Anton Rieder über den leichten Aufschwung in 2026 …

Für unser Unternehmen zeichnet sich ab, dass 2026 besser wird als 2025. Die Auftragslage ist spürbar stabiler, auch wenn wir gleichzeitig mit massiven Kostensteigerungen konfrontiert sind. Das ist besonders schwierig, weil wir vielfach mit Fixpreisen arbeiten. Wenn sich Material- oder Lieferantenpreise kurzfristig stark verändern, geraten diese Kalkulationen unter Druck. Dennoch ist die Nachfrage aktuell höher als im Vorjahr, auch wenn ich bei der Frage einer echten, nachhaltigen Erholung vorsichtig bleibe.

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… und warum er nicht daran glaubt, dass dieser langfristig ist.

Ich habe den Eindruck, dass wir eher ein kurzfristiges Aufleben sehen als einen langfristigen Aufschwung. In den letzten Jahren wurde wenig gebaut, jetzt gibt es einen Nachholeffekt. Aber strukturell hat sich einiges verändert. Die Bevölkerungsentwicklung zeigt klar, dass außerhalb von Wien kaum Wachstum stattfindet. Das hat direkte Auswirkungen auf den Wohnbau und damit auch auf Infrastrukturprojekte. Ich gehe davon aus, dass sich die Branche in den nächsten Jahren auf einem niedrigeren Niveau einpendeln wird.

Wie stark der Einbruch im Hochbau in den vergangenen Jahren war:

Die Zahlen variieren, aber der Rückgang im Hochbau liegt vermutlich irgendwo zwischen 20 und über 30 Prozent in den vergangenen Jahren. Das ist erheblich. Gleichzeitig wurden die Personalkapazitäten nicht im gleichen Ausmaß reduziert, weil viele Betriebe ihre Mitarbeiter halten wollen. Das führt zu einem sehr intensiven Wettbewerb, teilweise auch zu ruinösen Preisentwicklungen. Die zentrale Frage ist: Wer hält das länger durch?

Wie er bei Riederbau mit der Situation umgeht:

Wir haben zwei strategische Stoßrichtungen definiert. Erstens die regionale Expansion, konkret nach München. Dort gibt es weiterhin Wachstum und einen hohen Bedarf an Wohnraum. Zweitens setzen wir stark auf unsere Kernkompetenzen: integrale Planung, Vorfertigung im Holzbau und digitale Prozesssteuerung. Damit positionieren wir uns verstärkt als Gesamtanbieter – also als Partner, der Planung und Umsetzung integriert anbietet.

Warum der integrale Ansatz immer mehr an Bedeutung gewinnt:

Bauen wird immer komplexer. Themen wie CO₂-Bilanzierung oder technische Anforderungen lassen sich kaum mehr in fragmentierten Prozessen abbilden. Gleichzeitig wünschen sich Auftraggeber mehr Kostensicherheit. Fixpreise und klare Verantwortlichkeiten werden wichtiger. Der klassische Ansatz mit vielen Einzelvergaben wird daher an Bedeutung verlieren. Wir glauben, dass wir durch unsere strategische Ausrichtung in dieser Phase wachsen können – nicht explosionsartig, aber stabil. Während sich die Branche konsolidiert, werden einige Betriebe verschwinden, andere sich neu positionieren.

Was die Politik tun könnte, um die Bauwirtschaft zu unterstützen:

Zwei Themen sind für uns besonders wichtig. Das Thema einfach Bauen und die mittelstandsfreundliche Vergabe: Bei öffentlichen Ausschreibungen sehen wir, dass viele Verfahren so gestaltet sind, dass kleinere und mittlere Unternehmen kaum Chancen haben. Ein wichtiger Punkt sind hier die Referenzen: Sie werden oft so bewertet, dass große Konzerne systematisch im Vorteil sind. So gelten zum Beispiel für den Bau eines Kindergartens in Tirol Projekte in Tschechien oder Ungarn als Referenzen. Ein Konzern kann hier natürlich deutlich mehr Projekte aufweisen, ohne dass er etwas vor Ort realisiert hat. Langfristig ist das eine große Bedrohung für den Mittelstand und führt zu einer Konzentration im Markt. Wir haben dann irgendwann Verhältnisse wie im Lebensmittelhandel.

Wie es um die Bemühungen um das Thema einfach Bauen steht:

Hier geht es darum, Planen und Bauen zu vereinfachen, ohne Sicherheitsstandards zu gefährden. Es gibt bereits Ansätze in der Praxis. Wir haben zum Beispiel in der SCA – einer Allianz von sechs mittelständischen Bauunternehmen – den SCA-Baustandard entwickelt, in dem wir bereits mehr als 100 Punkte definiert haben, wie man sinnvoll von bestehenden Normen abweichen kann. Dieser Katalog wird laufend erweitert. Gleichzeitig braucht es aber auch Anpassungen im rechtlichen Rahmen. Die Diskussion läuft sowohl in Österreich als auch in Deutschland. Wenn es gelingt, hier praxistaugliche Lösungen zu etablieren, könnte das die Baukosten deutlich senken und Prozesse beschleunigen.