Nur mit ausreichenden Fachkräften bleibt die Branche langfristig funktionsfähig. Die Nachwuchsgewinnung ist sicherlich eine der größten Herausforderungen.“ Bundesinnungsmeister Anton Berger, spricht ein Thema an, das den Installateuren Muffensausen bereitet: der Fachkräftemangel.

Das Handwerk tut sich schwer

Das gesamte Handwerk tut sich immer schwerer, gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. „Ein zentrales Problem ist das anhaltende Qualifikations-Mismatch: Viele Unternehmen finden trotz vorhandener Angebote wie Weiterbildung oder Förderprogramme keine passend ausgebildeten Fachkräfte“, beschreibt Eva-Maria Schupfer, Leiterin der Abteilung Bildungspolitik in der Wirtschaftskammer Oberösterreich (WKOÖ), die missliche Situation. Sie hat auch eine weitere unangenehme Botschaft: „Der Fachkräftemangel wird durch die demografische Entwicklung weiter verschärft.“

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Viega Österreich-Zentrale am Attersee. © Viega

Neben dem Umstand, dass die Zahl der Jugendlichen infolge der niedrigen Geburtenrate zu niedrig ist, bereitet auch deren Bildungsniveau Sorgen. „Viele Auszubildende bringen heute weniger Grundlagen mit als früher. Dinge wie einfache Rechnungen oder das Umstellen von Formeln, die früher selbstverständlich waren, sind heute oft schwierig“, meint Jörg Wiesbauer, Schulungsleiter beim Systemhersteller Viega.

Wenig wertgeschätzt

Zudem kämpfen die handwerklichen Berufe mit einem weiteren gesellschaftlichen Phänomen: „Die Lehre wird in unserer Gesellschaft zu wenig wertgeschätzt.“ Diese Feststellung kommt von jemandem, der es wissen muss. Paul Forstenlechner leitet den gleichnamigen Installationsbetrieb im oberösterreichischen Perg.

Er setzt stark auf die Ausbildung im Haus: „Wir nehmen pro Jahr sechs bis acht Lehrlinge auf“, sagt er. Derzeit beschäftigt man 24 Auszubildende. Von den 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stammt rund die Hälfte aus dem eigenen Nachwuchs. Er ergänzt: „Bei uns im Betrieb haben wir nur wenige Akademiker. Und das ist kein Zufall. Das Handwerk lernt man draußen auf der Baustelle und nicht im Hörsaal.“

Problem sind die Eltern

Dummerweise sehen das viele Eltern anders – und bei Ihnen sieht Robert Frasch die wohl größte Hürde, die zu nehmen ist, wenn man mehr junge Menschen für die Lehre gewinnen will. „Die Eltern sind das größte Problem. Viele drängen ihre Kinder unbedingt in eine akademische Richtung – egal ob das passt oder nicht“, so Frasch, der die Plattform lehrlingspower.at betreibt, ein Netzwerk, in dem sich rund 70 Betriebe zusammengeschlossen haben, um praktisches Wissen zum Thema Ausbildung auszutauschen. Frasch weiter: „Das Handwerk bleibt dadurch auf der Strecke. Und das ist gefährlich, weil ein großer Teil unserer Wirtschaft auf ihm basiert.“

„Das Handwerk hat ein Image-Problem“, meint auch Viega-Mann Wiesbauer. Und dies ist aus seiner Sicht bei Installateuren besonders ausgeprägt: „Viele glauben noch immer, der Installateur macht nur schmutzige Arbeit. Dabei ist das längst ein Hightech-Beruf“, so Wiesbauer. „Wenn man den Beruf falsch darstellt, schreckt man Jugendliche ab.“ Er erinnert sich an eine Werbekampagne, bei der ein Lehrling mit einem Stemmhammer gezeigt wurde. „Da denkt jeder sofort, dass der Beruf nur aus Stemmen besteht. So etwas hilft nicht, sondern schadet dem Image.“

Green Jobs

Auf Innungsebene hat man diese Botschaften vernommen. Bundesinnungsmeister Berger, selbst Chef eines Installationsbetriebs in Hart bei Graz, will bei der Positionierung des Berufs ansetzen: „Unsere zentrale Aufgabe ist, Teil der Energiewende zu sein und dabei den Markt zu stabilisieren. Wir müssen den krisensicheren Job des Installateurs auch so kommunizieren, um Nachwuchs zu gewinnen“, sagt Berger. „Wir bieten Green Jobs mit sinnstiftenden Tätigkeiten und gutem Verdienst.“

Einen echten Schub erhofft Berger sich auch durch die neue Ausbildung zur „Installations- und Energietechnik“, in der die beiden bislang getrennten Zweige Gas/Sanitär und Heizung vereint werden. Die Ausbildungsordnung liegt aktuell im Wirtschaftsministerium und soll noch heuer freigegeben werden. „Damit schaffen wir für die Zukunft eine ganzheitliche Ausbildung. Daneben gibt es weiter die Lüftungstechnik“, so Berger.

Mix an Maßnahmen

WKOÖ-Vertreterin Schupfer setzt gegen die Nachwuchskrise wiederum auf einen „Mix aus bestehenden Angeboten: gezielte Weiterbildung, stärkere Nutzung der dualen Ausbildung/Lehre sowie zukünftig auch verstärkt Programme zur Integration internationaler Fachkräfte.“ Lehrlingspower-Gründer Frasch verweist dabei auf einen aus seiner Sicht wesentlichen Aspekt: „Wir werden das Problem nur lösen, wenn wir zusammenarbeiten – über die Betriebe und Branchen hinweg.

Talk am See

Er hat demnächst Gelegenheit, über diese gemeinsamen Lösungen zu diskutieren. Frasch nimmt am 27. Mai zusammen mit Schupfer, Wiesbauer und Forstenlechner an einer Panel-Diskussion der Gebäude Installation zum Thema „Fachkräftemangel in der Gebäudetechnik“ teil. Sie wird von Chefredakteur Martin Hehemann geleitet und findet in der Österreich-Zentrale des SystemherstellersViega am Attersee statt. Die Veranstaltung startet um 16.30 Uhr. Interessierte sind herzlich eingeladen, an der Diskussion teilzunehmen. Zudem wird ein Livestream angeboten. ■

Zum Talk am See am 27. Mai:

  • Thema: „Fachkräftemangel in der Gebäudetechnik“
  • Wann: 27. Mai 2026, Eintreffen ab 16 Uhr, Beginn um 16.30 Uhr.
  • Wo: Viega, Palmsdorf 102, 4864 Attersee am Attersee
  • Anmeldung: viega.at/talkamsee