Zum 130-jährigen Firmenjubiläum hat der Holzhaushersteller Baufritz nahe seinem Firmensitz in Erkheim im Unterallgäu eine experimentelle Kleinsiedlung eröffnet. Zum Projekt „The Lab“ gehören ein Wohnhaus aus dem Jahr 1927 und drei innerhalb eines Jahres entwickelte und errichtete Holzhäuser. Im laufenden Betrieb will das Unternehmen unter anderem Materialeinsatz, Energieverbrauch und Nutzung untersuchen.
„Wir wollen nicht nur über die Zukunft des Bauens sprechen, sondern Lösungen unter realen Bedingungen ausprobieren“, sagt Dagmar Fritz-Kramer, Geschäftsführerin von Baufritz in Erkheim. Ausgangspunkt war der Baufritz-Klimagipfel 2024. Das Grundstück stellte Andreas Heinzmann, Studiengangsleiter des Masters Holztechnik an der Technischen Hochschule Rosenheim, zur Verfügung.
Weniger Material, mehr Vorfertigung
Das „Super Ressourcenschonende Haus“, kurz SRSH, bietet auf rund 100 Quadratmetern Platz für eine vierköpfige Familie. Baufritz verzichtet dabei nach eigenen Angaben auf einen herkömmlichen Fußbodenaufbau und setzt statt klassischer Innenwände auf Raumteiler. Eine Luft-Luft-Wärmepumpe übernimmt das Heizen und Kühlen.

Erprobt werden außerdem alternative Holzarten und Werkstoffe: Pappel kommt für die Außenwandständer zum Einsatz, Birke unter anderem für Deckenkonstruktionen, Türen und Möbel. Die Innentüren besitzen einen Kern aus Moorpflanzen. Photovoltaikelemente für Wand und Dach sowie das Technikraummodul wurden bereits im Werk vorgefertigt.
Auch die Wassernutzung ist Teil des Versuchs. Eine Lösung von Hansgrohe soll Duschwasser als Grauwasser für die Toilettenspülung nutzbar machen. Eine weitere, von Roca eingebrachte Lösung verwendet dafür Handwaschwasser. Welche Einsparungen sich tatsächlich erzielen lassen, sollen die begleitenden Messungen und Analysen zeigen.
Wiederverwendung und Eigenleistung
Das gemeinsam mit dem Architekturkollektiv Supertecture entwickelte Haus „Superfritz“ setzt auf wiederverwendete Materialien. Das laut Unternehmen barrierefreie Gebäude ist rund 52 Quadratmeter groß und für ein bis zwei Personen ausgelegt. Seine Fassade besteht aus aufbereiteten Bierzeltbänken. Der Mahagonifußboden stammt aus einer Kirche in Füssen, die Badezimmerfliesen aus einem Restbestand des Schwimmbads Kaufbeuren.

Der dritte Neubau ist ein rund 65 Quadratmeter großes Ausbauhaus. Hier soll Eigenleistung helfen, die Baukosten zu beeinflussen. Nach Unternehmensangaben wurde die vorgefertigte, wetterfeste und abschließbare Gebäudehülle einschließlich Fenstern, Haustür und Treppe innerhalb von zwei Tagen montiert. Der Innenausbau kann anschließend selbst oder mit frei gewählten Fachbetrieben erfolgen. Konstruktiv ist das Ausbauhaus mit dem SRSH verwandt. Neben standardisierten Nadelhölzern wird Esche erprobt, unter anderem in einer Esche-Fichte-Massivholzdecke und bei einer Stockzarge.
Gemeinsame Energieversorgung und Pauschalmiete
Das Bestandsgebäude soll energetisch saniert werden. Geplant sind unter anderem eine vorgefertigte Fassadenlösung, neue Fenster sowie eine Aufdach- und Zwischensparrendämmung. Die ehemalige Garage wurde für gemeinschaftliche Nutzungen umgebaut und beherbergt unter anderem einen zentralen Technikraum und Abstellflächen. Photovoltaik, Ladeinfrastruktur sowie ein Eigenstrom- und Mieterstromkonzept sollen Bestand und Neubauten verbinden. Der tatsächliche Verbrauch wird im Betrieb erfasst und soll Erkenntnisse für die Weiterentwicklung liefern.
Zusätzlich erprobt Baufritz ein Pauschalmietmodell. Ein monatlicher Betrag soll neben der Wohnraumnutzung auch Wärme, Warmwasser, Haushaltsstrom, Wasser und übliche Betriebskosten umfassen. Vorgesehen ist zunächst eine Vertragsdauer von rund drei Jahren. Welche Leistungen tatsächlich enthalten sind und unter welchen Bedingungen sie gelten, soll vor Vertragsabschluss festgelegt werden. Konkrete Mietpreise nennt die Aussendung nicht.
