Die vorsichtige Hoffnung, die die Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich bereits beim Konjunktur-Pressegespräch im April geäußert hatte, hat sich bislang nur teilweise erfüllt. Zwar zeigen einzelne Branchen – allen voran das Baugewerbe – positive Entwicklungen, insgesamt bleibt die wirtschaftliche Dynamik jedoch schwach. Wie heute bei einer Pressekonferenz der Bundessparte bekannt gegeben wurde, trüben sich zudem die Erwartungen der Betriebe für das dritte Quartal wieder ein. Bundesspartenobmann Manfred Denk sieht die Ursachen dafür in der geopolitischen Unsicherheit, hohen Kosten und der schwachen Nachfrage.

Manfred Denk
Österreich und Europa müssen selbst aus der Stagnation kommen und dürfen sich nicht selbst im Weg stehen.
Baugewerbe setzt positive Akzente
Die Zahlen der KMU Forschung Austria zeigen ein differenziertes Bild. Im ersten Quartal gingen Auftragseingänge und Umsätze im Gewerbe und Handwerk nominell um 2,1 Prozent zurück, real (inflationsbereinigt) betrug der Rückgang 4,6 Prozent. Rund ein Viertel der Betriebe verzeichnete zwar Zuwächse, ein Drittel meldete jedoch Rückgänge. Im zweiten Quartal blieb die Geschäftslage per Saldo mit minus acht Prozentpunkten im negativen Bereich, wenngleich saisonbedingt ein leichter Aufwärtstrend erkennbar ist. Laut Christina Enichlmair von der KMU Forschung Austria, entwickelt sich das Gewerbe und Handwerk weiterhin sehr heterogen. Im ersten Quartal meldeten 24 Prozent der Betriebe steigende Auftragseingänge beziehungsweise Umsätze, 43 Prozent lagen auf Vorjahresniveau und 33 Prozent verzeichneten Rückgänge.

Gerade bei den investitionsgüternahen Branchen gibt es jedoch erste Lichtblicke. Während der Auftragsbestand insgesamt nahezu auf dem Vorjahresniveau lag (minus 0,2 Prozent), legte das Baugewerbe um acht Prozent zu. Auch die Metalltechnik verzeichnete mit plus 4,2 Prozent steigende Auftragsbestände. Dagegen blieben insbesondere nachgelagerte Baugewerke wie Holzbau oder Bauhilfsgewerbe unter Druck.
Laut Christina Enichlmair haben sich die Erwartungen der Betriebe für das dritte Quartal gegenüber der Frühjahrserhebung wieder eingetrübt und liegen auf dem Niveau des Vorjahres. 16 Prozent der Betriebe rechnen mit steigenden Auftragseingängen beziehungsweise Umsätzen, 57 Prozent erwarten keine Veränderung und 27 Prozent gehen von Rückgängen aus. Per Saldo ergibt sich damit ein Wert von minus elf Prozentpunkten. Besonders in den investitionsgüternahen Branchen überwiegt die Skepsis.

