Nach einem von Turbulenzen, Standortschließungen und massivem Preisdruck geprägten Jahr 2025 steht die österreichische Glasbranche weiterhin unter Spannung. Die Baukonjunktur bleibt schwach, Energie- und Personalkosten sind hoch und Investitionen werden vorsichtig abgewogen. Gleichzeitig mehren sich Anzeichen einer leichten Stabilisierung – insbesondere im Sanierungs- und Innenausbau. Wie entwickelt sich der Glasmarkt im Jahr 2026?
Wir haben den Top-Managern der österreichischen Glas- und Zulieferindustrie (in alphabetischer Reihenfolge der Firmennamen) fünf Fragen gestellt:
- Wie schätzen Sie die gesamtwirtschaftliche Entwicklung des österreichischen Glasmarktes im Jahr 2026 ein?
- Ende 2025 kam es am heimischen Glasmarkt zu schweren Turbulenzen mit Standortschließung, Insolvenz und Übernahmen – welche Faktoren sehen Sie als Hauptursachen dafür?
- Wie erwarten Sie die Entwicklung von Glasverfügbarkeiten und Glaspreisen in den kommenden Monaten?
- Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit im Glasmarkt – und welchen Einfluss hat es auf Investitionsentscheidungen in Ihrem Unternehmen bzw. in der Branche?
- Welche Auftragsbereiche sichern derzeit hauptsächlich die Auslastung im Glashandwerk?
Franz Schreibmaier, Geschäftsführer Bohle Österreich:

1. Ausblick Glasmarkt 2026: Um die Situation des Glasmarktes zu bewerten, muss der Blick über den Branchenrand hinaus auf die allgemeine Bauwirtschaft gerichtet werden. Diese befindet sich auf einem historisch niedrigen Niveau und wir sehen eher Stagnation statt Aufschwung. Kolportiere Zahlen von +0,2 bis +1,4 % „Wachstum“ für 2026 werden vermutlich bei niemandem Euphorie auslösen. Vor allem, wenn man bedenkt, von welch tiefem Level dieses „Wachstum“ ausgehen soll. Zu bedenken ist auch: Die Objekte, Häuser und Wohnungen, welche in den letzten zwei bis drei Jahren nicht gebaut wurden bzw. jetzt nicht gebaut werden, fehlen in zehn bis fünfzehn Jahren auch bei Sanierungen. Da verlieren wir langfristig an Wertschöpfung in der Glas- und Baubranche.
2. Ursachen für die Turbulenzen 2025: Diese Turbulenzen und leider auch Betriebsschließungen sind vermutlich das Ergebnis der negativen wirtschaftlichen Gesamtsituation. Man kann nicht „hinter die Kulissen“ blicken oder aus der Ferne beurteilen. Aber gesunkene Nachfrage im Bau, hohe Fixkosten, unter anderem bei Energie und Material, in Verbindung mit einem enormen Preisdruck und eventuelle Finanzierungsengpässe können rasch zum Verhängnis werden.
3. Glasverfügbarkeiten und Glaspreise: Diese Fragen können die Menschen am besten beantworten, die wissen, wann sie welches Floatwerk demnächst zusperren oder in die geplante Wartung herunterfahren. Schließungen von Produktionslinien infolge mangelnder Auslastung, eine schwache Baunachfrage und Billigimporte aus Fernost lassen eine Verbilligung erwarten – doch die Realität der Produktionskosten spricht eine andere Sprache. Bisher hat uns kein Verarbeiter bestätigt, dass es billiger wurde. Vermutlich wird es noch teurer.
4. Thema Nachhaltigkeit am Glasmarkt: Das Thema Nachhaltigkeit ist ja für einige Menschen schon zum Reizwort verkommen, obwohl es große Chancen bietet. Umweltschutz und umsichtiges Wirtschaften sind sicher enorm wichtige Themen, aber meiner Meinung nach finden diese erstaunlich wenig Beachtung in der Branche. Bei Bohle wird zur Zeit ein Gebäude komplett thermisch saniert, das Dach mit PV-Elementen ausgestattet und E-Ladestationen errichtet. Wir wissen aber auch von Kunden, dass sie das Thema Nachhaltigkeit als Chance sehen.
