Steigende Kosten, unsichere Marktbedingungen und zunehmender Effizienzdruck – die Zeiten für die heimische Bauwirtschaft sind alles andere als rosig. Gerade der Kostendruck lastet dabei auf vielen Bauunternehmen schwer. Dementsprechend gewinnen Themen, die Kosten zu sparen helfen, rasant an Bedeutung. Etwa das Thema Baumaschinenmiete. In der Vergangenheit wurde diese vor allem genutzt, um Auftragsspitzen abzudecken oder Spezialgeräte projektbezogen einzusetzen. Heute entwickelt sie sich jedoch zunehmend zu einem festen Bestandteil moderner Flottenstrategien. Bauunternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Maschinenkapazitäten flexibel an die Auslastung anzupassen und gleichzeitig hohe Investitionskosten zu vermeiden. Die Entscheidung zwischen Kauf und Miete wird daher immer häufiger nicht mehr operativ, sondern strategisch getroffen.
„Steigende Investitionskosten und wirtschaftliche Unsicherheiten sind zentrale Treiber für die Entscheidung ‚Miete statt Kauf‘“, betont etwa Andreas Girkinger, Leiter Miete bei Zeppelin Rental Österreich. „Höhere Anschaffungspreise, gestiegene Zinsen und volatile Märkte erhöhen das Risiko langfristiger Investitionen deutlich und belasten gleichzeitig die Liquidität der Unternehmen.“
Investitionsbereitschaft sinkt
Wenig überraschend ändert sich, beeinflusst durch Materialpreissteigerungen, höhere Finanzierungskosten, Lieferengpässe und eine insgesamt schwierigere Planbarkeit von Bauprojekten, auch die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen. Zudem kommt, dass die Anschaffungskosten moderner Baumaschinen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sind. Dies betrifft nicht nur Großgeräte, sondern zunehmend auch kompakte Maschinenklassen. Auch die wachsende Digitalisierung hinterlässt mit Investitionen in digitale Assistenzsysteme, Telematiklösungen sowie neue Antriebstechnologien Spuren.
Für viele Bauunternehmen stellt sich daher die Frage, ob jede benötigte Maschine dauerhaft im eigenen Fuhrpark vorgehalten werden muss. Die Miete bietet hier einen wirtschaftlichen Vorteil: Kapital wird nicht langfristig gebunden, während die Maschinenkosten direkt einem Projekt zugeordnet werden können. „In Zeiten hoher Zinsen und wirtschaftlicher Volatilität ist Kapitalbindung der größte Feind der Bauwirtschaft“, erläutert etwa Thomas Jaschke, Vertriebsleiter bei Boels Maschinenverleih Österreich. „Wenn ein Unternehmen eine Maschine kauft, bindet es Kapital, das an anderer Stelle fehlt, und trägt das volle Auslastungsrisiko. Die Miete transformiert fixe Investitionskosten (CAPEX, Anm. d. Red.) in variable Betriebskosten (OPEX, Anm.d.Red.). Das verbessert den Return on Capital Employed (ROCE, Anm. d. Red.) der Bauunternehmen massiv. Sie zahlen nur für die Maschine, wenn sie auch tatsächlich Umsatz auf der Baustelle generiert. Das ist in der aktuellen Marktlage nicht nur eine operative, sondern eine hochstrategische finanzielle Entscheidung.“ Neben klassischen Maschinenhändlern mit Vermietungsangeboten sind in Österreich heute sowohl internationale Großvermieter als auch spezialisierte Dienstleister aktiv, etwa AMG Miete, Boels, HKL Baumaschinen, Huppenkothen, Kuhn Baumaschinen und Zeppelin Rental. Hinzu kommen digitale Plattformen wie Digando, die neue Wege bei der Beschaffung von Mietmaschinen eröffnen.
Dabei zeigt sich ein klarer Trend: Die reine Maschinenvermietung tritt zunehmend in den Hintergrund. Gefragt sind umfassende Dienstleistungen, die Transport, Wartung, Service, Ersatzmaschinen sowie digitale Verwaltungsprozesse einschließen. Für viele Kund*innen wird nicht mehr ausschließlich die Maschine selbst zum entscheidenden Kriterium, sondern die Verfügbarkeit einer kompletten Lösung. „Die Digitalisierung macht die Miete transparent und steuerbar. Kunden wollen heute in Echtzeit sehen: Welche Maschinen habe ich aktuell auf welcher Baustelle? Wie hoch ist die Auslastung? Wann steht die nächste Wartung an? Über Kundenportale und Telematik-Daten bieten wir genau diese Transparenz“, betont Jaschke. „Das hilft den Unternehmen, schlafende‘ Kosten zu identifizieren – also Maschinen, die gemietet sind, aber gerade nicht genutzt werden. Zudem vereinfachen digitale Prozesse die gesamte Abwicklung von der Bestellung bis zur Rechnungslegung enorm.“

