Color: In Zeiten wie diesen, wo viele Unternehmen verkauft, optimiert, filetiert werden: Was bedeutet es für Sie, ein Familienunternehmen zu sein?
Christian Seidler: Ich habe das Glück, ein Unternehmen von meinem Vater übernommen zu haben. Für mich war schon die Kindheit prägend, in der ich zu meinem Großvater aufgeschaut habe, der gesellschaftlich immer hoch angesehen war und für mich natürlich stets ein Mentor war. Er hat mir immer stolz von seinen geschäftlichen Erfolgen und den Kundenbeziehungen erzählt. Von meinem Vater habe ich mitbekommen, dass das alles nicht so einfach ist. „Was man beginnt, macht man fertig“, hat er mich immer wissen lassen. Die Erzählungen vom Großvater, der vorgelebte Fleiß meines Vaters und die schier unbegrenzten Möglichkeiten, die man mit unseren Produkten erreichen kann hat mich immer fasziniert. Es geht nicht immer um Geld – ein Unternehmen, wie wir es sind, ist eine Berufung, wo man den Gedanken lebt und die täglichen Herausforderungen sucht. Wenn es gelingt, diesen Spirit dann an seine Kinder weiterzugeben, dann ist keine Anstrengung zu groß, diese Geschichte eines Unternehmens auch in die nächste Generation zu bringen. Es geht ja um unsere Kunden, die mit Lieferanten zusammenarbeiten wollen, die sie auch kennen und die gemeinsam mit ihnen den Weg gehen.
Als Vertriebspartner vereinen Sie die sämtliche namhaften Marken unter einem Dach. Wie sieht es mit Entwicklungen in Ihrer eigenen Produktion aus? Gibt es da derzeit besondere Schwerpunkte? Forschen Sie vielleicht sogar an etwas?
Sefra ist ein Handelsunternehmen, dass der Marken- und Lieferantentreue einen sehr hohen Stellenwert zurechnet. Gemeinsam mit diesen Lieferanten entwickeln wir das Sortiment, dass wir dann unseren Kunden für alle Anwendungsgebiete anbieten. Wir haben dabei das Glück, dass diese Lieferanten auch auf unsere Marktbedürfnisse Rücksicht nehmen und wir so Produkte an der Hand haben, die für unsere Region auch passen. Außerdem haben wir im Familenverbund auch eine Produktion von Wandfarben, die wir seit mehr als 70 Jahren herstellen – zuerst noch als Lizenznehmer eines deutschen Lieferanten, später dann als Eigenmarke, wie wir sie bis heute anbieten. Hier verfolgen wir die Kriterien des österreichischen Umweltzeichens sowie jene einiger anderer Kunden- und Ausschreiberwünsche. Neben der Reduktion von Konservierungsmittel, die verpönt sind, aber ihre Notwendigkeit haben, entwickeln wir eine Trend folgend auch Titandioxid-freie Wandfarben, denn es gibt einen Kundengruppe, die wieder auf die traditionellen Anstricherscheinungen großen Wert legen.
Mit der Oberflächen-Design-Messe haben Sie in der Branche einen starken, neuen Impuls gesetzt. In welche Richtung möchten Sie das Format weiterentwickeln?
Diesen Event haben wir nach einer doch sehr unsicheren Zeit gestartet. Wie wir wissen, konnten wir uns eine Zeit lange nicht wie gewohnt treffen und miteinander sprechen. Wir Österreicher treffen uns aber gerne und sprechen doch gerne miteinander. Aus dieser Motivation heraus haben wir das Format einer Oberflächen- und Design-Messe entwickelt. Zuvor haben wir einige Messeangebote wahrgenommen, um unsere Kunden zu treffen, aber das war dann doch zunehmend schwierig. Die Oberflächen-und Design-Messe wurde als nach diesen Erfahrungen überdacht und gestartet, und wir haben einen idealen Platz gefunden, wo wir eine Ausstellung, öffentliche Erreichbarkeit, eine Autobahnanbindung, eine gesellschaftliches Rahmenprogramm und Übernachtung an einem Ort anbieten können – wir meinen, dass das für unsere Kunden sehr wichtig ist. Die Erfahrungen mit und der Erfolg der bereits abgehaltenen Messen gibt uns Recht, dieses Format für unsere Kunden und für die gesamte Branche der Oberflächenbeschichter und Schulen weiterzuentwickeln und wieder zu veranstalten.
Mit welchem Benefit würden Sie sich wünschen, dass die Besucher*innen der Messe wieder nach Hause gehen?