5. Auftragsbereiche für das Glashandwerk: Bei Gesprächen mit unseren Kunden hören wir sehr oft, dass das Thema Reparatur und Instandhaltung attraktiver wird, weil der Großteil der Menschen wieder massiv spart. Sanierung und hochwertiger Innenausbau sichert den EPUs und KMUs das Geschäft. Das füllt aber keine Auftragsbücher der Industrie – dazu fehlen die großen Baustellen.
Harald Bissenberger, Prokurist Ertl Glas:

1. Ausblick Glasmarkt 2026: Ich denke, dass die Mengen am Markt nicht mehr sein werden als 2025 mit einem optimistisch gesehen kleinen Plus.
2. Ursachen für die Turbulenzen 2025: Hauptfaktor für mich ist kaufmännisch gesehen eine noch nie dagewesene Bereitschaft in den letzten Jahren kalkulatorisch unter Herstellkosten anzubieten und Aufträge durchzuführen. Ein weiterer Punkt ist mit Sicherheit, dass die Personalkosten in den letzten fünf Jahren bis zu 25 Prozent gestiegen sind und diese Mehrkosten am Markt noch nie weitergegeben werden konnten. Die extrem gestiegenen Materialkosten im Jahr 2025 haben sicher auch dazu beigetragen die Ergebnisse sinken zu lassen, da auch diese Mehrkosten bis heute nicht zu 100 Prozent weitergegeben werden konnten. Das sind sicher Teile der Ursachen, jedoch sind interne Problemstellungen der einzelnen Betroffenen nicht zu beurteilen, da man sie nicht kennt.
3. Glasverfügbarkeiten und Glaspreise: Die Glasverfügbarkeit, wird nicht das Problem sein, denke ich, da 2026 die eine oder andere Floatglaslinie wieder online geht. Bei den Preisen bin ich mir noch nicht ganz sicher, aber ich denke, dass wir 2026 auch wieder die eine oder andere Floatglas-Preiserhöhung, aus welcher Veranlassung heraus auch immer, erleben werden. So viel ist für mich sicher: günstiger wird‘s nimmer.
4. Thema Nachhaltigkeit am Glasmarkt: Nachhaltigkeit ist nach wie vor ein Randthema und wird, wenn überhaupt, bei dem einen oder anderen Projekt als wichtige Position hervorgehoben. Für uns als Unternehmen ist es nicht mehr Thema wie auch schon in den letzten Jahren, da alle derartigen Entscheidungen immer auf Nachhaltigkeit gegründet sind.
5. Auftragsbereiche für das Glashandwerk: Sanierung und Innenausbau. In diesem Segment gibt es einen gewaltigen Investitionsrückstau in Österreich. Wenn man bedenkt, dass es in Österreich ca. 850 Milliarden an privaten Sparvermögen gibt, warten die Menschen nur darauf, positiv motiviert zu werden, dieses Geld auch auszugeben. Hier spielt vor allem das mediale Umfeld eine wichtige Rolle entsprechend Stimmung zu machen.
Bernhard Feigl, Geschäftsführer Glas Marte:

1. Ausblick Glasmarkt 2026: 2026 wird kein bequemes Jahr. Jeder Glaserei- und Fensterbaubetrieb ist mit Themen konfrontiert, die es in dieser Form bisher nicht gab. Das wird sich auch nicht so schnell ändern. Wir sehen unsere Aufgabe darin, unseren Kunden den Rücken freizuhalten, Komplexität zu reduzieren und echte Produkt- und Leistungsvorteile zu bieten. Auch wenn Umfeld und Entwicklungsmöglichkeiten unsicher erscheinen, braucht es Verlässlichkeit und Kontinuität – denn genau dadurch lassen sich auch schwierigere Zeiten überbrücken.
2. Ursachen für die Turbulenzen 2025: Die Entwicklungen Ende 2025 waren kein Zufall. Globale Einflüsse sowie politische und gesellschaftliche Veränderungen zeigen zunehmend Wirkung. Partnerschaften und Zusammenschlüsse sind heute wertvoller denn je. Das Bündeln von Kompetenzen und die Skalierung eigener Fähigkeiten sind Voraussetzungen für eine positive Perspektive. Der Markt hat lange verzögert auf die veränderten Rahmenbedingungen reagiert, auch die Unternehmensnachfolge ist in vielen Betrieben ein Thema – nun haben sich diese Entwicklungen innerhalb kurzer Zeit verdichtet. Der österreichische Glasmarkt wird sich auch zukünftig anpassen müssen, denn jede Veränderung ist in der Gesamtbetrachtung meist auch ein Fortschritt.
