„Die Nachfrage nach kreativen Fassadenoberflächen ist in den letzten Jahren spürbar gestiegen – ein Trend, der sich klar fortsetzt.“ Das ist die klare Antwort von Wilfried Spanring auf die Frage nach den wichtigsten Trends, die die Gestaltung von Fassaden in Österreich derzeit prägen.

Wunsch nach Individualität

Spanring ist berufsbedingt zwar ein wenig vorbelastet – er leitet die Farbberatung beim heimischen Baustoffanbieter Baumit. Das mindert jedoch nicht das Gewicht seiner Aussage. Im Gegenteil: Spanringweiß, wovon er spricht, und findet breite Zustimmung in der Branche. „Der Wunsch nach individuellen, anspruchsvollen Lösungen gewinnt zunehmend an Bedeutung. Dem Zusammenspiel von unterschiedlichen Strukturen und dem Mix verschiedener Materialien sind dabei keine Grenzen gesetzt“, ergänzt er.

Werbung
Mieten, Kaufen, Service – HKL bietet ein Konzept mit Mehrwert!
Seit vierzehn Jahren und mit heute sieben Standorten ist HKL AUSTRIA in Österreich fest verankert, das Team rund um Geschäftsführer Christian Heigl bedient Bauprojekte im gesamten Land.
mehr erfahren
Seevillen Lanzenkirchen2
Mehr Individualität: "Besonders bewährt hat sich dabei die Besenstrichtechnik." © Baumit

Wachsende Palette

Bei Baumit bedient man die steigende Nachfrage nach Individualität mit einer wachsenden Produktpalette. „In enger Zusammenarbeit mit unserem Farbberatungs- und Anwendungstechnikteam wird das Spektrum an kreativen Oberflächen laufend erweitert – und mittlerweile stehen bereits zwölf unterschiedliche Oberflächenstrukturen zur Auswahl“, erläutert Spanring. Diese Auswahl reiche von feinen Leinenoptiken bis hin zu ausdrucksstarken Schablonenstrukturen. Spanring: „Besonders bewährt hat sich dabei die Besenstrichtechnik, die nach wie vor die vielfältigste Anwendung findet – sowohl bei modernen Einfamilienhäusern als auch bei anspruchsvollen, kreativen Fassadengestaltungen im großvolumigen Wohnbau.“

Seevillen in Lanzenkirchen

Ein anschauliches Beispiel für eine gelungene Fassadengestaltung sind aus Sicht des Herstellers die Seevillen im niederösterreichischen Lanzenkirchen. Sie passen sich laut Baumit harmonisch der Natur an, und die Villa „bestechen durch einen einzigartigen architektonischen Ansatz, der die Elemente Wasser, Wald und Wiese in den Fokus rückt“.

Mitbewerber Saint-Gobain Austria ist am Fassadensektor mit der Marke Weber Terranova vertreten. Deren Vertriebsleiter Rudolf Bergsleithner betont drei Entwicklungen. „Die aktuellen Fassadentrends werden durch Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und einer zurückhaltenderen Farb- und Materialästhetik bestimmt“, meint er. „Strengere Energie- und Umweltvorschriften, sowie ein stärkerer Fokus auf die Lebenszykluskosten eines Gebäudes über die gesamte Nutzungsdauer beeinflussen sowohl den Einsatz als auch die Entwicklung der Fassadensystemen.“

Café Mondsee Aussichtsdeck
Aussichtsdeck des Café Mondsee: Produkte wirken vorbeugend gegen Algen und Pilze. © Lunami Gastronomie GmbH

Weniger kräftige Farben

Bei der Gestaltung der Fassaden ortet Bergsleithner eine Abkehr von der Dominanz der kräftigen Farben, die in den vergangenen Jahren zu sehen gewesen sei. Er sehe aktuell „einen Trend zu eher sanften, natürlichen Farbtönen wie Beige oder Olivgrün. Zudem wird die Kombination von Naturtönen mit Schwarz als Kontrast häufiger gewählt als in der Vergangenheit.“

Biozidfreie Putze

Der Saint-Gobain-Manager weist bei den Produktinnovationen vor allem auf die biozidfreien Fassadenputzen und -farben hin – wie beispielsweise den Weberpas Topdry/Aquabalance Fassadenputzen, die in einer Vielzahl an Farben verfügbar sind. „Die Produkte sind so rezeptiert, dass sie vorbeugend gegen das Auftreten von Algen und Pilzen wirkt, obwohl auf eine auswaschbare biozide Filmkonservierung vollständig verzichtet wird“, erklärt Bergsleithner. Dies gelinge durch die Herstellung einer hydrophilen Fassadenoberfläche. „Nach kürzester Zeit steht kein Wasser mehr in flüssiger Form zu Verfügung, Algen und Pilzen werden somit die wichtigste Lebensgrundlage entzogen.“