Dies sieht Girkinger ähnlich: „Moderne Mietflotten sind zunehmend vernetzt. Über Telematiksysteme werden Standort, Nutzung und Zustand der Maschinen in Echtzeit erfasst. Dies ermöglicht eine deutlich bessere Abwicklung. KI-gestützte Auswertungen helfen, Nutzungsmuster zu analysieren, Ausfälle frühzeitig zu erkennen und Entscheidungen im Flottenmanagement datengetrieben zu treffen. Das steigert Effizienz und reduziert Stillstandszeiten. Integrierte Softwarelösungen verändern zudem die Kundeninteraktion: Verfügbarkeit und Preise werden in Echtzeit transparent dargestellt und abgewickelt. Die Digitalisierung ermöglicht einen Wandel vom klassischen Vermieter hin zum vermehrten Angebot serviceorientierter Lösungen gemäß den Kundenbedürfnissen.“
Nachgefragt werden im Rahmen von Mietmodellen vor allem die klassischen Erdbewegungsmaschinen, dementsprechend zählen Mini- und Kompaktbagger zu den am häufigsten gemieteten Geräten. Ebenfalls stark nachgefragt sind Mobilbagger, Radlader, Dumper und Verdichtungsgeräte. Im Bereich des Hochbaus gewinnen zudem Teleskoplader und Arbeitsbühnen weiter an Bedeutung. „Der Mini/Midibagger-Bereich ist der größte Mietmarkt, dann Kettenbagger 14 Tonnen bis 22 Tonnen – wie unser PC 138 und PC 220“, erklärt etwa Stefan Kuhn, Co-Geschäftsführer Kuhn Holding.
Zunehmend gefragt sind außerdem Maschinen mit alternativen Antrieben. Viele Bauunternehmen nutzen Mietangebote, um elektrische oder emissionsarme Geräte unter realen Baustellenbedingungen zu testen, bevor Investitionsentscheidungen getroffen werden. „Wir sehen ein starkes Wachstum in drei Bereichen: Erstens bei emissionsfreien und geräuscharmen Maschinen (z.B. E-Bagger, Akku-Radlader, Anm. d. Red.), da die Auflagen bei innerstädtischen Projekten immer strenger werden. Zweitens im Bereich der Hebetechnik und Arbeitsbühnen, wo Sicherheit und Effizienz an oberster Stelle stehen. Und drittens bei hochspezialisiertem Equipment, wie beispielsweise in der Betontechnik“, verweist Girkinger. Auch Spezialmaschinen, deren Anschaffung sich für viele Unternehmen wirtschaftlich nicht rechnet, treiben den Mietmarkt an. Hierzu zählen beispielsweise Maschinen für Abbrucharbeiten, Spezialanbaugeräte oder Lösungen für Infrastrukturprojekte.
Darüber hinaus werden die Bauabläufe immer komplexer, gleichzeitig aber die Projektlaufzeiten kürzer und die Terminfenster enger. Genau hier spielt Maschinenmiete ihre Möglichkeiten aus. Werden zusätzliche Kapazitäten benötigt, können Maschinen kurzfristig bereitgestellt werden, endet ein Bauabschnitt früher oder verschieben sich Arbeiten, lassen sich Geräte wieder aus dem Projekt nehmen. „Für Zeppelin Rental ist Flexibilität ein zentraler Erfolgsfaktor. Sie ermöglicht es, Kunden kurzfristig Maschinenkapazitäten bereitzustellen oder anzupassen und damit auf Projektänderungen zu reagieren. Genau in dieser schnellen Skalierbarkeit liegt der Mehrwert des Mietmodells: Kapazitäten können bedarfsgerecht erhöht oder reduziert werden, ohne Kapital zu binden“, erläutert Andreas Girkinger.
„Flexibilität ist heute die wichtigste Währung auf der Baustelle“, unterstreicht Thomas Jaschke. „Bauphasen verschieben sich, Witterungsbedingungen ändern sich, oder es treten unvorhergesehene Herausforderungen auf, zum Beispiel ein anderer Untergrund als erwartet. Wer hier eine starre, gekaufte Flotte hat, verliert Zeit und Geld. Durch die Miete kann der Polier heute einen 2,5-Tonnen-Bagger ordern und ihn morgen gegen einen 5-Tonner tauschen, wenn die Situation es erfordert. Diese Agilität ist der Hauptgrund, warum auch Großkonzerne zunehmend auf Langzeitmieten setzen.“
Erfolgsfaktor Schulung und Training
Mit der technischen Entwicklung der Baumaschinen steigen auch die Anforderungen an deren Bedienung. Digitale Assistenzsysteme und neue Antriebskonzepte bieten zwar Produktivitätsvorteile, setzen jedoch qualifizierte Anwender voraus. „Je größer und komplexer die jeweilige Maschine ist, muss mit bis zu einem halben Tag Einschulung gerechnet werden“, sagt Stefan Kuhn. Für Bauunternehmen ergibt sich daraus ein zusätzlicher Nutzen, denn gut geschulte Fachkräfte arbeiten produktiver, reduzieren Ausfallzeiten und tragen zu einem wirtschaftlicheren Einsatz der Technik bei. „Bedienertrainings und Schulungen sind längst kein Zusatz mehr für Zeppelin Rental Österreich, sondern ein integraler Bestandteil des professionellen Mietangebots – und ein wesentlicher Hebel für Sicherheit, Effizienz und Kundenzufriedenheit“, unterstreicht Andreas Girkinger.
Gerade auch in Bezug auf den heimischen Fachkräftemangel dürfte die Qualifizierung von Bedienpersonal künftig noch stärker in den Fokus rücken. Bedienertrainings seien „der entscheidende Faktor für Effizienz und Sicherheit“ meint Jaschke. „Die beste und teuerste Maschine bringt keinen Mehrwert, wenn der Bediener nicht weiß, wie er sie optimal einsetzt. Nehmen wir das Beispiel Betontechnik: Die Wahl der falschen Klinge bei einem Bodenbelagsentferner kann ein Projekt um Tage verzögern. Deshalb ist unsere Philosophie: Wir vermieten nicht nur Equipment, wir liefern das Know-how gleich mit. Eine fundierte Einweisung vor Ort verhindert Schäden, erhöht die Arbeitssicherheit und sorgt dafür, dass das Projekt im Zeit- und Kostenplan bleibt.“
Weblinks

