„Regenwassermanagement gewinnt kontinuierlich an Bedeutung und ist für uns bereits heute zentral. In Österreich macht dieses Geschäftsfeld bereits 60 Prozent unseres Umsatzes aus.“ Heinz Schnabl, Vertriebsleiter von Mall Umweltsysteme in Österreich, lässt keinen Zweifel darüber, wie wichtig das Geschäft mit der Behandlung von Regenwasser für sein Unternehmen ist – und es wird, wie gesagt, noch wichtiger. Schnabl: „Wir erwarten hier ein jährliches Wachstum von 10 bis 15 Prozent. Der Anteil am Umsatz könnte bis 2030 noch bis 70 Prozent steigen.“
Knappes gut
Regenwasser wird in Europa immer mehr zum knappen Gut. Das wird den handelnden Akteuren zunehmend bewusst. „In den vergangenen 15 Jahren hat ein spürbarer Wandel stattgefunden“, bestätigt auch Ernst Strasser, Geschäftsführer von Aco Österreich. „Wasser wird zunehmen als wertvolle Ressource erkannt. Ereignisse wie Wasserknappheit und sinkenden Pegelstände oder Hochwasser nach Starkregen zeigen, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang ist“, so Strasser weiter. Auch Aco Österreich setzt daher stark auf das Thema Regenwasserbewirtschaftung. Strasser. „Das ist ein zentrales strategisches Wachstumsfeld für uns.“
Der sorgfältige Umgang mit Regenwasser und der damit verbundene Schutz des Grundwassers hat in Österreich durchaus Tradition. Das Wasserrechtsgesetz aus dem Jahr 1959 bildet den rechtlichen Rahmen für die einschlägigen Bestimmungen, die im Laufe der Jahre stetig angepasst wurden – zuletzt im Jahr 2025 im Regelblatt 45 des Wasser- und Abfallwirtschaftsverbands, das genau beschreibt, wie Regenwasser zu behandeln ist, bevor es im Boden versickern darf.
Verunreinigungen entfernen
Grundsätzlich gilt: Regenwasser, das auf Verkehrs-, Park- oder bestimmten Dachflächen trifft, wird als verschmutzt betrachtet und muss gereinigt werden. Im privaten Bereich, etwa bei Einfamilienhäusern, kann es Ausnahmen geben. Aber im gewerblichen Bereich und im großvolumigen Wohnbau ist eine Behandlung des Regenwassers verpflichtend. „Regenwasser nimmt auf seinem Weg durch die Atmosphäre und beim Auftreffen auf Oberflächen verschiedene Schadstoffe auf – etwa Metallionen, Feinstaub oder Ölreste“, erläutert Aco Österreich-Chef Strasser. „Die Verunreinigungen müssen entfernt werden, bevor das Wasser in das Grundwasser gelangt.“
Mehrere Schritte
Diese Reinigung funktioniert in mehreren Schritten: Zunächst wird Regenwasser gesammelt – etwa über Dachabläufe oder Entwässerungsrinnen. Anschließend erfolgt die Vorreinigung, bei der grobe Sedimente entfernt werden. Danach kommt die eigentliche Reinigung mittels technischer Filtersysteme, die Schadstoffe wie Öl oder Feinstpartikel herausfiltern. Schließlich wird das Wasser in sogenannten Versickerungs- oder Rückhaltesystemen gespeichert und entweder vor Ort versickert oder kontrolliert in ein Gewässer eingeleitet.
Hersteller wie Mall Umweltsystem oder Aco bieten eine breite Palette von Produkten für das Regenwassermanagement an. „Wir decken die gesamte Prozesskette ab. Das beginnt mit der Vorreinigung über Sedimentationsanlagen, die Feinschlamm abtrennen. Danach folgen technische Filter, die gelöste Schadstoffe wie Schwermetalle oder Ölreste entfernen“, schildert Mall-Manager Schnabl. „Ergänzend bieten wir Retentionsanlagen, Drosselsysteme sowie Versickerungslösungen wie Sicker-Tunnel an, die auch wartbar sind.“
Strenge Normen
Aco Österreich-Geschäftsführer Strasser betont die Bedeutung der sorgfältigen Planung der Anlagen. „Die Zusammensetzung und Dimensionierung der Systeme sind streng normiert. Der Bauwerber arbeitet in der Regel eng mit Fachplanern zusammen, die ein Konzept für die Regenwasserbewirtschaftung erstellen“, sagt Strasser. „Dieses wird von der Behörde geprüft und genehmigt. Danach werden die entsprechenden Systeme geplant, ausgeschrieben und schließlich im Zuge des Bauprojekts umgesetzt. Ohne wasserrechtlichen Bescheid gibt es keine Betriebsgenehmigung.“
Zunehmend wird das Regenwassermanagement auch im Rahmen der sogenannten blau-grünen Infrastruktur, bei der es darum geht, die Städte klimaresilienter zu machen. Stichwort Schwammstadtprinzip: Regenwasser wird gespeichert und zur Bewässerung genutzt, Bäume erhalten mehr Wurzelraum und können größere Kronen ausbilden, was zur Kühlung beiträgt. Dazu Strasser: „Wir arbeiten zudem an kühlenden Pflasterflächen und intelligenten Baumtrögen. In mehreren urbanen Projekten in Österreich wurden solche Lösungen bereits umgesetzt, aber hier besteht noch erhebliches Potenzial.“