„Die Zeiten ändern sich, die Situationen ändern sich, die Anwendungsbereiche ändern sich.“ Andreas Kamptner, Verkaufsleiter von SFA Sanibroy in Österreich, hat eine klare Vorstellung davon, was diese Veränderungen für das Geschäft mit Pumpen bedeutet: „Extreme Wetterereignisse und Starkregen nehmen spürbar zu. Damit steigt der Bedarf an zuverlässigen Lösungen für ein schnelles und kontrolliertes Wassermanagement.“

Schutz gegen die Flut

Starkregenereignisse stellen private Haustechnik und öffentliche Infrastruktur vor erhebliche Herausforderungen, denen sie oftmals nicht gewachsen sind. Und die Pumpenhersteller bereiten sich darauf vor, dass diese Ereignisse weiter zunehmen werden. „Längere Trockenperioden und intensive Starkregenereignisse prägen zunehmend den sommerlichen Witterungsverlauf. Nach anhaltender Hitze sind Böden oft bis in tiefere Schichten ausgetrocknet und können große Regenmengen nur eingeschränkt aufnehmen“, meint Kamptner weiter. „Das Wasser fließt oberflächlich ab und kann in exponierten Lagen innerhalb kurzer Zeit zu lokalen Überflutungen führen.“

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Ähnlich sieht das Marco Koch, Leiter Seminarwesen bei Jung Pumpen. Er hält den Überflutungs- und Rückstauschutz für ein Thema, das für die Branche zunehmend an Bedeutung gewinnt. „Häufigere und intensivere Starkregenereignisse stellen die öffentliche Kanalisation und die Gebäudeentwässerung vor neue Herausforderungen. Damit steigen die Anforderungen an die Betriebssicherheit und an eine präzise, objektspezifische Planung“, so Koch.

Normen zählen

Er verweist auf die normgerechte Auslegung von Entwässerungssystemen: Die im vergangenen Jahr erschienene ÖNORM B 2501 und die parallel gültige EN 12056 betonen die Bedeutung der Rückstauebene und sprechen den physikalischen Rückstauschutz an. „Dabei wird die Rückstauebene sogar 15 cm oberhalb des nächst höher gelegenen Schachtdeckels entgegen der Fließrichtung gesehen“, erläutert Koch. Für Planer und Fachhandwerker bedeute das, Rückstausituationen genauer zu bewerten und Schutzmaßnahmen sorgfältiger auszulegen.

Auch in den Aussagen von Marcel Meixner, Geschäftsführer von Kessel in Österreich, schwingt das Thema Starkregenereignisse mit. Er sieht in der Pumpentechnik derzeit „mehrere Entwicklungen, die eng miteinander verbunden sind“. Ein zentrales Thema sei die Betriebssicherheit: „Entwässerungssysteme müssen auch unter anspruchsvollen Bedingungen zuverlässig funktionieren und gleichzeitig möglichst einfach zu planen, zu installieren und zu warten sein.“

Clever Loop und Clever Vent von Kessel im Einsatz im Einfamilienhaus.
Clever Loop und Clever Vent von Kessel im Einsatz im Einfamilienhaus. © Kessel

Hinzu kommen aus seiner Sicht steigende Anforderungen an die Energie- und Ressourceneffizienz. Es gehe nicht mehr nur um die einzelne Pumpe und ihre Leistungsdaten, sondern zunehmend um das gesamte Entwässerungssystem. „Wo lässt sich Pumpenenergie vermeiden? Wie können Leitungswege reduziert werden? Und wie können wir Lösungen schaffen, die mit weniger Material und Installationsaufwand auskommen?“, erklärt Meixner. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Sanierung im Bestand: Gerade hier stoßen klassische Lösungen seiner Einschätzung nach schnell an bauliche Grenzen. Durchbrüche durch Decken und Dächer, Brandschutzanforderungen oder schwierige Leitungsführungen verursachen erheblichen Aufwand. Meixner: „Deshalb gewinnen Lösungen an Bedeutung, die sich flexibel in bestehende Gebäudestrukturen integrieren lassen.“

