Die soeben angelaufene Ausstellung „Made in Austria Möbeldesign 1948 − 1960“ bringt Besucher und Besucherinnen direkt in die 50er-Jahre des letzten Jahrtausends. Die Sonderausstellung zeigt mehr als 130 Objekte aus den Bereichen Repräsentation der Zweiten Republik, Mobiliar der damals aktuellen Espresso-Kultur und moderne Wohnungseinrichtungen für alle.
Möbeldesign aus Architektenhand
Bereits wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich eine lebendige österreichische Möbelkultur. Das österreichische Möbeldesign zeichnete durch handwerkliche Qualität, große Vielfalt der Möbelformen und gute Gestaltung auch von preisgünstigen Erzeugnissen aus. Das moderne Möbeldesign lag damals noch überwiegend in Architektenhand. In der Ausstellung sind Entwürfe der Architektinnen Anna-Lülja Praun und Margarete Schütte-Lihotzky sowie der Architekten Carl Appel, Carl Auböck (lll.), Erich Boltenstern, Max Fellerer, Oswald Haerdtl, Julius Jirasek, László Mazák, Otto Niedermoser, Oskar Payer, Roland Rainer, Oskar Riedel, Franz Schuster, Karl Schwanzer, Emil Stejnar, Hans Wölfl und Eugen Wörle zu sehen.

Der Wunsch nach Unbeschwertheit
Nach den schweren Kriegs- und Nachkriegsjahren verlangte die Menschen nach Unterhaltung, Unbeschwertheit und Lebensfreude. Vor allem die neue italienische Espresso-Kultur sorgte Anfang der 1950er-Jahre in der traditionellen Kaffeehaus-Metropole Wien für heftige Diskussionen. Das erste Designer-Espresso war das 1950/51 von Oswald Haerdtl gestaltete ,,Arabia Espresso“ am Kohlmarkt. Es blieb 48 Jahre in Betrieb und wurde erst 1999 geschlossen. Teile der Originalmöbel kamen in die Sammlung des Möbelmuseum Wien und sind in der Ausstellung zu sehen.
Präsidentschaftskanzlei und Bundeskanzleramt: Umzug in ehemalige Habsburger Residenzen
Im Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Gebäude und Einrichtungen völlig zerstört oder schwer beschädigt. Dies betraf nicht nur Wohnbauten und Industrieanlagen, sondern galt auch für öffentliche Gebäude. Die österreichische Präsidentschaftskanzlei richtete ihre Büros und Repräsentationsräume 1946 im Leopoldinischen Trakt der Wiener Hofburg in den ehemaligen Räumlichkeiten von Maria Theresia und ihres Gatten, Kaiser Franz I. ein. Das Bundeskanzleramt am Ballhausplatz war durch Bombentreffer beschädigt. Daher konnten erst nach dem Wiederaufbau der Fassaden mit der Inneneinrichtung begonnen werden. Im Gegensatz zur Präsidentschaftskanzlei wurde die Büroräume des Bundeskanzlers 1948/49 von Architekt Oswald Haerdtl mit modernen Möbeln und Beleuchtungskörpern neu ausgestattet.

Neustart beim Wohnen und der heimischen Möbelproduktion
Die Stadt Wien hatte bereits nach dem Ersten Weltkrieg ein soziales Wohnbauprogramm ins Leben gerufen. Diese kommunale Wohnbautätigkeit wurde nach 1945 mit dem ,,sozialen Schnellbauprogramm“ wieder aufgenommen. Immerhin waren in Wien allein 187.000 Wohnungen beschädigt, 87.000 davon zerstört. Es fehlte aber auch an Möbeln. Wichtige Impulse für die Neuproduktion waren die 1950 im „Messepalast“ gezeigte Ausstellung „Die Frau und Ihre Wohnung“ und die Entwicklung des „SW“ Möbelprogramms durch die Initiative „Soziale Wohnkultur“, die bis in die 1970er-Jahre aktiv blieb. Darüber hinaus boten die Küchenhocker der Marke „Connexi“, die „Austro Sessel“ von Wiesner-Hager und die „Vienna Sessel“ der Firma E. & A. Pollak, zu denen auch der „Stadthallen-Sessel“ von Roland Rainer gehörte, sowie die Metallstühle der Marke „Sonett“ komfortable Sitzmöbel für alle Gelegenheiten. (gh)

IM ÜBERBLICK
Sonderausstellung „Made in Austria Möbeldesign 1948 – 1960“
Laufzeit: 15.4. bis 8.12.2026
Ausstellungsort: Möbelmuseum Wien, Andreasgasse 7, 1070 Wien
Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr