Wärmepumpenmarkt wächst ungebremst

Heizung
12.03.2021

Von: Redaktion Gebäudeinstallation

Mit 31.721 Stück verkauften Wärmepumpen wurde 2020 in Österreich ein neuer Rekordabsatz erreicht.

Der Europäische Markt für Wärmepumpen wuchs 2019 in den 21 untersuchten EU-Staaten um über 1,6 Million Stück, was einem Anstieg um 23 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Seit 1995 wurden in Europa ca. 13,5 Millionen Wärmepumpen mit einer Gesamtleistung von 470 GWth installiert.

Bisher konnten damit 203 TWh Endenergie eingespart und 159 TWh an erneuerbarer thermischer Energie produziert werden. Inklusive der im Jahr 2019 installierten Wärmepumpen konnten somit 40,6 Megatonnen an Treibhausgas-Emissionen eingespart werden.

Der Umsatz am europäischen Markt in 2019 entsprach über 10,7 Milliarden Euro. Die Herstellung, Vertriebe und die Wartung schufen 88.000 Vollzeitstellen in ganz Europa. Die tatsächlichen Beschäftigungszahlen des Wärmepumpenmarktes dürften noch deutlich darüberliegen, da nicht alle Angestellten der Branche durchgehend nur im Bereich Wärmepumpen arbeiten. In Bezug auf die gesamte abgesetzte Stückzahl von 31.986 Anlagen liegt Österreich 2020 an 13. Stelle im Europäischen Ländervergleich mit 8,5 Wärmepumpen pro 1000 Haushalte. Europaweite Spitzenreiter sind Norwegen und Finnland mit 41,7 bzw. 39 verkauften Wärmepumpen pro 1000 Haushalten.

Zahlen des Inlandmarktes Österreich 2020

Mit 31.721 Stück verkauften Wärmepumpen im Absatz des Inlandsmarktes wurde 2020 ein neuer Rekordabsatz erreicht. Die 31.721 in Österreich verkauften Wärmepumpen teilen sich dabei auf 24.715 Heizungswärmepumpen, 6.721 Brauchwasserwärmepumpen sowie 237 Wohnraumlüftungswärmepum-pen und 48 Industriewärmepumpen (projektspezifische Fertigung) auf.

Auch der Gesamtmarkt inklusive der Exporte österreichischer Hersteller war für die Wärmepumpenbranche von einer deutlichen Absatzsteigerung geprägt. Der Gesamtabsatz von Heizungswärmepumpen (alle Märkte, alle Leistungsklassen, exklusive Wohnraumlüftung) steigerte sich vom Jahr 2019 mit einem Absatz von 31.383 Stück auf das Jahr 2020 mit einem Absatz von 34.650 Stück um 10,4 %. Der Exportanteil bei den Heizungswärmepumpen betrug dabei im Jahr 2020 28,7 %. Verantwortlich dafür war vor allem der stark wachsende Markt (+11,4 %) im niedrigeren Leistungsbereich bis 10 kW.

Im Inlandsmarkt für Heizungswärmepumpen (alle Leistungsklassen, exkl. Wohnraumlüftung) konnten im Jahr 2020 24.715 Stück abgesetzt werden, was einem Anstieg vom 9,6 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (22.553 Stück) entspricht. Beeindruckend war auch der Zuwachs der Absatzzahlen im mittleren Leistungssegment zwischen 10 kW und 20 kW, welcher sich im Inlandsmarkt um 9 % auf 10.326 Stück erhöhte.

Verteilung der Wärmequellen am Inlandsmarkt

Der langjährige Trend zu Luft/Wasser-Wärmepumpen war auch im Jahr 2020 ungebrochen und stieg von 17.964 Stück im Jahr 2019 auf 20.197 Stück im Jahr 2020 an. Der relative Anteil dieses Wärmequellensystems erhöht sich damit auf 82 % im Jahr 2020. Somit waren acht von zehn verkauften Heizungswärmepumpen im Jahr 2020 Luft/Wasser-Wärmepumpen. Sole/Wasser-Wärmepumpen hatten im Jahr 2020 einen Anteil von 16 % (3.976 Stück) am Inlandsmarkt. Bei den Wasser/Wasser-Systemen gab es einen leichten Rückgang auf 1,2 % (304 Stück), bei den Direktverdampfungs-Systeme auf 1,0 % (238 Stück).

Auf einen Blick

  • Trotz Coronakrise konnte der Absatz von Heizungswärmepumpen im Jahr 2020 um 10,4 % (Gesamtabsatz) bzw. 9,6 % (Inlandsmarkt) gesteigert werden.
  • Mit einem Inlandsmarkt von knapp 25.000 Heizungswärmepumpen war im Jahr 2020 ungefähr jedes vierte neu installierte Heizsystem eine Wärmepumpe.
  • Das größte Wachstum im Inlandsmarkt war bei Heizungswärmepumpen im Leistungssegment bis 10 kW mit einem Plus von 11,4 % zu beobachten, gefolgt vom Leistungssegment von 10 kW bis 20 kW mit 9,0 %.
  • Der Exportanteil an Wärmepumpen aller Arten und Leistungsklassen betrug 2020 32,8 %, d.h. jede dritte Wärmepumpe aus Österreich wurde exportiert.
  • Acht von zehn im Jahr 2020 in Österreich neu installierten Wärmepumpen waren Luft/Wasser Systeme.
  • Neben einem Wachstum der Verkaufszahlen von Luft/Wasser Systemen in der Höhe von 12,4 % konnte auch ein neues Wachstum bei Sole/Wasser Systemen in der Höhe von 7,5 % beobachtet werden.

