Im beschaulichen Bihlafingen, einem Ortsteil der deutschen Stadt Laupheim rund 25 km südlich von Ulm gelegen, entstand auf einem schmalen, handtuchartigen Grundstück zwischen Kindergarten und Schule eine neue Sporthalle, die weit mehr als nur sportlichen Zwecken dient: die Baumäckerhalle. Sie ist Herzstück des Gemeindelebens geworden – ein Ort für Schulsport, Vereinsaktivitäten und Feste der Gemeinde. Das Grundstück fällt von Norden nach Süden stark ab, eine topografische Herausforderung, die Birk Heilmeyer und Frenzel Architekten, Gewinner des Wettbewerbs von 2018, intelligent zu nutzen wussten.
Eingebettet in die Landschaft
Der knapp 37,20 m lange, 16,80 m breite und 9,70 m hohe Baukörper mit einem 20° flach geneigten Giebeldach fügt sich geschickt in das natürliche Gefälle ein: Ein Teil der Nutzungen verschwindet im Hang, wodurch sich die Gebäudehöhe moderat entwickelt. So steht das archetypische, kompakte Gebäude mit Holzfassade wie selbstverständlich in der ländlichen Umgebung. Nach Norden präsentiert sich die Halle als niedriger, flacher Langbau, während sie sich nach Süden mit einer bodenbündigen Glasfront großzügig öffnet und den Blick auf den naturnahen Rasenplatz freigibt.
Zwei Eingänge für unterschiedliche Nutzergruppen
Der Gebäudeentwurf folgt einer feingliedrigen Struktur mit einem Achsraster in Querrichtung von 5,55 m für die Stahlbetonstützen bzw. 2,775 m für die Buchen-Furnierschichtholz(FSH)-Träger und -Stützen und ist konsequent als Holzbau entwickelt. Lediglich die erdberührten und frei bewitterten Bauteile sind aus Stahlbeton errichtet. Entsprechend der Hanglage verfügt der Neubau über zwei Zugänge. Von Norden betritt man die Baumäckerhalle im Obergeschoß mit direktem Blickkontakt in den Halleninnenraum. Hier befinden sich die Umkleiden für Sportlerinnen und Sportler. Über eine einläufige Treppe gelangt man in das Foyer im Hanggeschoss, wo sich der zweite Zugang für Schülerinnen und Schüler befindet. Zentral im Foyer liegt die Küche, die Veranstaltungen in der Halle wie auch im Freien versorgen kann.

Filigrane Polonceau-Träger aus Baubuche
Das Herzstück des Gebäudes bildet das Dachtragwerk aus Polonceau-Trägern für die 28,65 m lange Halle. Entwickelt haben es die Architekten gemeinsam mit Prof. Jürgen Graf vom Forschungsbereich t-lab Holzarchitektur und Holzwerkstoffe der RPTU Kaiserslautern-Landau (vormals TU Kaiserslautern). Das Konstruktionsprinzip des nach dem französischen Ingenieur Barthélemy Camille Polonceau (1813-1859) benannten Trägers definiert die Sparren eines Satteldaches als unterspannte Träger, deren äußere Enden ein horizontales Zugband verbindet. Dazwischen dienen Stützen – auch als Luftstützen bezeichnet – als Druckglieder.
Für die Polonceau-Träger der Baumäckerhalle kam Buchen-FSH, kurz Baubuche, der Festigkeitsklasse GL 75 zum Einsatz. Das ermöglichte es, die Träger mit besonders schlanken Bauteilquerschnitten auszuführen und die 16 m breite Halle dennoch frei mit diesen zu überspannen. Dabei sind alle Trägerquerschnitte 16 cm breit und 12 cm hoch – mit Ausnahme der etwa 8,50 m langen quadratischen Sparren mit dann ebenfalls 16 cm Höhe. Für die Unterspannungen und die Luftstützen sowie die Zugbänder waren die 12 cm jedoch ausreichend bemessen. Gerade bei Letzteren konnte die hohe Tragfähigkeit der Baubuche optimal genutzt werden – ein beeindruckender Beleg für die Leistungsfähigkeit des Materials. Bei der Montage der Träger wurden die druckbeanspruchten Stäbe holzbaugerecht durch sogenannte Treppenversätze gefügt, während die zugbeanspruchten Stäbe durch Schlitzblech-Stabdübel-Verbindungen verbunden sind. Unterm Strich prägt die filigrane Trägerausbildung die Innenraumwirkung maßgeblich.
Ein wesentlicher Vorteil dieser Trägerart liegt auch darin, dass das statisch in sich geschlossene System nur vertikal gelagert werden muss. Und so sind die Polonceau-Träger im Achsabstand von 2,775 m auf den 2,65 m hohen Baubuche-Stützen (b x h: 16 cm x 30 cm), die vor diesem Hintergrund als Pendelstützen ausgeführt werden konnten, lediglich aufgelegt bzw. über eine in die Stütze eingelassene Stahlplatte mit Schubdornen auf diese reversibel aufgesteckt.