3. Glasverfügbarkeiten und Glaspreise: Glas ist verfügbar – doch andere Faktoren wie Energie etc. sind nach wie vor ungewiss. Auch konstruktive Lösungen und Einbaukomponenten sind aus nahezu allen Herren Länder wieder verfügbar. Verfügbarkeit allein reicht jedoch nicht aus. Produktvorteile, Qualität, Planbarkeit, Liefertreue und eine ehrliche Kalkulation werden wieder wichtiger als reine Rabattlogik.
4. Thema Nachhaltigkeit am Glasmarkt: „Green for Generations“ ist das Nachhaltigkeits-Leitmotiv, das wir leben. Gemeint ist kein Marketing-Claim, sondern ein langfristiges, generationenübergreifendes Unternehmensprinzip – ökologisch, wirtschaftlich und sozial. Wenn sich Handwerksbetriebe beim Zukauf ihrer Produkte darauf verlassen können, können sie sich selbst auf jenen Teil der Nachhaltigkeit konzentrieren, der sich auch rechnet. Wir investieren daher vor allem in Prozesse und Produkte, die unseren Kunden konkrete Vorteile bringen.
5. Auftragsbereiche für das Glashandwerk: Die Auslastung kommt aktuell hauptsächlich aus dem Sanierungsbereich und aus technisch sauberen Speziallösungen. Kunden suchen keine Experimente, sondern verlässliche Partner. Wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und Dinge sauber zu Ende zu denken, wird Arbeit haben. Genau dort sehen wir unsere Rolle. Die Auslastung verläuft jahreszeitlich typisch und liegt aktuell über den Prognosen – das stimmt uns insgesamt vorsichtig optimistisch für die Zukunft.
Johannes Reiter, Geschäftsführer Glasziegler:

1. Ausblick Glasmarkt 2026: Auch Anfang 2026 bleibt die Lage angespannt, da wir erneut auf eine Rezession zusteuern und die gesamte Wirtschaft in Österreich schwächelt. Damit ist die Investitionsbereitschaft in Bauvorhaben weiterhin zurückhaltend und sowohl der private Wohnbau als auch der Gewerbebau sind unter Druck. Zeitgleich steigen die Kosten im Bereich Löhne, Transport und Energie weiter und der Druck auf den Glasmarkt nimmt erneut zu. Ein deutliches Wachstum ist auch aufgrund der leeren Staatskassen und damit verbundener reduzierter Förderungen, wohl weiterhin nicht in Sicht. Trotzdem bin ich sehr zuversichtlich, dass die Regierung die richtigen Akzente setzt und das dringend notwendige Wirtschaftswachstum in der zweiten Jahreshälfte spürbar wird.
2. Ursachen für die Turbulenzen 2025: Durch die angespannte wirtschaftliche Lage und damit verbundenen Ertragseinbußen in den letzten Jahren, ist die Eigenkapitaldecke bei vielen Unternehmen empfindlich gesunken. Zeitgleich sind die Basisglas-Preise zu Beginn des Jahres massiv gestiegen und nur ein Teil der Erhöhung konnte an den Markt weitergegeben werden. Übernahmen sind grundsätzlich nichts verwerfliches, vorausgesetzt die neuen Eigentümer haben eine vernünftige Strategie zur Weiterführung des Unternehmens entwickelt. Wir als Glasziegler sehen uns sehr gut für die neuen Herausforderungen gerüstet, hoffen aber auch dringend auf eine Entspannung der Lage. Dazu ist eine vernünftige Kapazitätsplanung, mit entsprechender Preispolitik und eine kluge Personalpolitik auf allen Ebenen notwendig.
3. Glasverfügbarkeiten und Glaspreise: Aus jetziger Sicht sollte die Verfügbarkeit kein Thema sein, außer geopolitische Einflüsse wie etwa die Beendigung des Ukraine Krieges würden zu erhöhter Nachfrage führen. Die Basisglas-Preise bleiben wohl stabil am Niveau von Ende 2025 und die Industrie wird versuchen, hier das Level weiter zu halten. Aktuell diskutiert man sehr intensiv über den Einfluss der Preisentwicklung von Edelmetallen und speziell die Entwicklung des Silberpreises wird kurzfristig einen empfindlichen Preisanstieg von Spiegel und teilweise von beschichteten Gläsern mit sich bringen. Einige Hersteller aus dem Osten drängen mit günstigen Grundpreisen in den europäischen Markt, die Qualität und der Servicegrad sind aber wohl nicht vergleichbar und wir als Glasziegler werden jedenfalls unseren Hauptlieferanten treu bleiben.
