Studiozwei ist eine Fusion aus Innenarchitekturbüro und Möbelwerkstätte – die beiden Gründer*innen sammelten davor reichlich Erfahrung in ihren jeweiligen Kerngebieten: Jasmine Fink studierte Architektur und Kunstgeschichte, schloss das Masterstudium der Innenarchitektur an der Akademie der bildenden Künste in München ab, machte Berufserfahrungen in unterschiedlichen Architekturbüros, bevor es sie wieder zurück in die Heimat, nach Vorarlberg zog. Dort begann sie in einem renommierten Büro für Innenarchitektur mit eigener Möbelmanufaktur in Lustenau zu arbeiten, wo sie auch ihren heutigen Lebens- und Geschäftspartner, Konrad Willam, kennenlernte: „Meine langjährige Tätigkeit dort war immer superspannend und abwechslungsreich, ich konnte selbständig arbeiten und hatte nicht das Gefühl festzustecken, Daher ist die Idee zur Selbständigkeit erst relativ spät gekommen“, erzählt der Tischlermeister. Dass dieser längere Prozess dann schließlich zu der Gründung des gemeinsam Unternehmens führte, war verschiedenen Umständen geschuldet – u.a. der Flexibilität, mit etwas Eigenem im Handwerk neue Wege gehen zu können, keine Kompromisse eingehen zu müssen. Dazu kamen großes gegenseitiges Verständnis und die Kombination der beruflichen Skills und Erfahrungen, die sehr laut danach rief, etwas Gemeinsames zu starten.
Gegründet wurde im Jänner 2023, 2025 stellte man den ersten Mitarbeiter ein, seit Juni 2025 zählt ein Lehrling zum kleinen, feinen Team. Den idealen Standort hat man als Untermieter bei Fensterbau und Tischlerei Peter in Schwarzenberg gefunden.
Ein Projekt ergibt das andere
„Bei uns geht es klar um Qualität – wir wenden lieber mehr Zeit auf, verzichten eher auf ein bis zwei Projekte und geben bei jenen, die wir annehmen, 150 Prozent“, erklärt Jasmine Fink die Philosophie und Konrad Willam ergänzt: „Jeder Auftrag hat die gleiche Wertigkeit, ob groß oder klein. Wir liefern immer Handarbeit und eine bis ins letzte Detail ausgearbeitete Umsetzung.“ Man ist weder an öffentlichen (Groß-)Aufträgen interessiert, noch macht man Werbung für den Betrieb: „Unsere Kunden kommen ausschließlich via Mundpropaganda zu uns, ein Projekt ergibt das andere.“
Desing ohne Kompromisse
Besonders ausgefallen sind die Küchenprojekte des Studios – hier erwarten sich die Kunden aufgrund der spannenden Referenzprojekt bereits einen besonderen Entwurf, „etwas, das noch keiner gesehen hat“, so Jasmine Fink. Nach dem Erstgespräch präsentiert man zumeist zwei Vorschläge. Daran arbeitet man sich in enger Zusammenarbeit mit den Kunden in einem gemeinsamen Prozess an die finale Planung heran. Parallel dazu wird in der Möbelwerkstätte die technische Machbarkeit geprüft und nach maßgeschneiderten Lösungen gesucht – ergänzend auch direkt vor Ort: Denn die Umgebung, der architektonischer Bestand sowie die Lichtverhältnisse spielen ebenso zentrale Rollen für die perfekte Umsetzung.
Mehr als ein Finish
Eine Nische, die das Team speziell forciert und weiterentwickelt, ist die Oberflächenveredelung mit flüssigem Metall. Hier hat man in Malermeister Johannes Dolp aus Dornbirn einen kongenialen Partner gefunden, mit dem man gemeinsam spannende Lösungen entwickelt. „Wir haben in dem Bereich ein cooles Repertoire an Oberflächen, die wir auf unterschiedliche Grundmaterialen wie Holz oder Metall aufbringen. Mittlerweile schöpfen wir hier aus dem Vollen und sind immer auch bedacht, günstigere Optionen anzubieten“, betonen Jasmine Fink und Konrad Willam.
Die mehrschichtige Verarbeitung ist äußerst aufwendig und nicht mit einer lackierten, einer furnierten oder eine aufgelegten Metalloberfläche zu vergleichen. „Wir nähern uns mit mehreren Musterplatten und Prototypen unserem Ziel an, Standardrepertoire haben wir keines. Der Kunde entscheidet über den „Look“, ob mehr oder weniger Glanz gewünscht ist, ob die Oberfläche eher grob wirken soll oder fein geschliffen wird“, erklärt der Tischlermeister.
Die Küche als Designobjekt
Für besonders mutige Kunden schuf Studiozwei eine wahre Küchen-Skulptur, die in Design und Ausführung ihresgleichen sucht: „Die Seiten der runden, sockelfreien, mit flüssigem Metall überzogenen Insel laufen im unteren Bereich zu einer Kugel zusammen – das war sogar für uns eine äußerst spezielle Aufgabe.“ Das in die Platte aus warmgewalztemEdelstahl eingelassene Becken, ausgestattet mit einer Quooker-Armatur, komplettiert den durchgängigen Metall-Look.