Dass die Besucher*innen mit dem Gefühl nach Hause gehen, dass die investierte Zeit gut eingesetzt war – da haben wir halb gewonnen. Wenn sie dann noch in ihrem Bekanntenkreis berichten: „Das war toll, da gehen wir wieder hin“, dann haben wir gewonnen. Ich habe es vor allem genossen, als Besucher*innen zu mir sagten: „Endlich gibt es wieder eine Möglichkeit, dass sich gleichgesinnte Unternehmer*innen aus ganz Österreich wieder an einem Ort treffen können, um Erfahrungen auszutauschen, und Informationen über Produkte bekommen, die sie noch gekannt haben.“ Das war ein sehr großes Lob für mich und würdigt die Leistung unseres Sefra-Teams.
Haben Sie sich überlegt, die Messe eventuell jährlich stattfinden zu lassen?
Natürlich gibt es zu so einer Veranstaltung immer viele Gedanken und Entwicklungsansätze. Wir sind aber momentan zu der Erkenntnis gekommen, dass ein Jahr in unserer Branche sehr kurz ist. Das hängt auch mit der Witterung zusammen. Zudem ist die Vorbereitung für eine solche Messe doch eine große Herausforderung für uns und benötigt viel Aufmerksamkeit neben der täglichen Arbeit. Schließlich verdienen wir mit der Veranstaltung kein Geld. Deshalb haben wir den Zwei-Jahres-Rhythmus für sehr passend erachtet und wollen diesen auch weiterhin beibehalten.
Das Nachwuchsproblem wird immer wieder thematisiert. Wie ist dazu als Vertrieb – wie ein stiller Beobachter der Branche – Ihre Wahrnehmung? Ist wirklich Feuer am Dach?
Klar ist: Mit dem Handy und der KI und so weiter kann man keine Oberfläche beschichten. Aber bei unserer Oberflächen- und Design-Messe hatten wir 200 Schüler*innen dabei. Bei unseren Schulungangeboten in Berufschulen und in der HTL Leesdorf haben erfreulicherweise viele Studenten als Zuhörer gehabt. Wir sind davon überzeugt, dass es nie genug sein kann, was man in der Ausbildung lernen sollte, und es liegt an uns Berufserfahrenen, Werbung für den Beruf zu machen. Darüber müssen wir uns im Klaren sein. So bin ich selbst in das Unternehmen eingestiegen, und so werben wir täglich für neue Kund*innen und Mitarbeiter*innen. Ich glaube schon, dass wir noch viel Aufholbedarf haben, aber ich bin davon überzeugt, dass es viele junge Menschen gibt, die Gefallen an unserem Beruf finden. Es liegt an uns, ihnen diesen schmackhaft zu machen.
Sie suchen auch Außendienst- und Fachverkäufer an unterschiedlichen Standorten. Was ist Ihr Rezept, Menschen für Farbe und Raumausstattung zu begeistern?
Wenn Sie mich das fragen: Es gibt keinen Job, der den Lebensraum Mensch mehr beeinflusst als Farbe. Ohne die Produkte würde es mit der Hygiene schlecht aussehen, Gebäude würden, weil sie nicht geschützt sind schnell kaputt gehen, der Mensch kann sich nicht zurecht finden. Also es ist ein Job, bei dem Verantwortung und Gefühl eine große Rolle spielt. Wer will da nicht mit dabei sein? Wir verkaufen ein Gebinde, eine Rolle, eine Tube, aber daraus entstehen Oberflächen, die viele Jahre eine Wirkung haben. In unserem besonderen Fall ist es halt auch noch so, – und das, denke ich, bemerken Sie – dass die Eigentümerfamilie mitten im Geschehen ist, somit immer für das Team und die Kund*innen erreichbar. Wir haben eine sehr einfache Kommunikationslinie, und darauf sind wir als mittelständiger Betrieb auch stolz.
Am Schluss noch der anfangs angesprochene Blick in die Zukunft. Wohin wird die Reise von Sefra in den nächsten Jahren gehen?
Wir werden in der Zukunft weiterhin den Bedürfnissen unserer Kund*innen folgen und die Entwicklungen sehr genau auch verfolgen. Wir wollen, soweit es uns möglich, ist immer im Gespräch in der Branche als verlässlicher Partner angesehen werden. Zudem werden wir werden das Unternehmen in die fünfte Generation bringen, und es wird weiter die Möglichkeit gegeben sein, mit zumindest zwei Generationen Eigentümer in Verbindung zu sein. Es wird nicht immer einfach sein, und auch wir werden uns der Umgebung etwas anpassen müssen, genauso wie sich sicher das Sortiment immer anpassen wird. Als Großhändler können wir das bewerkstelligen. Schließlich spart es den Kund*innen viel Zeit, wenn sie nur einen Ansprechpartner haben, der die Aufgabe der Materialbeschaffung, Logistik und Fachberatung übernimmt. Wir sehen der Zukunft jedenfalls mit großer Verantwortung entgegen. ■

Christian Seidler
Es liegt an uns Berufserfahrenen, Werbung für den Beruf zu machen. Ich bin davon überzeugt, dass es viele junge Menschen gibt, die Gefallen an unserem Beruf finden. Es liegt an uns, ihnen diesen schmackhaft zu machen.