Wie groß ist die Gefahr durch Legionellen tatsächlich? 46 Prozent der Teilnehmer*innen an unserer Befragung sehen darin ein relevantes Risiko, das sich bei fachgerechtem Betrieb gut beherrschen lässt. Weitere 21 Prozent halten Legionellen für ein ernstes und häufig unterschätztes Risiko. Jeweils 14 Prozent schätzen die Gefahr hingegen als eher gering beziehungsweise in der öffentlichen Diskussion als deutlich überbewertet ein.

Stagnation als größtes Problem

Wo die Schwachstellen liegen, ist für die Befragten ziemlich klar und entspricht dem Stand des Fachwissens. Bei dieser Frage waren Mehrfachnennungen möglich. Mit deutlichem Abstand am häufigsten werden Stagnation und selten genutzte Leitungen genannt: 82 Prozent sehen darin einen Risikofaktor. An zweiter Stelle folgen mangelhafte Wartung und Instandhaltung mit 68 Prozent. 57 Prozent nennen eine unzureichende Kontrolle durch Betreiber*innen. Dahinter folgen zu niedrige Warmwassertemperaturen und zu hohe Kaltwassertemperaturen mit jeweils 46 Prozent. Fehler bei Planung und Dimensionierung werden von 39 Prozent genannt.

Die Ergebnisse entsprechen den bekannten hygienischen Grundlagen. Laut AGES fördern insbesondere stagnierendes Wasser sowie Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad Celsius die Vermehrung von Legionellen. Planung und Installation allein reichen deshalb nicht aus. Entscheidend ist auch der spätere Betrieb. Eine Teilnehmer*in bringt die Aufgabenverteilung in der Leser*innen-Befragung auf den Punkt: „Der Installateur ist für die richtige Installation und Inbetriebnahme zuständig. Der Betreiber für den laufenden Betrieb.“

Hitze rückt Kaltwasser in den Fokus

Auch der Klimawandel könnte die Herausforderung verschärfen. 32 Prozent erwarten, dass zunehmende Hitzeperioden das Legionellenrisiko deutlich erhöhen, weitere 36 Prozent rechnen zumindest mit einer gewissen Verschärfung. Damit sehen insgesamt 68 Prozent einen Zusammenhang. Für die Gebäudetechnik rückt dadurch das Kaltwasser stärker in den Fokus. Hohe Umgebungstemperaturen, ungünstige Leitungsführung und geringe Wasserentnahme können zu einer unerwünschten Erwärmung beitragen. Eine Befragte nennt deshalb ausdrücklich „Materialwahl sowie Rohrleitungsführung“ als Aufgabe der Branche.

Fachwissen als Schlüssel

Bei der Einschätzung des eigenen Wissensstandes zeigt sich ein positives Bild. 32 Prozent fühlen sich sehr gut darauf vorbereitet, Kund*innen über Legionellen zu informieren, 64 Prozent eher gut. In den offenen Antworten wird dennoch mehrfach auf Schulungsbedarf hingewiesen. „Für dieses Risiko müssen die Mitarbeiter ausgebildet werden“, fordert eine Teilnehmer*in.

Neben Weiterbildung spielt die Beratung der Betreiber*innen eine wichtige Rolle. In einer der offenen Antworten wird gefordert „eine klare Abgrenzung der Verantwortlichkeiten zwischen Planer, Installateur und Betreiber sowie eine verständliche Übergabe an den Betreiber“. Nicht alle teilen allerdings die Einschätzung eines hohen Risikos. Eine kritische Stimme hält die Gefahren für „deutlich überschätzt“ und bemängelt Mehrkosten durch eine aus ihrer Sicht zu umfangreiche Regulierung.

Verantwortung über den Einbau hinaus

Unsere Leser*innen-Befragung zeigt vor allem eines: Legionellen gelten mehrheitlich als beherrschbar, wenn Planung, Installation und Betrieb zusammenspielen. Stagnation vermeiden, Temperaturen im richtigen Bereich halten sowie Anlagen regelmäßig warten und kontrollieren sind dabei zentrale Maßnahmen. Für Installationsbetriebe bedeutet das auch, Kund*innen über den korrekten Betrieb zu informieren und Verantwortlichkeiten verständlich zu kommunizieren. Mit steigenden Außentemperaturen dürfte zudem die Erwärmung des Kaltwassers stärker in den Blickpunkt rücken. Eine offene Antwort fasst den praktischen Ansatz geschäftstüchtig zusammen: „Kunden regelmäßige Wartung und Kontrolle anbieten!“

Infografik Legionellen Umfrage
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