Café Mondsee
Caparol-Injetktionsverfahren von Synthesa: "Gezielte Erhaltung und Reaktivierung" im Vordergrund. © Lunami Gastronomie GmbH

Das innovative Produkt wurde zum Beispiel beim Seecafé am Mondsee verwendet. Dort ließ die bekannte Unternehmerfamilie Hargassner das teilweise unter Denkmalschutz stehende Gebäude generalsanieren und einen Anbau errichten. Weberpas Topdry/ Aquabalance Dünnputz kam beim Neubau zum Einsatz. Das mehrfach mit Umweltpreisen ausgezeichnete Produkt ist in zahlreichen Farben verfügbar. Dadurch konnte der Charakter der Neubauten gut an die wiederhergestellte historische Fassade angepasst werden.

WDVS weiter wichtig

Beim Thema Nachhaltigkeit haben aus Sicht von Bergsleithner Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) eine wichtige Bedeutung. Hier bietet Weber Terranova verschiedene Lösungen an. „Sie ermöglichen behagliche Wohnräume bei niedrigen Energiekosten und Tragen zum Werterhalt von Gebäuden bei“, so Bergsleithner. „Diese Systeme gewinnen, wegen ihrer Dämmeigenschaften und schneller Montage immer mehr an Bedeutung.“

Bauarbeiten am Mondsee.
Bauarbeiten am Mondsee: bevor die Fassade bearbeitet wird, muss der Bagger ran. © Lunami Gastronomie GmbH

„Nachhaltigkeit ist längst kein Trend mehr, sondern ein zentrales Kriterium für unsere Produkt- und Systementwicklung“, meint auch Simon Haunschmid, Leiter Technischer Service bei der oberösterreichischen Synthesa-Gruppe. Man betrachte dabei den gesamten Lebenszyklus: Rohstoffe, Herstellung, Transport, Nutzungsphase, Langlebigkeit sowie Entsorgung sowie Recyclingfähigkeit.

Injektion mit Carparol

Injektionsstopfen
Carparol-Injektionsstopfen: Dämmung eine Frage der Sanierungsstrategie. © Synthesa-Gruppe

Ein besonders wirkungsvoller Ansatz zur Nachhaltigkeitssteigerung sei das von der Synthesa-Gruppe patentierte Caparol Injektionsverfahren zur Sanierung von Mineralwollfassaden. „Dabei steht nicht der Austausch, sondern die gezielte Erhaltung und Reaktivierung bestehender Dämmung im Vordergrund“, so Haunschmid. Er verweist auf die diversen Vorteile des Verfahrens: „Das Injektionsverfahren ermöglicht es, bestehende, in die Jahre gekommene Mineralwolldämmungen im System zu belassen und bauphysikalisch zu ertüchtigen, anstatt die Fassade komplett abzutragen. Dadurch wird die Lebensdauer des bestehenden Wärmedämm-Verbundsystems deutlich verlängert.“

Weniger Abfall

Da die Mineralwolle nicht ausgebaut und entsorgt werden müsse, würden große Mengen an Baustellenabfall entfallen – es gebe keine Dämmstoffabfälle, das Transportaufkommen zu Deponien oder Verwertungsanlagen werden reduziert, Entsorgungskapazitäten und Ressourcen geschont und der CO2-Fußabdruck gesenkt.

Caparol Injektionsverfahren
Injektion statt Neuproduktion: Weniger Materialverbrauch und Transport. © Synthesa Gruppe

Und weniger Neuproduktion

„Der entscheidende Nachhaltigkeitseffekt liegt in der Kombination aus Materialerhalt und Vermeidung energieintensiver Neuproduktion“, sagt Haunschmid. Die bestehende Dämmung bleibe im Gebäude und trage weiterhin zur Energieeinsparung und CO₂-Reduktion im Betrieb bei. „Es muss weniger neue Dämmung produziert, transportiert und verarbeitet werden“, meint der Synthesa-Manager weiter. „Im Vergleich zu einem Komplettabbruch mit anschließendem Neuaufbau entsteht ein deutlich geringerer CO₂-Impact über den gesamten Sanierungsprozess.“

Das Verfahren zeige, dass Nachhaltigkeit bei Dämmung nicht nur eine Frage des Dämmstofftyps ist, sondern auch der Sanierungsstrategie. „Damit ist das Injektionsverfahren ein gutes Beispiel dafür, wie wir durch innovative Sanierungstechnologien die ökologische Bilanz bestehender Gebäude verbessern können – ohne den Umweg über Abriss, Entsorgung und kompletten Neuaufbau gehen zu müssen.“

Neue Systeme

Darüber hinaus arbeite man bei der Synthesa-Gruppe kontinuierlich daran, Bindemittelsysteme, Rezepturen und Produktionsprozesse so zu optimieren, dass der CO₂-Fußabdruck unserer Produkte weiter sinkt – etwa durch alternative Rohstoffe, energieeffiziente Produktion und optimierte Logistik.

