Der Sommer bietet nicht nur Gelegenheit zum Abschalten, sondern auch zum Entdecken. Gerade in den warmen Monaten öffnen Architekturhäuser, Museen und Kulturinstitutionen ihre Türen für Ausstellungen, Filmabende und Diskussionsformate. Unsere Redaktion hat sieben Tipps zusammengestellt, die Lust auf einen architektonischen Ausflug machen.

Von Lehm bis Kreislaufwirtschaft

Wie bauen wir künftig? Antworten auf diese Frage suchen gleich mehrere Veranstaltungen. Den Auftakt macht das All-Generations Lab am 6. Juli im MuseumsQuartier Wien. Der Workshop bringt Fachleute aus Architektur, Stadtplanung, Wissenschaft und Kunst zusammen, um über regenerative Architektur, Kreislaufbauwirtschaft, urbane Renaturierung und klimafitte Städte zu diskutieren. Ziel ist es, Ideen für ein generationenübergreifendes Manifest zu entwickeln, das im Herbst präsentiert werden soll.

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Einen anderen, ebenso inspirierenden Zugang zeigt das vai – Vorarlberger Architektur Institut mit der Ausstellung „Anna Heringer: Form Follows Love“ noch bis 19. September. Die Architektin verbindet natürliche Materialien, traditionelles Handwerk und gemeinschaftliche Planungsprozesse zu einer Architektur, die ökologische und soziale Verantwortung gleichermaßen in den Mittelpunkt stellt. Besonders spannend ist ihr konsequenter Einsatz regional verfügbarer Materialien wie Lehm und die Frage, welche Rolle Architektur künftig für nachhaltige Entwicklung übernehmen kann.

Weiterbauen statt neu bauen

Das Potenzial liegt im Bestand. Genau daran knüpft die Ausstellung „Weniger ist genug – Alltag weiterbauen in zwei Dörfern im Weinviertel“ an. Studierende der TU Wien zeigen bis 19. Juli im Weinviertler Museumsdorf Niedersulz anhand konkreter Entwürfe, wie leerstehende Gebäude in ländlichen Regionen weitergedacht und behutsam transformiert werden können. Die Ausstellung macht deutlich, dass nachhaltiges Planen nicht nur neue Gebäude hervorbringt, sondern ebenso vom intelligenten Umgang mit vorhandener Bausubstanz lebt. Ein Thema, das angesichts knapper Ressourcen aktueller kaum sein könnte.

Verbindungen aus Holz

Holz steht in diesem Sommer im Mittelpunkt der Ausstellung „WOODEN STRUCTURES – Die Zukunft auf dem Prüfstand“ im Architekturhaus Salzburg. Gezeigt werden außergewöhnliche Konstruktionen, innovative Verbindungstechniken und filigrane Tragwerke, die eindrucksvoll demonstrieren, welches gestalterische Potenzial im nachwachsenden Baustoff steckt.

Eröffnung Wooden Structures
© FH Salzburg_www.wildbild

Besonders reizvoll ist der Blick hinter die Konstruktion: Besucher*innen können verschiedene Verbindungstechniken selbst nachvollziehen und erleben, wie aus präziser Ingenieurarbeit architektonische Qualität entsteht.

Architektur zum Anfassen

Modelle gehören seit jeher zu den wichtigsten Werkzeugen der Architektur. Die Sommerausstellung „Rebuild: Figures of Space“ im aut. architektur und tirol macht das bis 31. Oktober zum Ausstellungsthema. Rund 60 Modelle bedeutender Wohnhäuser des 20. und 21. Jahrhunderts zeigen, wie unterschiedlich Architekt*innen Raum gedacht haben von Le Corbusier über Rem Koolhaas bis Peter Zumthor.

Ausstellung "Rebuild. Figures of Space. 64 Häuser im Modell"
Die Ausstellung lädt zum vergleichenden Sehen ein. © Alberto Canepa, Marco Cappelletti

Der besondere Reiz liegt dabei nicht nur in den ikonischen Gebäuden selbst. Die bewusst nicht chronologische Präsentation eröffnet überraschende Bezüge zwischen Entwürfen unterschiedlicher Epochen und lädt dazu ein, Architektur vergleichend zu betrachten.

Architektur auf Gesellschaft

Wie eng gebauter Raum und gesellschaftliche Entwicklungen miteinander verbunden sind, zeigt der Architektur.Film.Sommer im MuseumsQuartier Wien (Mi 29.07., 05.08., 12.08., 19.08., jeweils ab 20:30). Unter dem Titel „Demokratie bauen“ widmet sich das Open-Air-Festival dem öffentlichen Raum als Ort der Teilhabe und des gesellschaftlichen Miteinanders. Dokumentar-, Kurz- und Experimentalfilme laden dazu ein, über Wohnen, Stadtentwicklung und demokratische Prozesse nachzudenken und verbinden sommerliches Freiluftkino mit architektonischen Fragestellungen.

Konzert der Band Großstadtgeflüster, 2024,
Konzert der Band Großstadtgeflüster in der Arena Wien, 2024 © Arena Archiv

Ebenfalls einen Besuch wert ist die Ausstellung „Jedenfalls ist es Liebe!“ im Wien Museum (bis 27. September). Anlässlich des 50. Jahrestags der Arena-Besetzung blickt sie auf die Geschichte eines Ortes zurück, der wie kaum ein anderer für die Aneignung und Umnutzung bestehender Bausubstanz steht. Die Schau erzählt vom ehemaligen Schlachthof, der zum selbstverwalteten Kulturzentrum wurde, und zeichnet nach, wie sich die Arena zu einem bis heute prägenden Veranstaltungsort der Stadt entwickelt hat. Ein spannender Beitrag zur Frage, wie Gebäude und Stadträume durch ihre Nutzung neue Bedeutung erhalten können.

Über den Tellerrand hinaus

Manchmal beginnt Architektur dort, wo man sie zunächst gar nicht vermutet. Die Ausstellung „Convivium – Nahrungssysteme am Limit“ im Architekturmuseum der TU München, über die das Architektur & Bau FORUM bereits berichtet hat, beschäftigt sich mit den räumlichen Strukturen unseres Ernährungssystems. Sie zeigt bis 18. Oktober, wie eng Landwirtschaft, Logistik, Infrastruktur und Architektur miteinander verwoben sind – und eröffnet damit einen ebenso ungewöhnlichen wie spannenden Blick auf die gebaute Umwelt.

Getreide-Terminal im Handelshafen von Odessa, Ukraine. © Travel Faery / iStock, 2023 via Architekturmuseum München

Ob Lehm oder Holz, Dorfentwicklung oder Filmfestival, Architekturmodell oder Zukunftswerkstatt: der Sommer bietet viel Baukultur. Wer Zeit für einen Ausflug hat, findet zwischen Vorarlberg, Salzburg, Tirol und Wien zahlreiche Gelegenheiten, neue Perspektiven zu gewinnen. Wir wünschen einen schönen Sommer!