Wer verstehen will, warum es für Unternehmen zunehmend schwieriger wird, offene Lehrstellen zu besetzen, muss sich zunächst die demografische Entwicklung jener Altersgruppe vor Augen führen, aus der sich der klassische Lehrlingsnachwuchs speist: den 15-Jährigen, also jene Jugendliche, welche die Schulpflicht nunmehr abgeschlossen haben. Genau hier zeigt sich lt. Daten der Statistik Austria seit Jahren eine strukturelle Verschiebung. Kurz gesagt: sie werden weniger. Betrug die Anzahl der 15-Jährigen im Jahr 1980 noch 130.963, waren es 20 Jahre später lediglich 95.577 und weitere 20 Jahre später – nämlich 2020 – nur noch 86.424. Im abgelaufenen Jahr betrug der Anteil der 15-Jährigen an der Gesamtbevölkerung lediglich 0,96 Prozent.1 Auf das Fachkräftepotenzial umgelegt, bedeutet das: der Pool jener Jugendlichen, die grundsätzlich für den Einstieg in eine Lehre infrage kommen, wird kleiner.

Diese demografische Entwicklung allein erklärt jedoch nicht das ganze Bild. Denn parallel dazu hat sich auch die Bildungsentscheidung vieler Jugendlicher verändert. Der Weg in weiterführende Schulen ist in vielen Familien zur bevorzugten Option geworden. Die Lehre bleibt zwar ein zentraler Bestandteil des österreichischen Ausbildungssystems, hat aber in den letzten Jahren sukzessive Anteile verloren: Von den oben angeführten 130.963 15-Jährigen im Jahr 1980 gingen 61.795 – also fast die Hälfte – in eine Lehre. 1990 waren es in absoluten Zahlen gemessen bereits deutlich weniger (44.845), der Anteil an den 15-Jährigen betrug allerdings immer noch 47,5 %. Anfang der 2000er Jahre fiel dieser Anteil unter 40 %. Im letzten Jahr betrug der Anteil der Lehrlinge (im 1. Lehrjahr) an der Gesamtanzahl der 15-Jährigen 34,7 % – ein absoluter Tiefstwert.2

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Grafik: Die Abstand zwischen der Gesamtanzahl nicht mehr schulpflichtiger Jugendlicher und der Zahl jener, die eine Lehre machen, wurde in den letzten Jahren immer größer. © Quelle: Wirtschaftskammer Österreich, Statistik

Branchen wetteifern um Jugendliche

Zusammengefasst bedeutet das weniger Jugendliche insgesamt und ein sinkender Anteil jener Jugendlichen, die in eine Lehre einsteigen. Folglich ist der Ausbildungsmarkt heiß umkämpft: zahlreiche Branchen (Handel, Tourismus, IT, Gesundheitswesen etc.) und Unternehmen (ÖBB, REWE, Spar etc.) investieren hohe Summen in ihr Arbeitgeber-Image und buhlen um die Aufmerksamkeit der Jugendlichen. Um in diesem Wettbewerb um junge Talente zu bestehen, hat die Bundesinnung Bau bereits im Jahr 2004 die Lehrlingskampagne „BauDeineZukunft“ ins Leben gerufen
(www.baudeinezukunft.at). Diese Kampagne verfolgt zwei wesentliche Ziele: eine Imageverbesserung der Bauberufe sowie die Sicherstellung einer ausreichenden Zahl an Fachkräften für die Bau­branche. Die Kampagne adressiert neben Jugendlichen auch weitere Meinungsbilder bei der Berufs­­wahl (v.a. Eltern und Lehrer).

Online & Social Media-Schwerpunkt

Digitale Medien und soziale Netzwerke sind die Hauptinformationsquelle für Jugendliche. Plattformen wie YouTube, Snapchat, Instagram und TikTok werden von ungefähr 80 Prozent aller Jugendlichen genutzt. Daher setzt die Lehrlingskampagne in der Kommunikation einen Schwerpunkt im Online-Bereich und informiert auf eigenen Social Media-Kanälen regelmäßig über die Baulehre.

Der Online-Schwerpunkt ermöglicht durch gezieltes User-Targeting, mit minimalen Streuverlusten die relevanten Zielgruppen anzusprechen.

Die Lehrlingskampagne spricht ihre Zielgruppe vor allem online – u.a. auf TikTok, Snapchat, Youtube, Google, Facebook, Instagram und Minecraft – an.

Analog und vor Ort: Lehrlingsexperten und BAUAkademien

Neben einer gezielten Online-Kommunikation setzt die Lehrlingskampagne auch auf physische Präsenz: Um Baufirmen bei der Lehrlingsakquise zu unterstützen, sind eigene Lehrlingsexpert:innen im Auftrag der Bauinnungen in allen Bundesländern tätig. Diese befinden sich im ständigen Austausch mit Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen und vermitteln diese an Baufirmen. Auf Berufsmessen, Schulbesuchen und auch Elternabenden informieren sie über die Vorteile einer Baulehre.

Ebenso leisten zahlreiche Veranstaltungen an den BAUAkademien – u.a. Baulehrlings-Castings, Schnupper- und Infotage, Wettbewerbe an polytechnischen Schulen und Praxis-Workshops – wichtige Aufklärungsarbeit, um das Interesse bei den Jugendlichen für eine Baulehre zu wecken.