Austrotherm-Produktion in Pinkafeld.
Austrotherm-Produktion in Pinkafeld: umfassender Ansatz bei der Dämmung. © Austrotherm

Das Thema Dämmung hat auch der niederösterreichische Hersteller Austrotherm im Fokus. Er verfolgt hier einen umfassenden Ansatz: „Aus unserer Sicht ist es nicht mehr zeitgemäß, die Fassade isoliert zu betrachten. Entscheidend ist das Zusammenspiel aller Bauteile der Fassade – vom Sockel, inklusive Anschluss an die Bodenplatte, über die Fassade bis hin zu Dachanschlüssen und Attika“, meint man bei Austrotherm. Nur wenn diese Systeme optimal aufeinander abgestimmt seien, ließen sich Wärmeverluste minimieren und dauerhaft funktionierende Dämmkonzepte umsetzen. „Die perfekte Wärmedämmung entsteht also im System – nicht im Einzelprodukt“, so Austrotherm.

Privathaus in Spanien
Privathaus in Spanien: Attika-Element von Austrotherm im Einsatz. © Austrotherm

Gesamter Lebenszyklus

Neben der Performance in der Nutzungsphase rückt aus Sicht des Herstellers zunehmend der gesamte Lebenszyklus von Gebäuden in den Fokus. Gefragt seien Lösungen, die nicht nur in der Errichtung effizient sind, sondern auch in Rückbau und Wiederverwertung. „Materialien müssen recyclingfähig sein und in funktionierende Stoffkreisläufe integriert werden können. Damit wird Nachhaltigkeit vom Anspruch zur praktisch umsetzbaren Anforderung“, meinen die Fachleute von Austrotherm.

Austrotherm-Projekt in Spanien
Austrotherm-Projekt: Modulare und vorgefertigte Systeme gewinnen an Bedeutung. © Austrotherm

Lösunge, die Arbeit reduzieren

Der Fachkräftemangel führe zudem dazu, dass Bauprozesse stärker optimiert werden müssen. Im Fokus stehen Lösungen, die Arbeitsschritte reduzieren, Schnittstellen minimieren und Prozesse zusammenführen. „Modulare und vorgefertigte Systeme gewinnen dadurch an Bedeutung, weil sie eine schnellere, einfachere und wirtschaftlichere Umsetzung auf der Baustelle ermöglichen.“

All-in-One

Austrotherm bietet mit seinem Attikaelement eine Systemlösung, „die mehrere Anforderungen in einem Bauteil vereint“. Es handelt sich hier um ein vorgefertigtes Dämmelement zur Ausbildung von Attiken, das eine wärmebrückenfreie Ausführung von Dachrandkonstruktionen ermöglicht. „Durch die All-in-One-Konzeption – inklusive integrierter Montageelemente und Befestigungslösungen – reduziert sich der Aufwand auf der Baustelle deutlich.“ Gleichzeitig ersetze das Element klassische mehrschichtige Aufbauten mit Betonschalungen und zusätzlichen Dämmstoffen und stelle damit eine wirtschaftliche Alternative zur herkömmlichen Bauweise dar. „Ein weiterer Vorteil liegt in der schnellen und einfachen Verarbeitung bei geringem Materialeinsatz, wodurch sowohl Bauzeit als auch Logistikaufwand reduziert werden.“

Fokus auf Recycling

Im Bereich Nachhaltigkeit setzet der Hersteller zudem auf seine Rücknahme- und Recyclinglösungen für Dämmstoffe. Mit eigenen Recyclingservices für EPS und XPS bietet Austrotherm die Möglichkeit, Baustellenverschnitte wieder in den Produktionskreislauf zurückzuführen. „Die Materialien werden entweder direkt von uns gratis von der Baustelle abgeholt oder an unsere Standorte zurückgeführt und anschließend wieder als Rohstoff eingesetzt“, so Austrotherm. „Damit wird aus vermeintlichem Abfall ein wertvoller Bestandteil neuer Dämmstoffe. Diese Systeme leisten einen messbaren Beitrag zur Ressourcenschonung und reduzieren gleichzeitig Entsorgungsaufwand und Kosten auf der Baustelle.“

Fassade des Rohnerhauses in Schwarzach.
Aussenansicht des Rohnerhauses: "Eine Fassade ist weit mehre als nur eine schützende Hülle." © Röfix

Ähnlich umfassend geht der Vorarlberger Anbieter Röfix das Thema Nachhaltigkeit an. „Eine Fassade ist weit mehr als nur eine schützende Hülle. Sie wird zunehmend zum Bestandteil einer zukunftsorientierten, nachhaltigen Bauweise“, sagt Christian Höberl, Geschäftsleiter Vertrieb und Technik.

