„Die thermische Gebäudesanierung ist eine unverzichtbare Maßnahme für unsere Zukunft, unseren Planeten. Das Erreichen der Klimaziele und die Energiewende sind damit untrennbar verbunden.“ Recht viel klarer kann man die Bedeutung der thermischen Sanierung nicht zum Ausdruck bringen. Clemens Hecht, Sprecher der ARGE Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme (QG), ist jedenfalls von fest von ihr überzeugt: „Mit einer umfassenden thermischen Gebäudesanierung können bis zu 95 Prozent Energie eingespart werden, das ist kein Geheimnis“, ergänzt er.

Branchengrößen vertreten

Bei der QG handelt es sich um die Interessenvertretung der österreichischen Hersteller von Wärmedämmverbundsystemen (WDVS). Zu ihren Mitgliedern zählen Branchengrößen wie Baumit, Röfix, Sto und Synthesa.

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Die QG vergibt heuer zum 13. Mal den sogenannten Ethouse Award. Der Preis würdigt thermische Gebäudesanierungen, die Energieeffizienz auf hohem Niveau umgesetzt haben. Bewertungskriterien sind die Ausführungsqualität, der Umgang mit dem Altbestand, die architektonische Umsetzung sowie der Umfang der Energieeinsparung. Einreichungen sind in den drei Kategorien öffentliche und gewerbliche Bauten sowie Wohnbau möglich. Neben Planer*innen werden auch die WDVS-verarbeitenden Betriebe ausgezeichnet. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird am 16. März 2027 in Wien verliehen.

Bis 14. Oktober

Einreichen können alle privaten und öffentlichen Bauträger, Architekt*innen und Planer*innen, städtische oder einfache Verwaltungsinstitutionen inklusive Gemeinden und Wohnbaugesellschaften mit Sitz in Österreich. Zugelassen sind Objekte, die mit 14. Oktober 2024 oder danach fertiggestellt worden sind. Ausschreibungsbeginn ist der 23. Juni 2026, Einreichende der 14. Oktober 2026.

Im Namen Ethouse sind die zwei Begriffe kombiniert: ETICS – die Abkürzung für den englischen Begriff External Thermal Insulation Compound System – und House. „Dass daraus auch Ethos gelesen werden kann, ist kein Zufall“, meint QG-Sprecher Hecht. „Der Ethouse Award erinnert uns daran, wofür wir tun, was wir tun: für eine energieeffiziente, lebenswerte Zukunft – für ein würdevolles Leben auf Planet Erde“, meint man bei der QG. „Zukunftsfähige Lebensräume sind nur mit einem sanierten Gebäudebestand möglich.“

12 Millionen Quadratmeter

Die Branchenvertretung verweisen auf beeindruckende Zahlen: „In Österreich werden pro Jahr circa zwölf Millionen Quadratmeter Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) verarbeitet. Diese müssen nicht nur dämmen, sondern auch gestalterische Anforderungen erfüllen.“ Beim Ethouse Award werden daher Sanierungen prämiert, die mehr können als Energiesparen.

Gemeindeamt Sippbachzell
Gemeindeamt Sippbachzell nach der Sanierung: Energieverbrauch um 64 Prozent gesenkt. © Gregor Graf

So wie das Mehrwert-Zentrum im oberösterreichischen Sipbachzell, das bei der letzten Vergabe im Jahr 2024 in der Kategorie „Öffentliche Bauten“ zu den Gewinnern zählte. Flächenschonendes Vorgehen stand bei der mehrstufigen Sanierung eines Gemeindeamts und einer Arztpraxis im Fokus. Die Vorgaben an Mia2 Architektur und WDVS-Verarbeiter Andrijevic Fassadenbau: Die bestehende Struktur sollte genutzt, ökologische Materialien eingesetzt und die gesamte Gebäudehülle thermisch aufgewertet werden.

Vorbild Öffentliche Hand

Im Zuge der Sanierung wurde der Proberaum des Musikvereins vergrößert, ein Holz-Kuppeldach erstellt, das Gebäude technisch auf den neuesten Stand gebracht barrierefrei gestaltet. Wesentlich: Der Energieverbrauch wurde um 64 Prozent gesenkt.  „Die öffentliche Hand hat Vorbildwirkung, was mit diesem Projekt zu hundert Prozent gelungen ist: flächenschonender Umgang durch intensive und vielfältige Nutzung“, wertschätzt die Jury.

Maria Laach: Stadel und Pfarrheim wurden runderneuert.
Maria Laach: Stadel und Pfarrheim wurden runderneuert.

Bestand aus 1890

Der Stadel und das Pfarrheim von Maria Laach am Jauerling in Niederösterreich wurde von AH3 Architekten gemeinsam mit der ausführenden Jägerbau saniert. Der bestehende Stadel aus dem Jahr 1890 blieb im Zuge der Sanierung mit seinen typischen Merkmalen erhalten. Die räumlich begrenzten Möglichkeiten wurden clever genutzt. „Es ist ein kleines aber auch komplexes Projekt, bei dem neben den Anliegen des Denkmalamtes, auch die Bedürfnisse der unterschiedlichen Nutzer*innengruppen berücksichtigt worden sind“, lobte die Jury, die zudem „den kommunalen Beitrag zur Bewusstseinsbildung für thermische Sanierungen“ hervorhob. „Aus nichts wird nichts: Wir führten intensiven Austausch mit den Nutzer*innen. Der Prozess und das Ergebnis sind fantastisch“, so Architekt Johannes Kislinger.

Das gibt es auch heuer wieder zu gewinnen: Trophäe von 2024.
Das gibt es auch heuer wieder zu gewinnen: Trophäe von 2024.

Das Quartier Johann-Hoffmann-Platz 10-15 im 12. Wiener Gemeindebezirk zählte zu den Preisträgern in der Kategorie Wohnbau. Es wurde von der GSD Gesellschaft für Stadt- und Dorferneuerung gemeinsam mit dem WDVS-Verarbeiter Lavaro Bau saniert. „Diese Quartiers-Sanierung beweist den erfolgreichen Umgang mit den Anforderungen des Denkmalschutzes und Berücksichtigung der historischen Bedeutung“, meinte die Jury. Sie verwies zudem auf die Aufwertung des Bestandes durch gezielte Gestaltungsmaßnahmen und eine technisch anspruchsvolle Modernisierung.

Sozial Komponente

Außerdem zählte auch die soziale Komponente: Die Interessen von Mieter*inneren wurden erhoben und berücksichtigt. So verfügt das Quartier nach der Sanierung über Gemeinschaftsterrassen und weitere neue gemeinschaftlich genutzte Flächen. Der Heizwärmebedarf wurde um 82 Prozent gesenkt. Dazu die GSD: „Wir haben viele kleine Maßnahmen gesetzt – mit großer Wirkung. Es geht.“