Auf den Baubuche-Trägern liegen in Hallenlängsrichtung voll ausgedämmte, 32,50 cm dicke Holztafelbau-Elemente aus 20 cm hohen Pfetten, oberseitig 10 cm dicken Holzfaserplatten und unterseitig 2,5 cm OSB-Platten. Die unterseitige OSB-Beplankung ist mit den Baubuche-Sparren der Polonceau-Träger verschraubt und damit schubfest verbunden. Die auf diese Weise zu Dachscheiben ausgebildeten Dachhälften wurden zudem durch Verschraubung der Traggerippe der Holztafelbau-Konstruktionen von Dach und Wand schubfest an die Giebelwände angeschlossen und sorgen so für die Gebäudeaussteifung in Querrichtung. In Längsrichtung ist der Holzbau durch jeweils zwei Druckdiagonalen – ebenfalls aus Baubuche – in Ebene der Längswände im ersten und letzten Stützenfeld im Sinne einer „Sprengwerkkonstruktion“ ausgesteift. Die dafür erforderlichen horizontalen Druckstäbe entlang der Traufkanten sind als Randbalken in den Holztafelbauelementen der Dachscheibe integriert.
Kreislauffähigkeit als Planungsprämisse
Besonderes Augenmerk legten die Planer auf die Nachhaltigkeit der Konstruktion. Die Polonceau-Träger wurden als Tragelemente komplett vorgefertigt und sind wiederverwendbar. Die reversible Fügung in den Auflagerpunkten auf die Baubuche-Stützen unterstreicht den kreislauffähigen Anspruch des Tragwerks. Sollte das Gebäude eines Tages zurückgebaut werden, können die Trägerelemente demontiert und anderweitig eingesetzt werden.
Konstruktive Logik wird sichtbar
Im Halleninnenraum wird die konstruktive Logik mit einem zurückhaltenden, präzise abgestimmten Materialkonzept sichtbar gemacht. Der Unterzug aus Stahlbeton markiert den Übergang von Massiv- zu Holzbau im oberen Bereich.
Helle Wand- und Deckenbekleidungen aus Nadelholz-Dreischichtplatten betonen das Tragwerk, Akustikelemente aus Holzwolle-Leichtbauplatten lassen sich nahtlos integrieren. Um den baulichen Anforderungen einer Sporthalle gerecht zu werden, ist im unteren Bereich eine Prallwand mit vertikalen Lamellen aus Weißtannenholz angebracht. Der helle Linoleumboden fügt sich harmonisch in die zurückhaltende Materialität ein und erhält gezielte Farbakzente durch die Bodenmarkierungen.

Die Fassade verbindet innen und außen
Die geschlossenen Außenwandelemente sind in Holztafelbauweise mit einer Fassadenbekleidung aus vertikalen, grau lasierten Lamellen aus Fichtenholz konstruiert. Die Geometrie der Lamellen unterteilt den zweigeschossigen Baukörper und zeigt den Übergang der Bauweisen auch nach außen. Großzügige Verglasungen gestalten die Längsseiten der Halle und ermöglichen einen ungestörten Blickbezug in die Landschaft sowie eine gleichmäßige Belichtung des Innenraums. Fensterbänder im oberen Bereich sorgen für eine natürliche Belüftung der Halle.
Die tragenden Stahlbetonstützen im Süden liegen außerhalb der thermischen Hülle, wodurch die Glasfassade auf Hallenebene flächenbündig hinter den Stützen verlaufen kann. Die im Sportboden integrierte Fußbodenheizung gewährleistet eine angenehme und gleichmäßige Wärmeübertragung.
Ein Ort der Begegnung
Für Oberbürgermeister Ingo Bergmann ist die Baumäckerhalle „ein wichtiges Infrastrukturelement Bihlafingens“, ein Ort des Wohlbefindens für Jung und Alt. In der Halle wird mehr als nur Sport betrieben – sie dient der Schule, dem neu gegründeten Verein und der gesamten Gemeinde als Treffpunkt. Das Gebäude bildet einen identitätsstiftenden Ort, an dem kleine und große Feste gefeiert werden und der das soziale Leben in Bihlafingen nachhaltig bereichert.
Die Baumäckerhalle zeigt exemplarisch, wie innovative Holzbautechnologie, respektvoller Umgang mit Topografie und Landschaft sowie durchdachte Funktionalität zu einem Bauwerk verschmelzen können, das weit über seine sportliche Funktion hinaus Bedeutung für eine Gemeinde entfaltet.
(bt)
