In Aspern Nord soll im ersten Halbjahr 2027 der einstufige Bauträgerwettbewerb „Frauen-Werk-Stadt – Neu gedacht“ starten. Vorgesehen ist ein Bauplatz mit mehr als 2.500 Quadratmetern für rund 80 geförderte Wohnungen. Eigentümer der Fläche ist der wohnfonds_wien; das Grundstück soll dem Siegerteam im Baurecht überlassen werden. Das Projekt befindet sich damit in der Ankündigungsphase: Ein offenes Verfahren oder verbindliche Einreichfristen gibt es noch nicht.
Alltagstauglichkeit soll zum Wettbewerbskriterium werden
Nach Angaben der Stadt Wien soll die Aufgabenstellung besonders Alltagstauglichkeit, Mitbestimmung, sichere Wohnumgebungen und gemeinschaftlich nutzbare Bereiche berücksichtigen. Angesprochen sind nicht ausschließlich Frauen: Der Schwerpunkt liegt auf den Erfahrungen und Bedürfnissen von Mieterinnen, männliche Partner sind laut Stadt ebenfalls willkommen.
Die Auslobung soll Projektteams mit möglichst hohem Frauenanteil zur Teilnahme motivieren. Wie dieses Ziel in den Zulassungs- oder Beurteilungskriterien verankert wird, ist noch offen. Der wohnfonds_wien will nähere Details Anfang 2027 veröffentlichen. Erst dann lässt sich beurteilen, welche Anforderungen an Bauträger, Architektur, Freiraumplanung, Beteiligung und Leistbarkeit tatsächlich verbindlich werden.
Grundstück wird im Baurecht vergeben
Der wohnfonds_wien wickelt die Qualitätssicherung für geförderten Wohnungsneubau über Bauträgerwettbewerbe und den Grundstücksbeirat ab. Bei Bauträgerwettbewerben entwickeln Bauträger und Architekturbüros gemeinsam mit weiteren Fachleuten Realisierungskonzepte; eine interdisziplinäre Jury wählt die Siegerprojekte. In Aspern Nord ist eine einstufige Auslobung vorgesehen. Die Vergabe im Baurecht bedeutet, dass das Grundstück im Eigentum des Fonds bleibt und dem ausgewählten Projektteam für die Realisierung überlassen wird.
Für die Planung wird entscheidend sein, ob die angekündigten Ziele überprüfbar formuliert werden. Sicherheit kann etwa über Wegeführung, Beleuchtung und Einsehbarkeit behandelt werden; Alltagstauglichkeit betrifft Grundrisse, Erschließung, Sorgearbeit und kurze Wege. Mitbestimmung braucht wiederum ein klares Verfahren sowie erkennbare Spielräume für künftige Bewohnerinnen. Welche Lösungen der Wettbewerb verlangt und wie die Jury sie gewichtet, steht erst mit der Auslobung fest.
Anknüpfung an frühere Frauen-Werk-Städte
Die Stadt stellt das Vorhaben in die Tradition der ersten Frauen-Werk-Stadt in der Donaufelder Straße. Das zwischen 1995 und 1997 errichtete Modellprojekt umfasst laut Rathauskorrespondenz 359 Wohnungen sowie Kindergarten, Geschäfte, Arztpraxis und Apotheke. Die Frauen-Werk-Stadt II in der Troststraße mit 140 Wohnungen wurde 2004 fertiggestellt und setzte einen Schwerpunkt auf nachbarschaftliches und betreutes Wohnen im Alter.