Nationaler Energie- und Klimaplan

Mit dem Nationalen Energie- und Klimaplan hat sich die Österreichische Bundesregierung wichtige Ziele zur Reduktion der CO2 Emissionen und einer klimaneutralen Energieerzeugung und Wärmebereitstellung gesetzt. Dabei spielt die Wärmepumpe als effizientestes der erneuerbaren Wärmebereitstellungsysteme eine entscheidende Rolle. Damit die Wärmepumpe ihr volles Potential als klimafreundlichste Heizung entfalten kann muss jedoch in Gesetzgebung und Verwaltung an einigen Stellen nachjustiert werden:

Raumordnung:

  • Im Zuge einer nachhaltigen Energieraumplanung soll eine verpflichtende Prüfung und Nutzung von Abwärmepotenzialen etabliert werden. Hier können Potentiale, beispielsweise aus Abwässern (Kanäle oder Abwasserreinigungsanlagen), gewonnen werden.
  • Mit Hilfe eines Wärmetauschers, der dem Abwasser die Wärme entzieht und einer Wärmepumpe wird die gewonnene Energie zur Beheizung von Gebäuden nutzbar gemacht. Diese Potentialanalyse ist in der Schweiz bereits verpflichtend vorgeschrieben.
  • Steuerliche Anreize zur Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energie
  • Um den Anteil erneuerbarer Energie in Österreich zu erhöhen, muss eine Steuer- und Abgabenbefreiung von Strom für den Betrieb von Wärmepumpensystemen eingeführt werden.
  • Bei netzdienlichen Wärmepumpen mit dem sog. „smart-grid-ready-label“ sollten die Steuern und Abgaben, sowie die verbrauchsabhängigen Netzgebühren entfallen, um einen Anreiz für diese Produkte zu erhöhen. Dies dient dem Abfedern temporärer Überschüsse im Stromnetz.

Begleitende Maßnahmen zur Energieeffizienz zur Energieeffizienz

Ergänzung von zielgerichteten Förderungen und Einzelmaßnahmen mit hohen Kosten-Nutzen-Vorteilen, wie zum Beispiel hydraulischer Abgleich von Wärmeabgabesystemen, Tausch von ineffizienten Umwälzpumpen, Leistungsdämmung sowie Tausch oder Verbesserung des Wärmeabgabesystems. Mit einem relativ geringen Investment kann mit diesen Maßnahmen der Energieverbrauch bestehender Wärmeabgabesysteme um etwa 20-30 % reduziert werden.

Energiegemeinschaften im Rahmen des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes

Die Möglichkeit für Gemeinschaften und genossenschaftliche Strukturen zur Erzeugung, Speicherung und Lieferung von erneuerbarem Strom auch über Liegenschaftsgrenzen hinweg, sollte auf Wärme ausgedehnt werden, wofür kalte Fernwärmenetze (Anergienetze) mit Wärmepumpen hervorragend geeignet sind.

Abbau von Hürden in Bestandsgebäuden

Wärmepumpensysteme werden durch technisch nicht begründbare Anforderungen beim Erhalt von Förderungen benachteiligt. Eine solche, technisch nicht begründbare, Einschränkung bei der Vergabe von Fördermitteln liegt zum Beispiel in der Einschränkung der Förderung auf Wärmepumpensysteme mit einer Vorlauftemperatur von kleiner als 40°Celsius. Europaweit hat sich hier ein Standard von 55°Celsius etabliert, wobei auch in diesem Temperaturbereich die Wärmepumpe das effizienteste Heizungssystem darstellt.

Wärmepumpen in der Hotellerie

Gerade in der Tourismusbranche und hier speziell in der Hotellerie im alpinen Raum ist der Anteil an Ölheizungen noch ungewöhnlich groß, und der Anteil an hocheffizienten Wärmepumpensystemen auffallend gering. Dies liegt unter anderem an den nicht praxistauglichen Förderkriterien für den Heizungstausch in dieser Branche. Unter anderem wird beim „Raus aus Öl und Gas“-Programm für die Förderung des Tausches auf ein erneuerbares Energiesystem eine maximale Vorlauftemperatur von 40°Celsius vorgeschrieben. Dies ist zum Beispiel für ein Hotel mit hohem Wärmebedarf auf 1.000 Meter Seehöhe nicht realistisch.
Eine Anpassung dieser Kriterien wäre dringend erforderlich, um den Hotels in ihrer Corona-bedingt schwierigen Lage zu helfen und die Investition in kosteneffiziente erneuerbare Energiesysteme zu erleichtern.

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