4. Thema Nachhaltigkeit am Glasmarkt: Dieses Thema ist aktuell leider völlig vernachlässigt, da die gesamte Industrie aktuell nur auf Sicht fährt. Die Investitionsbereitschaft in langfristige Bereiche ist nur bedingt gegeben und man versucht mit dem bestehenden Equipment das Auslangen zu finden. Die am österreichischen Markt verfügbaren Glasprodukte entsprechen aber absolut dem Stand der Technik und erfüllen alle relevanten Anforderungen im Bereich Sicherheit und Energieeffizienz. Unsere Glasindustrie ist jedenfalls gut aufgestellt und kann sich dem internationalen Wettbewerb sehr gut stellen.
5. Auftragsbereiche für das Glashandwerk: Ich denke, dass das Handwerk ebenfalls ziemlich unter Druck ist und sich die Auftragslage in der gesamten Baubranche aktuell nicht sehr rosig darstellt. Es gilt also, die Kosten genau im Auge zu behalten und die Kapazitäten den Marktbedürfnissen anzupassen. Aus unserer Sicht als Glasgroßhändler sehen wir eine stabile Auslastung im Innenausbau, während für die Gebäudehülle nach wie vor zu wenig Nachfrage herrscht. Der private Wohnbau zeigt leichte positive Trends bei den Neubauten, der Schwerpunkt liegt aber immer noch in der Renovierung und Nachverdichtung.
Claus Freudenthaler, Vertriebs- und Marketingleiter Glas Gasperlmair:

1. Ausblick Glasmarkt 2026: Der Bedarf an veredelten Gläsern wie Einscheibensicherheitsglas, Verbundsicherheitsglas und Isolierglas war 2025 bereits das dritte Jahr in Folge rückläufig, was natürlich zu spürbarem Preisdruck am Bauglassektor geführt hat. Parallel dazu wird die Industrie von hohen Lohn- und Energiekosten beeinflusst, was zu einem Margendruck in energieintensiven Sektoren führt. Mit voraussichtlich leichten Verbesserungen und einer eher von stabilisierten bis moderat ansteigenden Nachfrage am österreichischen Glasmarkt ist im dritten Quartal auszugehen, jedoch von einem niedrigen Ausgangsniveau und mit weiterhin starkem Preiswettbewerb.
2. Ursachen für die Turbulenzen 2025: Die Turbulenzen am österreichischen Glasmarkt Ende 2025 sind im Wesentlichen auf eine Kombination aus strukturellen Branchenproblemen und konjunkturellen Schocks zurückzuführen. Besonders prägend waren vor allem Kosten- und Nachfrageschocks, die bestehende Schwächen einzelner Betriebe verschärft haben. Der Kostendruck hat sich durch steigende Löhne und Gehälter, Logistik-, Energie- und Rohstoffkosten weiter intensiviert. Im Bauglasbereich traf der Kostendruck auf einen deutlichen Rückgang in der Baukonjunktur, insbesondere im Wohnbau, was zu rückläufigen Aufträgen geführt hat. In Summe waren die Turbulenzen somit weniger das Ergebnis eines einzelnen Ereignisses, sondern die Folge einer längerfristigen Kosten‑ und Strukturkrise, die durch die konjunkturelle Schwäche und hohe Lohn- und Energiepreise akut geworden ist und in Insolvenzen und Übernahmen mündete.
3. Glasverfügbarkeiten und Glaspreise: In den kommenden Monaten erwarten wir eine insgesamt stabile bis leicht angespannte Glasverfügbarkeit, während die Preise überwiegend moderat steigen werden, insbesondere bei energieintensiven oder speziellen Glasqualitäten. Vor allem Energiepreise, Rohstoffpreise sowie Transportkosten bestimmen hier maßgeblich die Glaspreisentwicklung. Aufgrund der Stilllegung und Kapazitätsdrosselung mehrerer europäischer Float-Linien ist zumindest kurzfristig nicht mit einem massiven Überangebot an Glas zu rechnen. Engpässe können punktuell auftreten, insbesondere bei speziellen Dicken und speziell beschichteten Gläsern.