Mehr Vorfertigung

Jung Pumpen-Experte Koch greift das Schlagwort Effizienz mit dem Hinweis auf einen weiteren Trend auf: Vorfertigung. „Gefragt sind montagefreundliche Systemlösungen, die den Zeitaufwand auf der Baustelle reduzieren, die Ausführungsqualität erhöhen und potenzielle Fehlerquellen minimieren“, meint Koch. „Hinzu kommen digitale Steuerungs- und Überwachungsfunktionen, die den sicheren und wirtschaftlichen Betrieb unterstützen.“

Grundfos Connect Asset Monitor: kostengünstige Remote-Lösung.
Grundfos Connect Asset Monitor: kostengünstige Remote-Lösung. © Grundfos

Damit spricht er ein Thema an, das natürlich auch die Pumpenhersteller massiv beschäftigt. „Die Digitalisierung ist grundlegend für viele Entwicklungen in der Pumpentechnik und damit ein entscheidender Innovationstreiber“, sagt Simon Kraps, Senior Marketing Coordinator CBS CEE bei Grundfos. „Hydraulisch sind moderne Pumpen inzwischen bis an die Grenzen der Physik optimiert. Effizienzpotenziale lassen sich nur noch über das Gesamtsystem heben, und hier spielen Pumpen eine zentrale Rolle“, sagt er weiter. „Sie können viele aussagekräftige Daten liefern und sind damit eine wichtige Stellschraube, um den Anlagenbetrieb bedarfsgerecht zu optimieren.“

Mehr Konnektivität

Wesentliche Entwicklungen gibt es aus Sicht von Kraps unter anderem im Zusammenspiel mit Leittechnik- und Cloudsystemen: Zum einen bieten Pumpen immer mehr Konnektivität für die flexible, unkomplizierte Einbindung und übernehmen mit eigener Intelligenz zunehmend Funktionen der Leittechnik, arbeiten also als eine Art ‚System im System‘. Zum anderen stellen sie auch ohne Leittechnik immer mehr Möglichkeiten für eine intelligente Überwachung und Regelung zur Verfügung – vor allem in Verbindung mit nutzerfreundlichen Cloudplattformen.

Man bietet hier unter anderem den Grundfos Connect Asset Monitor an. Dabei handelt es sich um „eine kostengünstige Remote-Management-Lösung nicht nur für Pumpen“. Per Cloud hat man Fernzugriff auf relevante Betriebsdaten wie Energieverbrauch, Temperatur oder Durchfluss. „Das macht es vor allem für Betreiber von kleineren und mittleren Anlagen leichter, den Betrieb auch ohne ein aufwendiges Leittechnik- oder SCADA-System zu optimieren und gesetzliche Vorgaben für die Energieüberwachung zu erfüllen“, sagt Kraps.

Wichtiger Baustein

„Digitalisierung ist ein wichtiger Baustein – sowohl beim Betrieb als auch bereits bei der Planung von Pumpen und Hebeanlagen. Moderne Steuerungs- und Sensortechnik ermöglicht eine zuverlässige Überwachung des Anlagenzustands und kann frühzeitig auf Störungen hinweisen“, meinet auch Kessel Österreich-Geschäftsführer Meixner. Er betont allerdings: „Für uns beginnt Digitalisierung aber schon deutlich früher.“ Mit digitalen Planungslösungen wie dem Planungstool Smart Select unterstütze man Planer und Fachhandwerker beispielsweise dabei, anhand der konkreten Einbausituation die passende Hebeanlage auszuwählen und auszulegen. „Gleichzeitig darf Digitalisierung kein Selbstzweck sein“, so der Kessel Österreich-Chef weiter.