Auf Nachfrage von Handwerk+Bau zeigte sich Manfred Denk trotz der schwierigen Rahmenbedingungen vorsichtig optimistisch. Ohne die geopolitischen Verwerfungen hätte sich die Konjunktur deutlich besser entwickelt, sagte er. Gleichzeitig verwies er auf erste positive Signale im Bau. Er nehme wahr, dass die Bautätigkeit vor allem im ländlichen Raum wieder anziehe und der Bedarf weiterhin vorhanden sei. „Wir atmen durch und überwinden die Krise“, so Denk optimistisch.
Strukturreformen statt Stillstand
Die wirtschaftliche Erholung dürfe sich aus Sicht der Bundessparte aber nicht allein auf eine Entspannung der internationalen Krisen stützen. „Österreich und Europa müssen selbst aus der Stagnation kommen und dürfen sich nicht selbst im Weg stehen“, betonte Manfred Denk. Als zentrale Handlungsfelder nannte der Spartenobmann den Ausbau der Energieinfrastruktur, Investitionen in Innovationen sowie einen konsequenten Bürokratieabbau. Das Gewerbe und Handwerk sei Motor der Transformation, etwa beim Heizungstausch, der Sanierung von Gebäuden oder der Umsetzung der Energiewende. Dafür brauche es jedoch bessere Rahmenbedingungen.
Besonders deutlich fiel seine Kritik am Verwaltungsaufwand aus. Österreich habe eine „Meisterschaft der Selbstfesselung entwickelt“, sagte Denk. Schon eine spürbare Reduktion bürokratischer Belastungen würde den Betrieben mehr Spielraum für Innovationen und Investitionen verschaffen. Als Beispiel nannte er einfachere Bau- und Genehmigungsverfahren. Positiv bewertete er die beschlossene Senkung der Lohnnebenkosten. Auch wenn diese erst 2028 wirksam werde, bedeute die jährliche Entlastung von 400 Millionen Euro einen wichtigen Impuls für Investitionen und Wachstum.
WKÖ sieht Fortschritte beim Bürokratieabbau
Sabrina Winkler, seit 1. Juli Geschäftsführerin der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (als Nachfolgerin von Reinhard Kainz), verwies auf erste Erfolge beim Bürokratieabbau. Es seien unter anderem Vereinfachungen bei Betriebsanlagenverfahren, Photovoltaikanlagen, Betriebsnachfolgen sowie Digitalisierungsmaßnahmen umgesetzt worden. Gleichzeitig sieht sie weiteren Handlungsbedarf, etwa im Abfallwirtschaftsgesetz sowie bei Bau- und Genehmigungsverfahren. Kritisch bewertete sie die Umsetzung einzelner Maßnahmen, wenn die Wirtschaft nicht früh genug eingebunden werde. Als Beispiel nannte sie die Mehrwertsteuersenkung, die aus ihrer Sicht unnötig kompliziert umgesetzt worden sei. Auch bei der Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie warnte Winkler vor zusätzlicher Bürokratie. Das Ziel werde grundsätzlich unterstützt, es brauche aber praktikable Lösungen und Respekt vor bestehenden Kollektivverträgen.
Appell für die Lehrlingsausbildung
Neben Konjunktur und Bürokratie stellte Denk die Fachkräftesicherung in den Mittelpunkt. Handwerksberufe seien laut Fachkräfteradar 2025 mit Abstand am stärksten nachgefragt. Gerade angesichts der Debatte um Künstliche Intelligenz brauche es ein klares Bekenntnis zur praktischen Ausbildung. „KI wird keine Wärmepumpe installieren“, sagte Manfred Denk. Es brauche daher mehr Lehrlinge, nicht weniger.
Kritisch sieht Denk die Entwicklung bei der Lehrstellenförderung. Zwar sei die Finanzierung bis über 2029 hinaus gesichert, das Volumen sei aber seit 2023 gedeckelt und nicht valorisiert worden. Seit 1. Juli gibt es die Basisförderung im vollen Ausmaß nur noch für den ersten Lehrling. Ab dem zweiten Lehrling werden nur noch 75 Prozent ausbezahlt. Fast die Hälfte der Betriebe habe nur einen Lehrling und sei daher nicht betroffen, so Denk. Betriebe mit mehreren Lehrlingen treffe die Kürzung jedoch hart. Hier würden aus seiner Sicht die Prioritäten falsch gesetzt. Er stellte den 280 Millionen Euro für die Lehrlingsförderung die 18 Milliarden Euro für die Universitäten gegenüber und kritisierte zudem teurere außerbetriebliche Ausbildungsformen.
Manfred Denk richtete seinen Appell ausdrücklich an AK-Präsidentin Renate Anderl und Sozialministerin Korinna Schumann: „Hören Sie auf, die Lehre schlechtzumachen!“. Er forderte ein klares Bekenntnis zur Lehre und mehr Respekt für Ausbildungsbetriebe. Der Staat dürfe sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Auch kleine Betriebe müssten weiter in der Lage sein, Lehrlinge auszubilden. Als Grundlage verwies Denk auf einen einstimmigen Beschluss des Wirtschaftsparlaments vom Juni 2026 zum Antrag „Lehre stärken“. Darin gefordert werden unter anderem die Sicherung und der Ausbau der Lehrstellenförderung, eine flexiblere Arbeitszeitgestaltung für Lehrlinge, der Ausbau der Erwachsenenlehre sowie eine qualitative Weiterentwicklung der Lehrabschlussprüfungen. „Sorgen wir gemeinsam dafür, dass Österreich die Fachkräfte bekommt, die wir so dringend brauchen“, appeliert Manfred Denk.
Konjunktur Gewerbe und Handwerk (2. Quartal 2026)
- Investitionsgüternahe Branchen blicken pessimistischer auf die kommenden Monate als konsumnahe Branchen.
- Geschäftslage: Saldo minus acht Prozentpunkte
- Auftragseingänge/Umsätze im 1. Quartal: minus 2,1 Prozent nominell, minus 4,6 Prozent real
Auftragsbestand
- Investitionsgüternahe Branchen: minus 0,2 Prozent
- Baugewerbe: plus acht Prozent
- Metalltechnik: plus 4,2 Prozent