4. Thema Nachhaltigkeit am Glasmarkt: Nachhaltigkeit hat sich im Glasmarkt zu einem zentralen strategischen Steuerungsfaktor entwickelt und beeinflusst heute viele der wesentlichen Investitionsentscheidungen in der Branche. Sie wirkt dabei sowohl über gesetzliche Rahmenbedingungen als auch über Kundenanforderungen und Kostenstrukturen direkt auf Technologie‑ und Produktentscheidungen. Investitionen werden systematisch auf Ihre Wirkung in Bezug auf Energieverbrauch, energieeffiziente Lösungen, Technik, Produktivität und Materialeffizienz geprüft. Gleichzeitig zwingt der regulatorische Druck (EU‑Green‑Deal, Berichtspflichten, etc.) Unternehmen dazu, langfristige Investitionspfade zu definieren. Wer hier zu spät investiert, riskiert langfristig gesehen sowohl Wettbewerbsnachteile als auch steigende regulatorische Kosten.
5. Auftragsbereiche für das Glashandwerk: Derzeit wird die Auslastung im Glashandwerk durch Einscheibensicherheitsglas und Verbundsicherheitsglas gesichert, vor allem im Bereich des Bau- und Renovierungssektors. Besonders gefragt sind Ganzglas-Systeme für Innenräume sowie maßgefertigte Lösungen im Bereich Geländer, Brüstungen und Duschen. Auch Reparatur- und Sanierungsarbeiten, insbesondere der Austausch beschädigter oder veralteter Isoliergläser, tragen zu einer stabileren Auftragslage aktuell bei.
Gerald Wiesbauer-Pfleger, Geschäftsführer Glas Wiesbauer:

1. Ausblick Glasmarkt 2026: Aktuelle Marktanalysen zeigen, dass sich die Bauwirtschaft ab 2026 moderat erholen wird, insbesondere im Bereich des Privatbaus. Der Wohnbau hingegen bleibt weiterhin verhalten, hier lässt eine spürbare Belebung noch auf sich warten. Im Interieur-Segment ist zudem festzustellen, dass Glas derzeit verstärkt von alternativen Materialien verdrängt wird. Um unsere Marktposition nachhaltig zu sichern und auszubauen, ist es entscheidend, in diesem Bereich wieder an Relevanz zu gewinnen und gezielt Maßnahmen zur Rückeroberung des Marktanteils einzuleiten.
2. Ursachen für die Turbulenzen 2025: Nicht nur die schwache Auftragslage, sondern vor allem die deutlich zu niedrigen Preise sehen wir als Hauptursache für die aktuelle Situation. In vielen Fällen decken die erzielten Preise die tatsächlichen Kosten nicht mehr ab – langfristig ist dies betriebswirtschaftlich nicht tragbar. Zudem gewöhnt sich der Markt sehr schnell an niedrige Preisniveaus. Diese später wieder in eine wirtschaftlich angemessene Richtung zu korrigieren, ist erfahrungsgemäß schwierig und gelingt, wenn überhaupt, nur schrittweise und über einen längeren Zeitraum.
3. Glasverfügbarkeiten und Glaspreise: Derzeit sind bei der Materialverfügbarkeit keine Engpässe erkennbar. Die Grundpreise für Glas haben sich etwas entspannt, jedoch wurde uns ein neuer Silberzuschlag angekündigt, der bereits seit Februar wirksam ist. Aufgrund der derzeit angespannten Preissituation am Markt ist es für uns zunehmend herausfordernd, die monatlich wechselnden Zuschläge weiterzugeben. Wir sind bemüht, die Auswirkungen für unsere Kunden so gering wie möglich zu halten und beobachten die Preisentwicklung fortlaufend, um schnell und transparent reagieren zu können.
4. Thema Nachhaltigkeit am Glasmarkt: Ohne optimierte Produktionsprozesse, Prozesswasseraufbereitungsanlagen und dergleichen würde es heute nicht mehr möglich sein, wirtschaftlich zu produzieren. Weitere Investitionen stehen schon in Planung und wir hoffen, diese bald umsetzen zu können, sobald wieder eine stabile Marktsituation in Aussicht ist.
5. Auftragsbereiche für das Glashandwerk: Momentan sehe ich vermehrt Duschsanierungen, Loft-Style-Anlagen sowie Trennwände als tägliches Geschäft. Auch Designgläser und Farbgläser sind wieder vermehrt im Kommen.
