„Die Lage in unserer Branche ist nicht so schlecht, wie man medial vermuten könnte.“ Günther Lichtenegger, Präsident des Verbands Österreichischer Stuckateur- und Trockenbauunternehmungen (VÖTB), gibt mit Blick auf die Stimmung seiner Mitgliedsbetriebe eine leichte Entwarnung. So richtig rosig schaut es aber auch nicht aus. „Mengenmäßig gab es 2025 ein Minus. Durch die gestiegenen Preise konnte das teilweise kompensiert werden, sodass der Umsatz in etwas stabil geblieben ist. Aber real ist weniger gebaut worden“, so Lichtenegger weiter. Sein Ausblick für das laufende Geschäftsjahr: „Ich rechne mit einer Seitwärtsbewegung auf niedrigem Niveau – wobei geopolitische Entwicklungen jederzeit für Unsicherheit sorgen können.“

Rückgang im Neubau

Zu schaffen macht den heimischen Trockenbauern – so wie dem Rest der Bauwirtschaft – der deutliche Rückgang im Neubau. Zwar verzeichnet die Branche laut Lichtenegger mehr Projekte im Bestand. Doch Umbau, Revitalisierung und Sanierung können den Einbruch im Neubau nach wie vor nicht vollständig kompensieren. „Die Ausschreibungen im Neubau sind stark zurückgegangen. Besonders im Wohnungsbau und in der Industrie fehlen derzeit die Projekte. Das kann der Bestand nicht zur Gänze ausgleichen“, meint der VÖTB-Präsident.

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Jahr der Stabilisierung

Bei den Herstellern klingen die Einschätzungen eine Spur positiver, aber im Grund ziemlich ähnlich. „Das Geschäftsjahr 2025 war ein Jahr der Stabilisierung. Zufrieden sind wir mit den Segmenten abseits des mehrgeschossigen Wohnbaus, speziell im Gesundheitssektor konnte der Leichtbau und somit Knauf stark punkten“, meint Ingrid Janker, CEO von Knauf Österreich. „Wie bereits erwähnt, trifft uns die Flaute im mehrgeschossigen Wohnbau relativ hart, da sich auch hier die Trockenbauweise in den letzten Jahrzehnten immer weiter durchsetzen konnte.“

Herausfordernde Lage

Michael Allesch, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb bei Saint-Gobain Österreich, bezeichnet die wirtschaftliche Lage im Jahr 2025 als „herausfordernd“. Dennoch, so Allesch weiter, „konnten wir mit unseren innovativen und nachhaltigen Bauweisen, insbesondere im Bereich Leicht- und Holzbau, eine positive Geschäftsentwicklung verzeichnen“.

Der Trockenbau hat sich 2025 „trotz herausfordernder Marktbedingungen positiv entwickelt“, meint Günther Sames, Geschäftsführer von Ardex Österreich. Während der klassische Wohnbau geschwächelt habe, sei die Nachfrage im Bereich Renovierung, Sanierung und Innenausbau stabil geblieben. Sames: „Effiziente und nachhaltige Lösungen waren besonders gefragt.“

Keine Wunder

Für 2026 erwarten die Hersteller ebenfalls keine Wunderdinge, aber die Hoffnung auf eine leichte Verbesserung besteht. „Für 2026 deutet sich eine vorsichtige Stabilisierung der Bauwirtschaft an“, meint Ardex-Manager Sames. „Im Markt ist ein leichtes Anziehen der Konjunktur spürbar – auch im Wohnbau.“ Getrieben sei dies durch „Modernisierung, Klimaschutzprogramme und höhere Anforderungen an Effizienz und Qualität“.

Saint-Gobain Österreich-Geschäftsführer Allesch verweist auf Konjunkturschätzungen, die für die Bauwirtschaft ein Wachstum von 0,6 Prozent prognostizieren. „Auch wir verspüren wieder eine etwas optimistischere Stimmung am Markt“, meint Allesch. Aber er bleibt vorsichtig: „Dennoch müssen wir die Entwicklungen im internationalen Konfliktgeschehen im Auge behalten, da diese möglicherweise negativen Auswirkungen auf die wirtschaftliche Gesamtlage haben könnten.“

Gut begonnen

Aus Sicht von Knauf Österreich-CEO Janker hat das Jahr 2026 „mit positiven Vorzeichen begonnen und das über alle Segmente hinweg, auch wenn wir das Anziehen im Wohnbau zeitversetzt spüren“. Grundsätzlich sehe man „eine gute und stabile Entwicklung, die von einer verstärkten Bedarfslage nach Wohneinheiten getragen wird“.

So wie der Rest der Branche beobachtet man aber auch bei Knauf mit Argusaugen, was außerhalb Europas derzeit passiert: „Wenn Sie die derzeitige Lage im Nahen Osten ansprechen, so beobachten wir diese mit Sorge und hoffen, dass sie nur einen kurzfristigen Einfluss auf das österreichische Marktgeschehen haben wird“, meint sie. „Denn die Fundamentaldaten für den Bau zeigen, speziell für den Hochbau, nach drei bis vier schwierigen Jahren wieder nach oben.“

Diese besseren Fundamentaldaten wollen sich die Hersteller zunutze machen. Bei Ardex setzt man dabei laut Österreich-Geschäftsführer Sames auf den „Systemgedanken“. Das Unternehmen hat vor Kurzem eine Kooperation mit Wedi abgeschlossen, einem Spezialisten für Systeme im Bad- und Nassraum.

