Das Motto war mit neun Buchstaben eher kurz. Das tat der Popularität des Wettbewerbs aber keinen Abbruch: 31 Projekte wurden bei der österreichischen Ausgabe des internationalen Studierendenwettbewerb Concrete Design Competition 2025/26, die vom Branchenbündnis Beton Dialog Österreich veranstaltet wurde, eingereicht. Besagtes Motto lautete: „Transform“.

Minimaler Materialaufwand

Dabei ging es laut dem renommierten Architekten Werner Sobek darum, „Bauwerke mit minimalem Materialaufwand zu errichten, die vollständig rückbaubar und sortenrein recycelbar sind“. Als Juryvorsitzender der diesjährigen Concrete Design Competition hat der Pionier des klimaschonenden Bauens, gemeinsam mit den sieben weiteren Jurymitgliedern, fünf Projekte ausgewählt, die das Thema des Wettbewerbs besonders überzeugend umsetzten: ein erster Platz, zwei zweite Plätze, eine Anerkennung und eine lobende Erwähnung. Die Preisträger*innen kommen von der Fachhochschule Kärnten, der Hochschule Campus Wien und der TU Wien.

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Werner Sobek, Claudia Dankl, Lilli Platzer und Josef-Dieter Deix,
Starkes Motto (v.l.): Werner Sobek, Claudia Dankl, Studentin Lilli Platzer und Josef-Dieter Deix. © BDOE/Stefan Seelig

Der Wettbewerb wird neben Österreich auch in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Irland organisiert. Die prämierten Studierenden nehmen an einer einwöchigen internationalen Masterclass in einem der teilnehmenden Länder teil. Heuer findet sie am Porr Campus, der Ausbildungsstätte des heimischen Baukonzerns, in Wien statt.

„Viele der in der Jurysitzung diskutierten Ideen sind bereits in der Baupraxis angekommen – vom Baustoffrecycling über die Digitalisierung bis hin zu neuen Betonrezepten“, meint Josef-Dieter Deix, COO der Porr und Jurymitglied. Im Recycling Center Himberg, dem größten für Baurestmassen in Österreich, hat das Unternehmen im Vorjahr rund 83.500 Tonnen Beton verwertet.

Die Zukunft des Bauens mit Beton liegt für Studierende und junge Forschende in Österreich in der Material- und Strukturoptimierung, der Kreislaufwirtschaft sowie in Robotik und Digitalisierung. Das belegen aktuelle Forschungsprojekte – und die Einreichungen zur diesjährigen Concrete Design Competition. Auch heimische Bauunternehmen wie die Porr setzen auf diese Innovationen.

Die Betonforschung in Österreich liefert Antworten auf die drängendsten Fragen der Branche, wie einige aktuelle Projekte zeigen. So arbeiten Forschende der Boku Wien an der robotergestützten Herstellung strukturoptimierter Betonfertigteile, durch die sich 20 bis 40 Prozent Material einsparen lassen – ohne Einbußen bei der Tragfähigkeit. Parallel dazu zeigt das Projekt C3PO der Hochschule Campus Wien, dass 3D-gedruckte Betonbauteile aus klinkerarmen Zementen und mit optimierten Querschnitten technisch realisierbar sind. Das Nachfolgeprojekt C3PRO läuft seit Herbst 2025 gemeinsam mit der TU Wien und 27 Industriepartnern.

Auch die Kreislaufwirtschaft rückt ins Zentrum der Forschung: Im Forschungsprojekt Carborate untersucht die Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ) gemeinsam mit dem Unternehmen Smart Minerals, wie Beton und Betonabbruch durch sogenannte Carbonatisierung CO₂ aufnehmen können. Ziel ist es, Abbruchmaterialien als dauerhafte CO₂-Speicher nutzbar zu machen. Wie weit die Digitalisierung in der Baupraxis bereits reicht, demonstriert der Semmering-Basistunnel: Mithilfe von Laserscans, BIM-Modellen, Lean Management und KI werden Planung, Ausführung und spätere Betriebsübergabe durchgängig digital unterstützt.

Für Claudia Dankl, Vorstand von Beton Dialog Österreich und stellvertretende Geschäftsführerin der VÖZ, ist es essenziell, dass sich künftige Planende noch intensiver mit dem Baustoff auseinandersetzen. „Beton ist der Hebel, ohne den uns die Transformation des Bauwesens nicht gelingen wird“, sagt sie. „Die Concrete Design Competition motiviert alle zwei Jahre Studierende an Österreichs Hochschulen, sich mit der Zukunft des nachhaltigen Bauens auseinanderzusetzen und Beton neu zu denken.“

Die Gewinner*innen der Concrete Design Competition 2025/26

1. Platz: Shanmugam Anbananthan, Lisa-Marie Hubert, Thomas Nissler und Lilli Platzer (FH Kärnten): Studierende des Bauingenieurwesens entwickelten ein leichtes, komplex geformtes Betongewölbe. Gefertigt mit 3D-Druck, Lasercutter und einer aufblasbaren Schalung, überzeugte es sowohl konstruktiv als auch gestalterisch.

2. Platz (geteilt): Marc-Patrick Pfleger, Elisabeth Radl und Nina Sam (Hochschule Campus Wien): Ein robotergedruckter Betonträger in optimierter Form reduziert den Materialverbrauch bei gleichbleibender Stabilität.

2. Platz (geteilt): Patrick Leitner, Simon Leitner (TU Wien): Statt herkömmlichem Stahl werden Basaltfasern als Bewehrung maschinell entlang der Kraftlinien eingelegt – materialeffizient, umweltfreundlich und so flexibel, dass faltbare Betonplatten möglich sind.

Anerkennung: Nadine Exß, Bettina Jung (TU Wien): Ein Gebäudeentwurf, der alte Betonträger und Stahlteile vom Wiener Westbahnhof als tragende Elemente einer gefalteten Dachkonstruktion wiederverwendet.

Lobende Erwähnung – Dina Unterfrauner (TU Wien): Aus alten Betonplatten eines Wiener Brachgrundstücks wurde direkt vor Ort ein Pool gebaut – ein praktisches Experiment zur Wiederverwendung von Abbruchmaterial, das vor allem durch seine Symbolkraft überzeugte.