Drei Trends

Er sieht aktuell drei Trends, die das Fassadengeschäft prägen: „Die thermische Sanierung im Bestand gewinnt weiter an Bedeutung. Hier sind Lösungen gefragt, die sich flexibel an bestehende Strukturen anpassen und gleichzeitig hohe energetische Anforderungen erfüllen.“ Zudem steige die Nachfrage ökologischen Systemen. „Mineralische, diffusionsoffene und ressourcenschonende Materialien rücken stärker in den Fokus, nicht zuletzt durch regulatorische Vorgaben wie EU-Taxonomie und ESG-Kriterien“, so Höberl weiter. „Zudem beobachten wir einen Trend hin zu gestalterischer Reduktion und präzisen Details. Klare Linien, großflächige Fassaden und reduzierte Übergänge stellen hohe Anforderungen an Materialien und Systemlösungen.“

Rohnerhaus in Schwarzach.
Rohnerhaus in Schwarzach: blechfreier Dachrandabschluss mit Röfix Roof Etics. © Röfix

Diffusionsoffene Dämmung

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, entwickelt Röfix das Produktportfolio laufend weiter. Ein Schwerpunkt liegt hier auf dem mineralischen Dämmputzsortiment, das vor allem im Bestand neue Möglichkeiten eröffne. „Die Dämmputze ermöglichen eine fugenlose, diffusionsoffene Dämmung und sind damit ideal für komplexe Geometrien oder denkmalgeschützte Gebäude, bei denen klassische Plattensysteme an ihre Grenzen stoßen“, so Höberl. „Als einziger Hersteller“ biete man ein vollständiges Sortiment an Wärmedämmputzen mit Dämmleistungen bis zu 0,028 Watt pro Meter und Kelvin (W/mK).

Im Bereich nachhaltiger Fassadensysteme biete man zudem mit dem Röfix Wofitherm Massiv „eine zukunftsfähige Lösung“. Das holzbasierte Wärmedämm-Verbundsystem kombiniert ökologische Materialien mit hoher Diffusionsoffenheit und eignet sich laut Höberl für Neu-, Alt- und Holzbau.

Blechfreier Dachrandabschluss

Einen weiteren Fokus liegt Röfix auf Systemlösungen für architektonische Anforderungen, wie dem Fassadendachkanten-System Röfix Roof Etics. Es ermöglicht einen blechfreien Dachrandabschluss und schafft eine klare, durchgehende Linienführung zwischen Fassade und Dach. „Damit reagieren wir gezielt auf den Wunsch nach reduzierter, kubischer Architektur“, erläutert Höberl. Roof Etics kombiniere Dämmung, Abdichtung und Verarbeitungssicherheit in einem durchdachten Gesamtkonzept und ermögliche eine effiziente und wirtschaftliche Umsetzung.

Weniger Energie

„Gleichzeitig schließt das System eine wichtige Verbindung zwischen Fassaden- und Dachdämmung und trägt zur Reduktion des Gesamtenergieverbrauchs von Gebäuden bei“, erläutert Höberl. Roof Etics kam in Österreich erstmals bei Rohner Haus im vorarlbergischen Schwarzach zum Einsatz. „Durch den Verzicht auf eine sichtbare Dachrandabdeckung konnte eine klare und ruhige Fassadenlinie realisiert werden, die die kubische Architektur des Gebäudes unterstreicht. Gleichzeitig erfüllt das System alle technischen Anforderungen an Dichtheit, Dauerhaftigkeit und Wärmeschutz.“

„Die Nachfrage nach kreativen Fassadenoberflächen ist in den letzten Jahren spürbar gestiegen – ein Trend, der sich klar fortsetzt.“

„Die aktuellen Fassadentrends werden durch Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und einer zurückhaltenderen Farb- und Materialästhetik bestimmt.“

„Nachhaltigkeit ist längst kein Trend mehr, sondern ein zentrales Kriterium für unsere Produkt- und Systementwicklung.“

„Aus unserer Sicht ist es nicht mehr zeitgemäß, die Fassade isoliert zu betrachten. Entscheidend ist das Zusammenspiel aller Bauteile der Fassade.“

„Die thermische Sanierung im Bestand gewinnt weiter an Bedeutung. Hier sind Lösungen gefragt, die sich flexibel an bestehende Strukturen anpassen und gleichzeitig hohe energetische Anforderungen erfüllen.“