Thomas Jaschke, Boels Maschinenverleih Österreich
Die beste und teuerste Maschine bringt keinen Mehrwert, wenn der Bediener nicht weiß, wie er sie optimal einsetzt

Andreas Girkinger,
Zeppelin Rental Österreich
Gerade bei Spezialgeräten, die nicht jeden Tag im Einsatz sind, rechnet sich ein Kauf für die meisten Unternehmen schlichtweg nicht.

Stefan Kuhn,
Kuhn Baumaschinen
Die Baubranche beginnt gerade sich zu digitalisieren, wir bieten dafür Maschinesteuerungen von Komatsu oder Topcon zur Miete an.
Baumaschinenmiete in der Praxis

In Judenburg entsteht aktuell eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte der Region: Mit dem Neubau des Stadtkraftwerks an der Mur ersetzt die Stadtwerke Judenburg drei bestehende Anlagen aus der Zeit um 1900 durch moderne Technik zur nachhaltigen Stromerzeugung. Mit einem Investitionsvolumen von rund 45 Mio. Euro und einer geplanten Bauzeit von etwa 26 Monaten zählt das Vorhaben zu den größten Energieprojekten in der Region Obersteiermark. Bei den anspruchsvollen Arbeiten im sensiblen Fluss- und Baustellenumfeld ist auch Zeppelin Rental Österreich mit Maschinen- und Gerätetechnik eingebunden.
Errichtet wird das neue Kraftwerk am Standort der bestehenden Energiezentrale der Stadtwerke Judenburg – direkt an der Mur und mitten im Stadtgebiet. Die Bauarbeiten erfolgen in einem komplexen Umfeld: Rückbau bestehender Anlagenteile, Erdarbeiten sowie vorbereitende Maßnahmen für den Neubau müssen unter beengten Platzverhältnissen und im unmittelbaren Flussbereich umgesetzt werden. Zeppelin Rental Österreich unterstützt das Projekt in einer frühen Bauphase mit leistungsstarker Maschinen- und Gerätetechnik. Eine tragende Rolle übernimmt dabei ein „CAT 352“ Kettenbagger, der bei Abbruch-, Rückbau- und Erdarbeiten eingesetzt wird. Die Maschine kommt dort zum Einsatz, wo bestehende Strukturen kontrolliert zurückgebaut und das Gelände für die nachfolgenden Bauabschnitte vorbereitet werden muss. Zum Einsatzspektrum zählen unter anderem das Lösen und Abtragen vorhandener Bauwerke, das Abtragen von Boden- und Materialschichten sowie vorbereitende Arbeiten im Bereich des künftigen Kraftwerksstandorts. Teilweise erfolgen diese Arbeiten unmittelbar im Übergangsbereich zwischen Baustelle und Flusslauf – dort, wo wenig Platz bleibt und jeder Arbeitsschritt sitzen muss.