Die Ausstellung wird von Gabriele Conrath-Scholl, Max Becher und Urs Stahel kuratiert. Zum ersten Mal in Europa zeigt sie die methodische und thematische Bandbreite des Werks des Ehepaars. In den Mast-Galerien sind mehr als 350 originale Schwarz-Weiß-Fotografien sowie eine umfangreiche Sammlung von Begleitmaterialien zu sehen, darunter Zeichnungen, Bücher und Plakate, die weitere Einblicke in die Komplexität und Konsequenz der Arbeitsweise der Bechers ermöglichen.

Mit „Bernd & Hilla Becher. Geschichte einer Methode“ kann das Publikum die Entwicklung einer künstlerischen Forschungslinie nachverfolgen, die die Kanons der Fotografie neu definiert hat. Die Bechers haben Generationen von Künstlern beeinflusst und dazu beigetragen, ein neues visuelles Paradigma zu schaffen. Die Ausstellung wurde von der Photographischen Sammlung / SK Stiftung Kultur in Köln in Zusammenarbeit mit dem Bernd & Hilla Becher Studio, Düsseldorf, konzipiert. Sie wurde von der Fondazione MAST organisiert, wobei ein neues Ausstellungsprojekt in gemeinsamer Arbeit der beiden Institutionen realisiert wurde. Die Werke der Ausstellung stammen aus dem Bernd & Hilla Becher Archiv, das bei der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur in Köln aufbewahrt wird, sowie aus dem Bernd & Hilla Becher Studio in Düsseldorf, dank der Unterstützung von Max Becher, der den Nachlass von Bernd und Hilla Becher vertritt.

Um 1960, mit dem Niedergang der Industriefotografie und den tiefgreifenden Veränderungen in der Weltwirtschaft, begannen Bernd und Hilla Becher mit der Arbeit an ihren berühmten Fotoprojekten, in denen die Bilder oft in Blöcken oder Rastern angeordnet waren. Bergwerke, Fördertürme, Wassertürme, Kühltürme, Gastanks, Kohlebunker, Hochöfen und Getreidesilos wurden zum Gegenstand einer systematischen und rigorosen Untersuchung. Wie Urs Stahel feststellt: „Durch ihre gemeinsame Arbeit, die sie von 1959 bis in die frühen 2000er Jahre in Deutschland, den Benelux-Staaten, Großbritannien, Frankreich, Italien, den USA und Kanada entwickelten, waren sie Wegbereiter eines neuen, künstlerisch geprägten dokumentarischen Stils. In Anlehnung an die Tradition der Fotografie der Neuen Sachlichkeit, aber auch aufbauend auf der beschreibenden Fotografie des 19. Jahrhunderts, wandten sie eine objektive, konsequent beibehaltene Darstellungsweise an, die auf vielen Ebenen starken Anklang fand, insbesondere im Kontext der Minimal Art und der Konzeptkunst.“

Die Ausstellung „History of a Method“ ist in zehn Abschnitte unterteilt, die eine eingehende Analyse der Themen und Methoden bieten, die dem Werk der Bechers zugrunde liegen. Das Kapital „Industrielandschaften“ eröffnet die Ausstellung mit Ansichten von Funktionsbauten und industriellen Strukturen, dem Schwerpunkt der Arbeit der beiden Künstler seit ihren Anfängen. Die zwischen 1962 und 1999 in verschiedenen Ländern aufgenommenen Bilder von Hochöfen, Kalköfen, Bergwerken und Kiesgruben bieten einen bedeutenden Einblick in diesen Aspekt ihres Schaffens.
Unter dem Titel „Industriestandorte: das Bergwerk Ewald Fortsetzung“ wird das umfangreiche Werk der Bechers repräsentiert, das rund zweihundert Dokumentationsprojekte umfasst, von denen jedes bis zu sechshundert Negative enthält. Eines dieser Projekte widmet sich dem Kohlebergwerk Ewald Fortsetzung in Recklinghausen im Ruhrgebiet. Die zwischen 1982 und 1985 aufgenommenen Fotografien bieten einen panoramischen Überblick, der die Bergwerksanlage in verschiedenen Bildgruppen zeigt. Diese Gruppen zeigen vielfältige Aspekte der Bergbauarchitektur. Die Perspektive der Fotografen wechselt zwischen Weitwinkel-Landschaften und Detailaufnahmen.