Gottfried Brunbauer, CEO Lisec:

1. Ausblick Glasmarkt 2026: Das Jahr 2026 wird ähnlich verhalten beginnen, wie das Jahr 2025 verlaufen ist. Da sich jedoch in der Baubranche erste Zeichen einer Belebung zeigen, könnte es im zweiten Halbjahr auch zu einer Belebung des Glasmarktes in Österreich kommen. Die Belebung wird jedoch langsam erfolgen und ist bestenfalls moderat zu erwarten.
2. Ursachen für die Turbulenzen 2025: Die Hauptursachen liegen wohl in der Schwäche der Baukonjunktur, die bereits 2023 begonnen und zum Teil zu substanziellen Umsatzrückgängen der Glasverarbeiter geführt hat. Die lange Dauer dieser Konjunkturschwäche hat Unternehmen in der Branche, die finanziell nicht so stark aufgestellt waren, in existenzielle Probleme gebracht, bis hin zu den beobachteten Standortschließungen, Insolvenzen und Übernahmen.
3. Glasverfügbarkeiten und Glaspreise: Unseres Erachtens wird sich die Situation in den kommenden Monaten wenig ändern, da auch die Nachfrage in den kommenden Monaten noch nicht stark steigen wird. Dadurch werden in absehbarer Zeit keine zusätzlichen Kapazitäten zur Glaserzeugung eingesetzt und die Glasverfügbarkeit und Glaspreise somit weitgehend unverändert bleiben.
4. Thema Nachhaltigkeit am Glasmarkt: Das Thema findet mehr und mehr Beachtung und es gibt verschiedene Aktivitäten, den CO2-Fußabdruck des Rohglases selbst, aber auch der Glasweiterverarbeitung zu reduzieren. Aus diesem Grund beschäftigen wir uns zum einen mit dem maschinellen Zerlegen gebrauchter IG-Elemente zur Gewinnung hochwertiger Scherben für den Float-Prozess bzw. später vielleicht für die Wiederverendung der Gläser, oder auch mit der kontinuierlichen Reduktion des spezifischen Ressourcenverbrauchs unserer Anlagen wie elektrischer Energie, Wasser oder Druckluft pro produzierter IG-Einheit. Letztlich spielt das Thema bei Investitionsentscheidungen unserer Kunden bisher jedoch noch eine sehr untergeordnete Rolle.
5. Auftragsbereiche für das Glashandwerk: Wir sind mit dem Glashandwerk weniger vertraut. Da in den letzten Jahren jedoch das Volumen insbesondere im privaten Hausbau deutlich zurückgegangen ist, werden anstatt der Errichtung neuer Wohneinheiten verstärkt die bestehenden renoviert und verschönert bzw. auch thermisch saniert. Diese Auftragsbereiche liegen unseres Erachtens stärker im Tätigkeitsbereich des Glashandwerks als der industriellen Glasverarbeiter, was die gute Auslastung des Glashandwerks erklärt.
Wolfgang Pichler, Vertriebsleiter Pilkington Austria:

1. Ausblick Glasmarkt 2026: Die wirtschaftliche Entwicklung des österreichischen Glasmarktes ist stark von der Bauwirtschaft abhängig. Experten sprechen für 2026 von einem leichten Plus in der Bauwirtschaft, auch der Wohnbau sollte sich wieder langsam erholen. Wobei ich mir vom Markt 2026 noch nicht allzu viel erwarte, aber es sollte besser als 2024 und 2025 werden. Wir konnten bereits im Herbst 2025 eine leichte Entspannung bemerken. Unsere Kunden sprechen von passabel gefüllten Auftragsbüchern für diese Jahreszeit im ersten Quartal 2026. Auch die Ausschreibungen sind wieder gestiegen, auch wenn einige schon für 2027 und 2028 sind. Man muss aber leider auch festhalten, dass große Projekte fehlen oder es für 2026 sehr wenige gibt.
2. Ursachen für die Turbulenzen 2025: Die schweren Turbulenzen am österreichischen Glasmarkt mit Standortschließungen waren für mich nicht wirklich eine Überraschung. Es ist wichtig, in solch schweren Zeiten gut zu produzieren und einen aktiven Vertrieb zu haben. Dazu gehören auch neue, innovative Produkte. Als Hauptursache der Schließungen bzw. Übernahmen sehe ich die hohen Energiekosten und den enormen Preisdruck, der der anhaltenden Rezession im Baugewerbe geschuldet ist. Aber auch strukturelle Probleme dürften dazu geführt haben.