Adern aus Stahl
Eine weitere Unikat-Küche schuf Studiozwei in einem Bestandsbau aus den 1980er-Jahren, der innen zwar komplett umgestaltet wurde, man aber dennoch an den Grundriss und die architektonische Vorgabe gebunden war.
Der minimalistische, weiße Küchenblock mit Schleiflackfronten besteht aus vier Korpussen, die optisch durch Edelstahladern geteilt werden – ebenso wie die Platte aus Naturstein Taj Mahal, einem hellen Quarzit, der besonders für stark strapazierte Flächen geeignet ist. Um die Struktur und die Maserung trotz der Edelstahlstreifen nicht zu unterbrechen, wurde die gesamte Platte im ersten Schritt in einem geschnitten. Der Entwurfsgedanke dahinter: Die Adern geben dem äußerst komprimierten Küchenblock Luft, sie lockern die Optik auf und erzeugen eine interessante Spannung zwischen den Materialien. „Die Adern greifen zudem das Edelstahl der Spüle auf und sorgen für ein cooles Lichtspiel, da dieses von drei Seiten einfällt und immer wieder neue Effekte kreiert. Auch Bestandselemente wie die kleinen Simse und Vorsprünge des Raums und der Fenster sind im Design der Kücheninsel reduziert wiedergegeben“, erklärt Jasmine Fink die Details.
Edel und zurückhaltend sind die flächenbündig in der Wand verbauten Hochschränke, hochwertig in heimischer Esche furniert, die flächenbündig in den angrenzenden Lehmofen integriert sind.


Designelement mit Funktion
Bei einer in dunklen Farben gehaltenen Kücheninsel hat sich das Team gemeinsam mit den sehr jungen Kunden an eine ganz eigene, eher ungewöhnliche Oberflächenwelt herangetastet – die modern und außergewöhnlich sein sollte, ohne das Budget zu sprengen.
Im Zentrum stehen die Insel und deren Verarbeitung: Sowohl die Fronten als auch der Stein sind auf Gehrung gearbeitet. Dadurch entsteht der Eindruck eines durchgängigen, monolithischen Körpers. Gleichzeitig wird der Monolith von einer feinen Messingader auf halber Höhe durchtrennt. Diese Linie ist dabei nicht nur ein prägendes Designelement, sondern erfüllt zugleich eine funktionale Aufgabe: Sie bildet das Griffprofil und zieht sich als Bordüre über den angrenzenden Esstisch weiter.


Bewusste Kontraste
Die Tischplatte besteht aus massivem Eschenholz, die Korpusse sind aus schwarzem Dekorspan gefertigt, die Fronten aus MDF. Die Oberfläche ist nicht glatt geschliffen, sondern bewusst etwas gröber und zurückhaltender. Sie hat dadurch weniger Metallanteil und wirkt matter, lebendiger und weniger technisch.
Einen bewussten Kontrast dazu bilden die Hochschränke mit ihrer cremefarbenen Schleiflackoberfläche. „Wenn wir eine prägnante Insel gestalten, sollen die Schränke in der Regel nicht mit ihr konkurrieren. Sie bilden vielmehr einen ruhigen Hintergrund, der die Insel als zentrales Element des Raumes wirken lässt. Deshalb setzen wir hier häufig auf Schleiflack in einer zwar besonderen, aber dennoch zurückhaltenden Farbe“, erklären Jasmine Fink und Konrad Willam. www.studio-zwei.at ■