Kombinierte Lösungen

„Kombinierte Lösungen aus Bauchemie und bauphysikalisch abgestimmten Trockenbausystemen bieten Verarbeitern maximale Sicherheit, Planbarkeit und Zeitersparnis“, so Sames. „Die enge Verzahnung beider Sortimente ermöglicht durchgängige, gewerkeübergreifende Lösungen – von der Untergrundvorbereitung bis zum fertigen Bad oder Wellnessbereich.“ Ardex setze verstärkt auf Know-how und Komplettsysteme. Sames: „Trotz eines herausfordernden Umfelds eröffnen sich 2026 klare Chancen für Betriebe, die auf integrierte und nachhaltige Systemlösungen setzen.“

Fokus auf Innovationen

Bei Saint-Gobain will man laut Geschäftsführer Allesch weiter „den Fokus konsequent auf Innovation und Service und beide Bereiche weiter ausbauen“. Auch Saint-Gobain setzt dabei auf den Systemgedanken: Auf der Serviceebene bietet das Unternehmen mit Rigips Room „zertifizierte Systemlösungen, digitale Planungstools und technische Beratung an – ein echter Mehrwert für die Zielgruppe Planer und Architekten sowie die Verarbeitungsbranche“, meint Allesch.

Mehr an Leistungen

Zudem versuche man als „Systemanbieter für nachhaltiges Bauen“ kontinuierlich, mit innovativen Produkten „ein Mehr an Leistungen zu bieten“. Allesch erwähnt dabei Rigips Duraline – eine besonders starke Hartgipsplatte mit faserverstärktem Gipskern und stabiler Kartonummantelung, die einen „um 50 Prozent reduzierten Ökoindex OI3 im Vergleich zu herkömmlichen Hartgipsplatten“ aufweist. Im Bereich Raumakustik wiederum hat man die Palette durch „die hochwertigen Akustik-Systeme der Marke Ecophon“ erweitert.

Eine Lösung zum Schallschutz hat auch Mitbewerber Knauf im Programm. Sie kam kürzlich bei einem Projekt in der Tiroler Volksschule Barwies zum Einsatz. An der Decke der Aula wurde das Knauf Cleaneo Klett Akustik-System installiert, um den Lärmpegel, den rund 80 Kinder erzeugen können, auf ein erträgliches Maß zu senken. Das System besteht aus einer gelochten Gipsplatte und einer Oberflächenbeschichtung aus Filzabsorbern. Die Befestigung erfolgt mit einem Klett-System: Das Ergebnis: „Es ist ein extremer Unterschied, das ist sogar den Kindern aufgefallen. Es ist wesentlich ruhiger“, meint eine Lehrerin anerkennend. Nachsatz zum Augenzwinkern: „Einzig die Schimpfwörter werden nicht verschluckt.“

Besondere Form

Eine gesteigerte Ausprägung der Anerkennung ruft regelmäßig das nahe der Stadt Salzburg gelegene Projekt „Helix“ beim Beobachter hervor. Die Kombination aus Businessflächen, Hotel, Gastronomie und Fitnesseinrichtungen verdankt seinen Namen seiner speziellen Form: einem dreigeschoßigen Ringkörper, der über einem Sockel schwebt. Die kurvige Form des Baukörpers – weder Kreis noch Ellipse – musste genauestens berechnet werden. Denn der hohe Winddruck aufgrund der exponierten Lage stellt erhöhte Bedingungen an Stabilität und Sicherheit. Umgesetzt wurde diese Anforderung vom renommierten Trockenbauunternehmen Akustik Fellner. Die rund 2.600 m² große Außendecke wurde mit Rigips Glasroc X Gipsplatten auf einer C3-Unterkonstruktion mit einem Rigips Nonius XL-System ausgeführt.

Hersteller und Trockenbaubetriebe hoffen im Jahr 2026 auf weitere Projekte dieser Art – und in weiterer Folge auf ein deutliches Anziehen der Konjunktur in den kommenden Jahren. Um die gesteigerte Nachfrage bedienen zu können, müssen die Trockenbauer allerdings eine Herausforderung bewältigen, unter der sie nicht exklusiv leiden: den Fachkräftemangel. „Das ist ein sehr großes Thema für die Branche. Viele Mitarbeiter gehen altersbedingt in Pension, gleichzeitig fehlt der Nachwuchs. Das führt dazu, dass wir selbst bei einer besseren Konjunktur gar nicht genug Personal hätten, um einen starken Aufschwung zu bewältigen“, sagt VÖTB-Präsident Lichtenegger. 

Problem Nachfolge

Er erläutert, warum die Trockenbauer besonders von der Problematik betroffen sind: „Viele unserer Mitglieder sind kleine Handwerksbetriebe mit bis zu 25 Mitarbeitern. Die Firmengründer sind oft im Pensionsalter, und es gibt häufig keine Nachfolger. In vielen Fällen wird der Betrieb geschlossen oder stark verkleinert, weil die nächste Generation ihn nicht übernehmen möchte.“ 

Es werde zunehmend schwieriger, junge Mitarbeiter*innen zu finden. „Das ist ein Paradoxon: Die Arbeitslosigkeit steigt, gleichzeitig fehlen uns Lehrlinge. Deshalb versuchen wir als Verband, den Beruf attraktiver zu machen und mehr junge Menschen für das Handwerk zu gewinnen.“ Um das zu erreichen, will Lichtenegger, den Trockenbau als eigenständige Innung etablieren. „Dadurch hätten wir mehr Gewicht gegenüber der Wirtschaftskammer und dem Gesetzgeber.“ Eine weitere Maßnahme betrifft die Ausbildung: „Wir wollen verpflichtende Weiterbildungen stärker verankern, damit Qualität und Fachwissen langfristig gesichert werden.“