3. Glasverfügbarkeiten und Glaspreise: Die Glasverfügbarkeit wird im ersten Quartal kein Thema sein, jedoch sehe ich für die zweite Jahreshälfte oder auch schon früher einen Engpass. Die Kapazitäten in den Glashütten wurden reduziert und bis dato nicht oder nur zum Teil wieder erhöht. Die fehlenden Kapazitäten bekamen wir auch schon 2025 zu spüren. Die Preise werden sich spätestens nach dem ersten Quartal erhöhen, erste Preisanpassung wurden von den Glashütten bereits für Februar angekündigt. Die hohen Energiepreise bleiben ein Preistreiber, aber auch die hohen Silberpreise haben direkte Auswirkungen auf die Herstellungskosten für beschichtetes Glas, da Silber die entscheidende Funktionsschicht in modernen Wärmeschutz- (Low-E) und Sonnenschutzgläsern bildet.
4. Thema Nachhaltigkeit am Glasmarkt: Banken, Architekten und Bauherren fordern Zertifizierungen oder zunehmend detaillierte Umweltproduktdeklarationen. Glas, das nachweislich einen niedrigen „Product Carbon Footprint“ hat, ist für nachhaltige Bauprojekte alternativlos. In Österreich ist das Thema noch nicht voll angekommen, wird aber in naher Zukunft gewichtiger werden. Pilkington positioniert sich 2026 als technologischer Vorreiter für nachhaltiges Glas, wobei der Fokus auf der Reduktion des CO2-Fußabdrucks über den gesamten Lebenszyklus liegt. Pilkington bzw. die NSG Group verfolgt im Jahr 2026 eine umfassende Investitionsstrategie, um die Dekarbonisierung der Glasherstellung voranzutreiben und die Kreislaufwirtschaft zu stärken. Die Investitionen konzentrieren sich auf technologische Innovationen in den Werken und die Skalierung nachhaltiger Produkte.
5. Auftragsbereiche für das Glashandwerk: Das Segment „Wohnen & Lifestyle“ zeigt wieder einen Aufwärtstrend, dazu gehören Bad und Wellness, Küchenrückwände, Interior Design und Glastrennwände für Home-Office-Lösungen. Durch den hohen Kostendruck bei Energie ist auch der Glasaustausch im Bestand ein stabilstes Standbein. Bei Erneuerungen bzw. Neuerrichtungen von Vordächern, Balkonbrüstungen und Carports gibt es auch Aufholbedarf.
Stefan Doppler, Sales Area Manager Vetrotech:

1. Ausblick Glasmarkt 2026: Kurz zusammengefasst: Es wird turbulent bleiben, mit positiver Erwartung für das zweite Halbjahr 2026.
2. Ursachen für die Turbulenzen 2025: Zinssätze, die zu einer Vollbremsung der Bauwirtschaft und daraus resultierende Nachfrageeinbrüche geführt haben, provozieren durch das schnelle „künstliche“ Ende eines solchen Konjunkturzyklus eine sehr schmerzhaft Marktbereinigung.
3. Glasverfügbarkeiten und Glaspreise: Wir erwarten für unsere Kunden und Partner keinen Engpass in der Produktverfügbarkeit. Vorhersagen zur Preisentwicklung hängen primär von der Markterholung in gesamt Europa ab und sind derzeit nur schwer zu prognostizieren. Eine steigende Nachfrage ist in einigen Ländern Europas bereits deutlich zu spüren.
4. Thema Nachhaltigkeit am Glasmarkt: Nachhaltigkeit ist das zentrale Thema unserer Zeit! Speziell im Glasbereich eine Herausforderung und mit sehr hohen Investitionskosten verbunden. Durch immer strengere Vorgaben zur Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft sehen wir diese auch als wichtigen Beitrag zu einem lebenswerten Planeten, daher sind in all unseren Investitionsentscheidungen Nachhaltigkeitsfaktoren ein wesentlicher Bestandteil.
5. Auftragsbereiche für das Glashandwerk: Das Reparatursegment sehen wir aktuell als Triebfeder, was die Auslastung angeht. Beim Austausch von Brandschutzgläsern auf Basis der ONR 23850 unterstützen unsere Expert*innen bei der Auswahl der passenden Gläser.