Unter „Ein Objekt, verschiedene Blickwinkel (Entfaltungen)“ werden Gruppen von Fotografien vereint, die auf der systematischen Gegenüberstellung von Bildern basieren, die dasselbe Motiv aus unterschiedlichen Blickwinkeln und in vergleichbaren Entfernungen zeigen. Dies ermöglicht es dem Betrachter, die Struktur des jeweiligen Objekts weitaus besser zu verstehen.
Mit „Typologien“ tituliert sind jene Bildgruppen, die aus mindestens neun und höchstens vierundzwanzig Fotografien bestehen und in einem Raster angeordnet sind. Sie sind das Ergebnis einer vergleichenden Analyse und Klassifizierung der Formen und Strukturen von Industriegebäuden. Die Ausstellung präsentiert Typologien, die von den 1960er Jahren bis in die frühen 2000er Jahre in verschiedenen Ländern entstanden sind, darunter die vierundzwanzigteilige Typologie der Kohlebunker, die mit posthum gedrucktem Archivmaterial gezeigt wird.

Ab 1968 erweiterten die Bechers ihren Fokus auf Häuser für Arbeiter und Angestellte von Unternehmen. Insbesondere richtete sich ihre Aufmerksamkeit auf die Sozialwohnungsblocks, die zu dieser Zeit im Ruhrgebiet und im Rheinland in der Nähe von Kohlebergwerken und Stahlwerken entstanden. Die drei- oder vierstöckigen Wohnblocks, die in der Ausstellung gezeigt werden, wurden von Nachkriegsarchitekten entworfen, um der Bevölkerung, die noch immer darum kämpfte, sich von den Bombenangriffen zu erholen, die die Industriegebiete verwüstet hatten, neue Wohnungen zu bieten.
„Ein Objekt in verschiedenen Darstellungsformen: Fachwerkhäuser“ befasst sich mit dem Thema der Darstellung und der präzisen Beschreibung der Objekte. Das Fachwerkhaus in Birlenbach wird auf drei Arten präsentiert: als einzelnes Frontalbild, als Serie von acht Fotografien, die eine dreidimensionale Ansicht des Objekts vermitteln, und schließlich als Teil einer fünfzehnteiligen Typologie.

Mit mehr als vierzig Originalfotografien und Texten aus dem Jahr 1970 zeigt der Bereich „Anonyme Skulpturen“ eine breite Auswahl der Bilder, die in der Publikation „Anonyme Skulpturen. Eine Typologie technischer Bauten“ enthalten sind. Das Projekt ging auf die Ausstellung „Anonyme Skulpturen“ zurück, die 1969 in der Kunsthalle Düsseldorf stattfand – ein Ereignis, das für die Etablierung des Werks der Bechers in den Kreisen der minimalistischen und konzeptuellen Kunst von entscheidender Bedeutung war.
„Publikationen und Drucksachen“ schließlich widmet sich den publizistischen Aktivitäten der Bechers, dokumentiert in Form von Monografien und Drucksachen. Ab 1977 arbeiteten sie mit dem Verlag Schirmer/Mosel zusammen und produzierten zwanzig Publikationen, die sowohl aus künstlerischer als auch aus redaktioneller Sicht wahre Meisterwerke sind. Ihre grafische Ausbildung spiegelt sich auch in den Entwürfen von Einladungen, Flyern und Plakaten wider.

Nicht zuletzt widmet sich ein Teil der Ausstellung auch den Bechers selbst. Ein eigener Abschnitt widmet sich den Frühwerken von Bernd Becher, der zunächst eine Ausbildung zum Dekorationsmaler und später zum Grafikdesigner absolvierte. Zeichnungen und frühe Fotografien zeugen von seiner allmählichen Hinwendung zur Fotografie, eine Richtung, die sich nach seinen Reisen durch Italien und Spanien und seiner Begegnung mit seiner zukünftigen Frau Hilla Wobeser endgültig festigte. Ein weiterer Abschnitt zeichnet Hilla Bechers künstlerische Entwicklung nach. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Fotografin in Potsdam und setzte ihr Studium an der Kunstakademie Düsseldorf fort, wo sie das erste Fotostudio einrichtete. In den 1960er Jahren experimentierte sie mit verschiedenen Darstellungsformen und beschäftigte sich mit der Formensprache und den Strukturen natürlicher Materialien.