

Seit 1976 steht das Unternehmen Norz für eine enge Verknüpfung von handwerklicher Fertigung und individueller Planung. Gefertigt wird in der hauseigenen Tischlerei in Sankt Georgen im Attergau, die heute Innenarchitektin Anna Norz führt und damit in die Fußstapfen ihres Vaters tritt. Das Spektrum reicht von Küchen über Wohn- und Schlafbereiche bis zu Bädern, mit dem Ziel, Innenarchitektur, Möbeltischlerei und Einrichtung zu ganzheitlichen Wohnkonzepten zu vereinen, bei denen wiederkehrende Farbtöne und Materialien die einzelnen Bereiche verknüpfen. Besonders gut sichtbar wird dieses Bestreben bei diesem Projekt, bei dem sich die Idee eines holistisch gedachten Zuhauses wie ein roter Faden durch die Räume zieht. „Bei diesem Projekt durften wir die gesamte Planung und Ausführung jedes einzelnen Raumes übernehmen. Der Bauherr legte die Verantwortung in unsere Hände und gab uns dabei viel gestalterische Freiheit. Unser Anspruch war es, ein durchgängiges Konzept zu schaffen, das sich harmonisch von Raum zu Raum zieht“, erzählt Anna Norz.

Holz als Konstante
Schon im Eingangsbereich versteht der Betrachter, dass Holz hier eine der Hauptrollen übernimmt. Seine einladenden, warmen Naturtöne finden sich an Böden, Türen, Wandflächen und Einbauten wieder und schaffen eine visuelle Verbindung zwischen den einzelnen Wohnbereichen. Hier, wo eine skulptural geschwungene Treppe mit Holzstufen mit weißer, weich verlaufender Brüstung zum Eyecatcher wird, laufen alle Wege zusammen. Begleitet werden sie von angrenzenden Türen und raumhohen Einbauten, die allesamt in Holz ausgeführt sind. Doch eines sticht ins Auge: Sie wirken weniger wie nachträglich hinzugefügte Möbel als vielmehr wie Bestandteile der Architektur. Stauraum wird weitgehend integriert und tritt optisch zurück. „Gefertigt wurden die Möbel aus heller Eiche-Echtholz, kombiniert mit Schleiflack-Fronten in Sandgrau. Die Küchenarbeitsplatte sowie verschiedene Kaminverkleidungen wurden in Taj Mahal Naturstein ausgeführt.“

Konturen und Licht
Diese Zurückhaltung und Schlichtheit zeigt sich auch in der Farbgebung. Helle Weiß-, Beige- und Naturtöne bilden die Basis, ergänzt durch unterschiedliche Graunuancen und einzelne dunklere Elemente. „Besonders wichtig war uns, die Räume nicht zu überladen, sondern ein luftiges und ruhiges Ambiente zu schaffen. Materialien, Farben und Formen wurden bewusst aufeinander abgestimmt, um ein Zuhause mit Wohnlichkeit, Langlebigkeit und zeitlosem Design zu gestalten.“ Im Wohnbereich kommt diese Leichtigkeit und Zartheit besonders zur Geltung. Ein großzügiges, hell bezogenes Sofa bildet zusammen mit Chaiselongue und Hocker eine offene Sitzlandschaft. Ein großflächiger Teppich fasst die Gruppe räumlich zusammen und bringt mit dezenten Blau- und Violettnuancen eine zusätzliche Farbschicht in den Raum. Filigrane Beistelltische und eine geschwungene Stehleuchte setzen dazu grafische Akzente. Vorhänge in einem warmen Naturton können den Außenbezug je nach Tageszeit zurücknehmen und schaffen dann eine geschützte Atmosphäre. „Ergänzend kamen gezielt eingesetzte Textilien zum Einsatz, die nicht nur für Wärme und Wohnlichkeit sorgen, sondern auch wesentlich zur akustischen Atmosphäre der Räume beitragen.“ Auch der Kamin ist nicht bloß funktionales Element, sondern Teil der gestalterischen Komposition. Die helle, klar gefasste Architektur des Feuerplatzes wird durch die naturfarbene Oberfläche des Taj Mahal Natursteins akzentuiert. Zu den großzügigen Fenstern, die die Natur zum Teil des Interieurs machen, bildet ein vertikal gegliedertes Regal aus Holz einen passenden Gegenpol. In die schmalen Felder ist eine indirekte Beleuchtung integriert. Sobald sie aktiviert wird, taucht sie die Wand in ein warmes, gemütliches Licht.

Treffpunkt Küche
Das Zentrum und Herzstück des Hauses bildet ganz klar die Küche, die mit vielen raffinierten Details sehr aufwendig gestaltet ist. Als soziale Drehscheibe ist sie nicht als abgeschlossener Arbeitsbereich konzipiert, sondern als integrativer Teil des gemeinschaftlichen Wohnens. Dabei bildet eine großzügige Insel den Mittelpunkt des Geschehens und fungiert als Arbeitsfläche ebenso wie als Treffpunkt der Familie zugleich. Helle Fronten und die steinerne Arbeitsfläche definieren den Küchenblock optisch klar, wenngleich er stets Teil des Ganzen bleibt. Die Aktionsfläche bleibt frei, da die angrenzenden Hochschränke Geräte integrieren und Stauraum bereithalten. Den gestalterischen Anschluss findet der Küchenblock in einer integrierten Sitzbank, die die die Küche um einen informellen Aufenthaltsbereich erweitert. Sie mündet schließlich in einer das Konzept abschließenden Wandvertäfelung rund um das Fenster. Dieser Platz, geschaffen zum Lesen, Sitzen oder für kurze Gespräche macht deutlich, dass die Küche nicht allein der Zubereitung von Speisen dient. Sie wird damit einmal mehr zum Ort des Zusammenseins.

Aus einem Guss
Auch im Bad und im Schlafbereich wird die zurückhaltende Gestaltung fortgeführt. Warme Holztöne treffen auf helle, textile Oberflächen und gedämpfte Nuancen. Die Räume wirken ruhig und konzentriert, Stauraum bleibt möglichst selbstverständlich im Hintergrund, stets versehen mit ausgeklügelten und praktischen Feinheiten. „Auch bei den Details entstand vieles aus unserer Hand: Bettanlagen, Polsterungen, Vorhänge, Waschtische und individuelle Möbel wurden von uns geplant und gefertigt.“ Gerade diese maßgeschneiderten Elemente verleihen den privaten Bereichen ihren individuellen Charakter. Das Haus am Attersee wird so zu einem Gesamtkonzept, das unterschiedliche Funktionen und Stimmungen zulässt, ohne dabei seine gestalterische Linie zu verlieren. Im Gegenteil: Für Anna Norz ist es „ein Projekt, bei dem Planung, Handwerk und Interior Design ineinandergreifen – alles aus einer Hand und mit einem durchgängigen Blick fürs Ganze.“
www.norz-interieur.at ■ ■
