Bauakademie

Weniger Normen im Norden

19.01.2026

Am Bau-Symposium der Bauakademie BWZ OÖ wurde diskutiert, wie man die Baukosten senken kann. Ein Beispiel dafür kommt aus dem Norden: der „Hamburger Standard“.

Wie können die Baukosten gesenkt werden – und zugleich die Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen gewahrt bleiben? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Bau-Symposiums, das im vergangenen November im oberösterreichischen Steyregg stattfand. Der hochkarätig besetzte Event wurde von der Bauakademie BWZ OÖ in Kooperation mit der Landesinnung Bau OÖ und der Zukunftsagentur Bau (ZAB) veranstaltet.

Massiver Druck

Die Beteiligten waren sich einig: Die Baubranche steht aktuell unter einem immensen strukturellen Druck: von gestiegenen Materialpreisen über komplexe Genehmigungsverfahren bis hin zu einem dichten Netz an Normen, die Innovationen erschweren. „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst“, meinte ein Teilnehmer am Rande der Veranstaltung in Anspielung auf ein Bonmot des Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick. Das Zitat gab die Stimmung auf dem Symposium treffend wieder. Die Probleme wurden offen angesprochen – und zugleich klare Lösungswege aufgezeigt: Vereinfachte Standards, eine Stärkung der Planungskompetenz, eine moderne Regulatorik und eine strategische Zusammenarbeit aller Akteure.

Advertorial

Ein Höhepunkt des Symposiums war die Präsentation des „Hamburg-Standards“ durch den Robert Klaus, Abteilungsleiter bei der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen. Das Modell gilt in Deutschland als Leitprojekt einer neuen Baukultur. Der Ansatz setzt auf die konsequente Reduktion technischer und organisatorischer Vorgaben, verschlankte Genehmigungsprozesse und klar definierte architektonische Typologien. Das Resultat: deutlich geringere Kosten, weniger CO₂-Ausstoß und eine spürbare Beschleunigung der Projekte. Evaluierungen aus Hamburg zeigen, dass sich durch diesen strukturierten Zugriff mehr als ein Drittel der üblichen Baukosten ohne Einbußen bei Qualität oder Sicherheit einsparen lassen.

Hamburg-Standard

Wie der Hamburg-Standard in der Praxis funktioniert, zeigt aktuell das sogenannte Wilhelmsburger Rathausviertel: Auf der Elbinsel entstehen rund 1.900 Wohneinheiten – darunter Wohnungsneubau, Studierendenwohnungen, Gewerbeflächen, Kitas und Sportangebote. Und es ist nicht das erste Projekt seiner Art. In der Hansestadt wurde der neue Standard bereits  in 13 Pilotprojekten in allen sieben Hamburger Bezirken getestet und evaluiert. Das Ergebnis: „Mit dem Hamburg Standard lassen sich laut Initiative effizient bis zu 2.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche einsparen. Das entspricht einer Baukostensenkung von über einem Drittel“, so Behördenvertreter Klaus.

Über einen Mangel an Regulierung kann man sich auch in Oberösterreich nicht beklagen. Das machte Norbert Hartl, Bundesinnungsmeister-Stellvertreter und Präsident der Bauakademie OÖ in seinem Statement klar. Gerade kleinere und mittelständische Unternehmen würden unter einem administrativen Aufwand leiden, der ihnen Zeit und Ressourcen entziehe. Die Branche brauche weniger Detailvorgaben und mehr Strukturreformen, um wieder wettbewerbsfähig arbeiten zu können.

Strukturelle Stellschrauben

Auch Landesinnungsmeister Wolfgang Holzhaider, verwies auf strukturelle Stellschrauben, die bisher zu wenig genutzt wurden. „Seit mehr als zehn Jahren stagniert die Produktivität in der Bauwirtschaft, obwohl die Zahl der Angestellten kontinuierlich steigt.“ Der Grund dafür ist aus Sicht von Holzhaider klar: „Unsere Projekte werden immer komplexer, die Anforderungen dichter, die Koordinationswege länger.“ Seine Schlussfolgerung: „Wir brauchen daher neue Strukturen und vor allem eine Stärkung der Planungskompetenz.“ Generalplaner-Modelle, so der Landesinnungsmeister weiter, „dass eine integrierte, durchgängige Planung nicht nur Reibungsverluste reduziert, sondern die entscheidende Stellschraube für Kosten, Qualität und Terminhaltung ist“. Holzhaider deutlich: „Genau hier müssen wir ansetzen.“