„Der Fachkräftebedarf in Oberösterreich wächst weiter. Laut aktuellem Fachkräftemonitor könnten bis 2030 rund 83.000 Fachkräfte fehlen, langfristig sogar bis zu 151.000 bis zum Jahr 2040.“ Auf diesen Befund weist die Bauakademie Oberösterreich hin. Als Hauptgrund machen Experten den Wandel aus: „Zwischen 2026 und 2035 gehen viele Angehörige der geburtenstarken Jahrgänge in Pension, während gleichzeitig die Nachfrage nach Arbeitskräften hoch bleibt“, so die Bauakademie Oberösterreich. Ihre Schlussfolgerung: „Ohne Gegenmaßnahmen könnte damit künftig fast jeder fünfte Arbeitsplatz unbesetzt bleiben. Weiterbildung und Qualifizierung werden dadurch zunehmend zur entscheidenden Wettbewerbsfrage für viele Branchen.“

Bauen ist kein neues Geschäft

Gerade im Bauwesen werde diese Entwicklung besonders sichtbar. Bauen ist kein neues Geschäft. Neu ist jedoch die Gleichzeitigkeit der Anforderungen Projekte werden größer und dichter getaktet, digitale Planungsmethoden greifen tief in Abläufe ein, Fachkräfte fehlen und auf der Baustelle laufen all diese Linien zusammen. Dazu die Bauakademie Oberösterreich: „Bauleiterinnen und Bauleiter stehen damit an einer Schnittstelle, an der sich der Projekterfolg entscheidet. Antworten auf diese Entwicklung entstehen nicht allein durch neue Werkzeuge oder Software. Entscheidend ist, ob es gelingt, strategisches Wissen so in die Praxis zu übersetzen, dass es im Alltag ankommt.“

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Genau das versuchen die Bauakademie in Kooperation mit der Zukunftsagentur Bau (ZAB) zu leisten. Sie bieten gemeinsam Ausbildungs- und Studienformate an, „die nicht abstrakt bleiben, sondern sich an realen Baustellen orientieren und an den Menschen, die sie leiten“, so die Bauakademie Oberösterreich.

„In der Baubranche gibt es viele technische Ausbildungen, aber nur wenige, die Bauprojekte ganzheitlich – wirtschaftlich, prozessorientiert und strategisch – betrachten“, sagt Jennifer Ludwig, Geschäftsführerin bei CBL Cubus Bauwirtschaft Ludwig GmbH. Hier setzt das Bachelor Professional Weiterbildungsstudium an. Im Fokus stehen die strukturierte Steuerung von Bau- und Unternehmensprozessen, Lean Construction Management, Digitalisierung und moderne Arbeitsmethoden, also jene Kompetenzen, die heute über Effizienz und Wirtschaftlichkeit entscheiden.

Fokus auf Praxis

„Besonders überzeugend ist die starke Praxisorientierung: Die Lehrenden kommen direkt aus innovativen Betrieben und vermitteln Erfahrungen aus dem realen Baualltag. Für mich ist der Studienlehrgang die konsequente Weiterentwicklung vom operativen Arbeiten hin zum strategischen Denken im Bauwesen und eine wertvolle Ergänzung für Führungskräfte, die Bauprozesse nachhaltig verbessern wollen“, so Ludwig weiter.

Mit dem Bauleiter-Grundlehrgang hat die Bauakademie Oberösterreich in den vergangenen Jahren eine Basis geschaffen. Aufbauend darauf biete man „ein breites Kurs- und Fortbildungsprogramm für erfahrene Bauleiterinnen und Bauleiter an.“ Die Angebote zur „Top-Bauleitung“ vertiefen zentrale Kompetenzen der Baupraxis und greifen wichtige Führungsfragen auf. Im Fokus stehen unter anderem Zeit- und Baustellenmanagement, die Weiterentwicklung von Verhandlungskompetenzen sowie der Ausbau digitaler Fähigkeiten.

Ein weiterer Schritt ist das Zertifikatsprogramm „Produktivität am Bau“. Angesprochen sind vor allem Absolventinnen und Absolventen der Werkmeister- und Bauhandwerkerschule sowie Personen mit Baumeisterprüfung. Für sie eröffnet das Programm die Möglichkeit, den Ingenieur-Titel (Ing.) zu erwerben. Damit werde ein strukturelles Problem der Branche adressiert. Die Bauakademie: „Viel Erfahrung, hohe Verantwortung, aber lange Zeit kein klarer akademischer Anschluss.“

Norbert Hartl
Norbert Hartl: "Weiterbildung darf kein Umweg sein." © Bauakademie

„Viele hervorragende Praktikerinnen und Praktiker tragen seit Jahren enorme Verantwortung auf Baustellen. Mit dem Zertifikatsprogramm Produktivität am Bau schaffen wir eine Möglichkeit, diese Kompetenz sichtbar und anerkannt zu machen“, sagt Norbert Hartl, Präsident der Bauakademie BWZ OÖ. „Weiterbildung darf kein Umweg sein, sondern muss ein logischer nächster Schritt in der beruflichen Entwicklung sein“.

Zwei Studien

Ab Herbst starten zudem zwei berufsbegleitende Weiterbildungsstudien zum Bachelor Professional (BPR), die in Kooperation mit der Universität für Weiterbildung Krems entwickelt wurden. Beide Programme orientieren sich an der Baupraxis. Der Zugang ist dabei niederschwellig gestaltet. Auch ohne Matura ist eine Teilnahme möglich – Voraussetzung ist unter anderem einschlägige Berufserfahrung von in der Regel zwei Jahren.

Der BPR Bauleitung & Projektperformance beschäftigt sich mit der Frage, wie Bauprozesse besser gesteuert werden können: von Lean-Methoden über Kosten- und Terminmanagement bis hin zu Teamführung und Projektorganisation. Der Fokus liegt auf der Optimierung realer Projekte. Der BPR BIM – Building Information Modeling wiederum rückt die digitale Abbildung des Bauens in den Mittelpunkt. Modellbasierte Planung, Kollaboration, Visualisierung, Kosten- und Terminsteuerung sowie der Einsatz von künstlicher Intelligenz werden nicht isoliert betrachtet, sondern entlang des gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks.

„Die Stärke dieser Bildungsangebote liegt weniger im Titel als im Zusammenspiel der Beteiligten“, so die Bauakademie Oberösterreich. „Die Zukunftsagentur Bau analysiert Trends und Anforderungen der Branche und übersetzt sie in strategische Konzepte. Die Bauakademien sorgen dafür, dass daraus umsetzbare Programme werden, nah an Betrieben, Baustellen und den Menschen vor Ort.“

„Projektoptimierung ist heute kein theoretisches Thema mehr. Sie entscheidet darüber, ob Termine gehalten, Kosten kontrolliert und Teams geführt werden können“, sagen Harald Kopececk, Geschäftsführer der Zukunftsagentur Bau und der Bauakademie OÖ, und Erich Kremsmair, Studienprogrammleiter. „Unsere Aufgabe ist es, Führungskräfte am Bau so zu qualifizieren, dass sie dieser Verantwortung gerecht werden können.“