein erster Schritt, nun braucht es auch eine Charmeoffensive, damit die Gelder abgeholt werden. Die Gesellschaft muss von der Notwendigkeit überzeugt sein."

Hohe Dynamik gegeben

Betrachtet man die Hauptergebnisse der Wohnbauförderungsstatistik 2020 im Detail, zeigt sich, dass der Bauboom weitergeht. Eine auffallende Dynamik gab es bei den Eigenheimen, wo mit knapp 20.000 Baubewilligungen der höchste Wert seit den frühen 1980er-Jahren erreicht wurde. Auch Miet- und Eigentumswohnungen entwickelten sich positiv. Mit rund 20.000 bewilligten Mietwohnungen lag man ebenso wie bei den Eigentumswohnungen (22.500 Einheiten) deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Geht es um die Neubauzahlen im Bundesländervergleich, gab es 2020 in österreichweit 7,0 Wohnungsbewilligungen pro 1.000 Einwohner*in (neue Wohnungen in neuen Wohngebäuden). An der Spitze liegen Wien (9,1), Vorarlberg (8,6) und die Steiermark (8,4).

Sanierung stagniert

Die Sanierungsförderung stagniert weiter auf tiefem Niveau von rund 470 Millionen Euro. Im Vorjahresvergleich positiv entwickelte sich die Zahl der Förderungszusicherungen bei Eigenheimen (19.100) und im Geschoßwohnbau (40.000). Auch der Sanierungsscheck des Bundes mit Förderausgaben von 83 Millionen Euro trug begünstigend dazu bei. Auch die Förderungszusicherungen sind weiterhin rückläufig. In Summe gab es 2020 österreichweit 24.300 Förderungszusicherungen, davon 20.000 großvolumig und 4.300 bei Eigenheimen. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang um fünf Prozent. In den östlichen Bundesländern Wien, dem Burgenland und Niederösterreich wurde die großvolumige Förderleistung 2020 ausgeweitet, während sie in anderen Ländern Einsparungen zum Opfer fiel. Lag das Verhältnis von Förderungszusicherungen zu Baubewilligungen Anfang der 2000er-Jahre noch bei 80 bis 90 Prozent, ist es indes bei Geschoßwohnungen auf 50 Prozent und bei Eigenheimen gar auf 20 Prozent gesunken. (uw)

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