Einen so schweren Unfall gab es in Österreich schon länger nicht mehr: Im März starben bei einem Unfall auf einer Baustelle in Wien Alsergrund vier Bauarbeiter. Bei Betonierarbeiten waren die Schalung und ein Gerüst eingestürzt und hatten die Männer unter sich begraben. Unfälle dieser Art kommen selten vor, aber sie sind am Bau jederzeit möglich.
Nicht gut vorbereitet
Wie sind die Betriebe auf das Management derartiger Zwischenfälle vorbereitet? Nicht gut, glauben Experten. „Solche Ereignisse kommen zum Glück selten vor. Gerade deshalb werden sie im Vorfeld oft ausgeblendet“, meint der Blackout- und Krisenvorsorgeexperte Herbert Saurugg. „Man konzentriert sich auf Prävention und Arbeitssicherheit, was natürlich wichtig ist. Aber die Frage, was passiert, wenn es dennoch zu einem Vorfall kommt, wird häufig zu wenig durchdacht.“ Ähnlich sieht das Michael Berger, Sprecher des Bundesheeres: „Die meisten kleineren und mittleren Betriebe sind kaum auf derartige Krise vorbereitet.“
Die Bauzeitung wollte es genau wissen. Sie fragte daher in ihrer aktuellen Umfrage, wie gut Sie sich vorbereitet fühlen, um Krisen dieser Art bewältigen zu können. Die Ergebnisse zeichnen ein gemischtes Bild. Aber eines ist klar: Die Betriebe teilen die Skepsis der Experten nicht.
Zwischen Gut und Befriedigend
Auf einer Skala von eins bis fünf – von „wir sind umfassend vorbereitet“ bis „so etwas brauchen wir nicht“ – liegen die Antworten im Schnitt beim Wert 2,64. Das entspricht übersetzt in Schulnoten einer gut bis befriedigend. Als sehr gut vorbereitet sieht sich kein Betrieb. Die Hälfte gibt sich eine Zwei, die übrigen eine Drei oder Vier.
Ein Blick auf die konkrete Ausgestaltung der Vorbereitung zeigt, wo die Stärken liegen – und wo nicht. Knapp zwei Drittel der Unternehmen geben an, klare Prozesse für den Notfall definiert zu haben. Die Hälfte sagt, dass im Ernstfall jede Person weiß, was zu tun ist. Das spricht für ein gewisses Maß an organisatorischer Klarheit im Alltag. Deutlich schwächer ausgeprägt sind jedoch strukturierte Instrumente: Nur gut ein Fünftel arbeitet mit Checklisten, die Zuständigkeiten und Abläufe verbindlich festlegen. Auch regelmäßige Notfallübungen sind keineswegs Standard – nicht einmal ein Drittel führt solche Trainings durch. Damit bleibt die praktische Einübung von Krisenszenarien ein klarer Schwachpunkt.
Noch deutlicher wird das bei der Frage nach der Frequenz solcher Übungen. Jeweils mehr als 40 Prozent der Befragten geben an, einmal jährlich zu üben oder ein einmaliges Training für ausreichend zu halten. 14 Prozent der Unternehmen geben an, bislang keine Übungen durchgeführt zu haben, sie haben das aber vor. „Das Ergebnis zeigt ein verbreitetes Missverständnis: Krisenmanagement ist kein statischer Zustand, sondern ein laufender Prozess. Einmal definierte Abläufe verlieren ohne regelmäßige Auffrischung rasch an Wirksamkeit“, meint ein Experte zu diesen Antworten.
Krisen meistern
Immerhin – die Antworten auf die vierte Frage dürften den Fachleuten besser gefallen. „Worauf kommt es an, wenn es zu einem schweren Zwischenfall kommt? Wie meistern Sie diese Krise?“, wollte die Bauzeitung wissen. „Klare Zuteilung der Zuständigkeiten“, „Möglichst Ruhe bewahren, Rettungskette instand setzen“ oder „Klar und strukturiert vorgehen“ geben die Befragten zu Protokoll. Ebenso häufig genannt werden Kommunikation und Überblick: „Ruhe, Überblick, klare, transparente Kommunikation“ sowie „Übersicht behalten“. Andere Teilnehmer*innen betonen vorbereitende Maßnahmen wie definierte Abläufe und Teams: „Abarbeitung lt. Krisenhandbuch & definiertes Krisenteam“ oder „Klare Zuständigkeiten, Notfallkontakte, ausgebildetes Personal, Abläufe und Kommunikation.“