Bei Berufsmessen u. ä. leisten Lehrlingsexpert*innen wichtige Aufklärungsarbeit. © BAUAkademie BWZ OÖ

Begleitung von Baulehrlingen und Baufirmen

Die Lehrlingskampagne adressiert nicht nur potenzielle Lehrlingskandidaten, sondern auch Lehrlinge, die sich bereits für die Baulehre entschieden haben. Hauptaugenmerk liegt dabei auf der inhaltlichen Begleitung und Unterstützung der zukünftigen Fachkräfte. So hat die Baulehre vor einigen Jahren einen beispiellosen Wandel vollzogen: Im Zuge des Projekts „Baulehre 2020“ wurde die Lehrlingsausbildung mit besonderem Fokus auf Digitalisierung neu ausgerichtet, um sie an die moderne Berufswelt anzupassen.

Die Lernplattform www.e-baulehre.at setzt neue Maßstäbe in der digitalen Ausbildung am Bau.

Einen Meilenstein in der digitalen Wissensvermittlung setzte die Bauwirtschaft im Herbst 2019 mit dem Launch der Plattform www.e-baulehre.at. Damit wird den Baulehrlingen spezifisches Bauwissen einfach und anschaulich vermittelt: knapp 200 Online-Kurse, ca. 300 Lehr-Videos und mehr als 4.000 Wissens-Check-Fragen ermöglichen eine optimale Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung.

Bauehrlinge erhalten auf Wunsch ein Gratis Tablet mit Internet-Zugang und Bau-Applikationen. © Fischer

Auch bei der Hardware wurde aufgerüstet: Hochbau-, Betonbau-, Tiefbau-, und Gleisbautechnik-Lehrlinge können im Vorfeld ihrer ersten Einberufung an die BAUAkademien ein Tablet mit Internet-Zugang und Bau-Applikationen kostenfrei bestellen.

Baufirmen werden bei der Lehrlingsausbildung ebenfalls unterstützt: Die Lehrlingsexpert:innen begleiten Ausbildungsbetriebe durch die Lehrjahre und beraten in allen wichtigen Lehrlingsfragen (www.baudeinezukunft.at/kontakt → Lehrlingsexpert:innen).

Um die Lehrlings-Ausbilder in ihrer Arbeit bestmöglich zu unterstützen, hat die Bundesinnung Bau anschauliche Ausbildungsleitfäden erstellt. Diese bieten Ausbildern eine praxisgerechte Hilfestellung bei ihrer täglichen Arbeit mit den zukünftigen Bau-Facharbeitern. Ergänzt wird diese Unterstützung durch ein fachspezifisches Ausbilder-Coaching, welches die wesentlichen Soft Skills für den Umgang mit den Lehrlingen vermittelt.

Für Ausbildungsbetriebe bietet die sogenannte Lehrbetriebsmappe eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Themen der Lehrlingsausbildung. Die Lehrbetriebsmappe enthält alle relevanten Informationen – rechtliche Rahmenbedingungen, Fördermöglichkeiten, Berufsbilder, Ausbildungsdokumente – zum Thema Baulehre. Die Ausbildungsleitfäden und die Lehrbetriebsmappe sind auf der Homepage der Geschäftsstelle Bau unter www.bau.or.at/baulehre digital abrufbar.

Kostenloser Service für die Mitarbeitersuche

Zudem steht allen Mitgliedsbetrieben der Bundesinnung Bau die Job-Plattform
www.jobsambau.at kostenlos für Stelleninserate zur Verfügung. Die Betriebe haben damit die Möglichkeit, österreichweit Stellenanzeigen aufzugeben und gezielt nach Mitarbeitern zu suchen – egal ob Lehrlinge, angelernte Arbeiter, Fach- oder Führungskräfte. Sämtliche auf der Plattform publizierte Lehrstellen werden zusätzlich auf www.baudeinezukunft.at ausgespielt.

Als Schnittstelle zwischen Bauunternehmen und Bewerbern ist www.jobsambau.at eine ideale Lösung zur Mitarbeitersuche. Die Plattform steht allen Mitgliedsbetrieben der Bauinnungen kostenlos zur Verfügung.

Das Portal www.jobsambau.at zeichnet sich durch eine schnelle und einfache Handhabung aus. Die Gestaltung der Stelleninserate und des Firmenauftritts auf der Plattform erfolgt durch die Baufirmen selbst. Nach erfolgter Registrierung steht eine Bedienungsanleitung zur Verfügung, welche die 4 einfachen Schritte erklärt, um ein maßgeschneidertes Stelleninserat zu publizieren. Überdies steht unter jobs@bwz.at bzw. +43 732 245 928 ein Support zur Beantwortung etwaiger Fragen zur Verfügung.

Fazit

Angesichts der demografischen Entwicklungen verschärft sich der Wettbewerb um geeignete Lehrlinge zusehends und viele Branchen wetteifern um das Interesse der Jugendlichen. Die Bundesinnung Bau wird auch in Zukunft alles daran setzen, um die Bauunternehmungen bei der Suche nach geeigneten Kandidaten für die Fachkräfte von morgen und deren Ausbildung zu unterstützen. (Text: Mag. Paul Grohmann M.A., Geschäftsstelle Bau)

1Statistik Austria, Statistik des Bevölkerungsstandes, abgefragt am 29.06.2026

2Lehrlingsstatistik, Wirtschaftskammer Österreich, Stichtag 31.12.2025

Links und weitere Informationen:

Webseite Lehrlingskampagne:
www.baudeinezukunft.at

Kostenlose Job-Plattform für Mitgliedsbetriebe:
www.jobsambau.at

Informationen zur Lehrlingsausbildung:
www.bau.or.at/baulehre

Facebook-Auftritt:
www.facebook.com/baudeinezukunft

Instagram-Auftritt:
www.instagram.com/baudeinezukunft

TikTok-Auftritt:
www.tiktok.com/@ bau.deine.zukunft

Berufswettbewerbe Video-Nachberichte:
www.bautv.or.at