„Gerade in der Entwässerungstechnik kann eine rein mechanische Lösung an der richtigen Stelle ausgesprochen innovativ sein. Entscheidend ist für uns immer, dass Technik die Planung, Installation und den späteren Betrieb einfacher und sicherer macht.“ Man betrachte bei Kessel deshalb nicht nur die Pumpe selbst, sondern das komplette System rund um die Gebäudeentwässerung.

Zu den aktuellen Produktneuheiten aus dem Hause Kessel zählen der Systemtrenner Clever Loop und die Lüftungsweiche Clever Vent. Bisher erfordert die klassische Installation in vielen Fällen eine Rückstauschleife über die Rückstauebene sowie bei entsprechenden Anlagen eine Be- und Entlüftungsleitung über Dach. „Gerade bei Sanierungen oder denkmalgeschützten Gebäuden können die dafür notwendigen Decken- und Dachdurchbrüche sehr aufwendig oder gar unmöglich ausführbar sein“, erläutert Meixner. Clever Loop und Clever Vent, so der Kessel-Manager weiter, „ermöglichen neue Installationsvarianten, bei denen die Installation vollständig im Aufstellraum der Hebeanlage bleiben kann“.

Nicht nur digital

Jung Pumpen-Fachmann Koch betont, „dass digitale Funktionen für Planer, Installateure und Betreiber einen konkreten Nutzen schaffen und die Bedienung nicht unnötig komplizierter machen.“ Gerade beim Rückstauschutz gelte zugleich: „Digitalisierung kann die hydraulische und physikalische Absicherung ergänzen, aber nicht ersetzen.“ Die Schutzwirkung einer klassischen Rückstauschleife entstehe dadurch, dass die Druckleitung tatsächlich über das Niveau der maßgeblichen Rückstauebene geführt wird. Nur diese Führung der Druckleitung schafft die physikalische Barriere, die verhindert, dass Abwasser aus dem öffentlichen Kanalnetz über die Druckleitung in das Gebäude zurückgedrückt wird. „Deshalb betrachten wir digitale Lösungen immer als Teil eines Gesamtsystems“, so Koch.

Als Beispiel dafür nennt er das Produkt Thermo Loop, eine vormontierte und beheizbare Rückstauschleife für die Außenaufstellung. „Bei einer hoch liegenden Rückstauebene oder begrenzten Platzverhältnissen kann die vorgeschriebene Schleife innerhalb des Gebäudes schwer zu realisieren sein“ erklärt Koch, „Thermo Loop ermöglicht die frostsichere Verlagerung in den Außenbereich. Das entscheidende physikalische Schutzprinzip bleibt vollständig erhalten: Die Druckleitung wird über das Niveau der Rückstauebene geführt.

Starkregen im Fokus

Bei SFA Sanibroy hat man vor allem das Thema Starkregen im Fokus: „Besonders gefährdet sind Keller, Garagen, Schächte und tieferliegende Wohnbereiche. Für diese Situationen wird eine leistungsstarke Notfall-Tauchpumpe zur wichtigen Schutzmaßnahme – entweder fest in einem Flutschacht installiert oder als mobiles Notfallset griffbereit gelagert“, sagt Österreich-Verkaufsleiter Kamptner.

Rainkit Sanisub 800 von SFA Sanibroy.
Rainkit Sanisub 800 von SFA Sanibroy: Hilfe gegen Hochwasser. © SFA Sanibroy

Mit Produkten wie dem Sanisub Steel Kit, dem Rainkit, oder der fest eingebauten ZPG71 biete man praxisgerechte Lösungen für das schnelle Pumpen und Ableiten von sauberem Wasser bei Überschwemmungen. Kamptner: „So lässt sich eindringendes Wasser schnell abpumpen und das Risiko größerer Schäden deutlich reduzieren.“

Kessel Österreich-Geschäftsführer Marcel Meixner
Kessel Österreich-Geschäftsführer Marcel Meixner © KESSEL

„Deshalb gewinnen Lösungen an Bedeutung, die sich flexibel in bestehende Gebäudestrukturen integrieren lassen.“