Das EU-kofinanzierte Projekt Indicate Life zieht nach zwei Jahren Bilanz. Das österreichische Projektkonsortium aus der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI), TU Graz, ATP sustain und einszueins architektur hat erstmals nationale Whole-Life-Carbon-Benchmarks für Gebäude entwickelt. Präsentiert werden die Ergebnisse am 13. Oktober 2026 bei einer Abschlussveranstaltung an der FHWien der WKW in Wien.
Grundlage der Untersuchung sind 67 österreichische Referenzgebäude. Analysiert wurden die Emissionen über den gesamten Gebäudelebenszyklus – von der Herstellung über den Betrieb bis zum Rückbau. Nach Angaben des Projektkonsortiums entfällt rund die Hälfte der dabei ermittelten Lebenszyklus-Emissionen auf den Gebäudebetrieb. Danach folgen die Emissionen aus der Herstellung.
Benchmarks als Basis für künftige Grenzwerte
Auf Basis der Untersuchung wurden die Gebäude auf einer Performance-Skala eingeordnet. Die Ergebnisse könnten künftig als Datengrundlage für die Entwicklung nationaler CO2-Grenzwerte im Gebäudesektor dienen. Hintergrund sind europäische regulatorische Vorgaben: Laut Projektkonsortium müssen die EU-Mitgliedstaaten 2027 nationale Roadmaps mit sinkenden Emissionsgrenzwerten vorlegen.
„Mit Indicate Life steht Österreich erstmals eine Datenbasis zur Verfügung, mit der sich realistische, wissenschaftlich fundierte Grenzwerte für den CO2-Fußabdruck von Gebäuden entwickeln lassen. Das ist gerade jetzt entscheidend, da die EU-Mitgliedstaaten bereits 2027 nationale Roadmaps mit sinkenden Emissionsgrenzwerten vorlegen müssen“, sagt Peter Engert, Geschäftsführer der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft in Wien.
Ergebnisse werden in Wien diskutiert
Bei der Abschlussveranstaltung sollen die österreichischen Ergebnisse auch im europäischen regulatorischen und praktischen Kontext diskutiert werden. Lisa Graaf vom Buildings Performance Institute Europe (BPIE) gibt einen Überblick über die aktuelle EU-Regulatorik. Alexander Passer von der TU Graz stellt die österreichischen Benchmark- und Hotspot-Ergebnisse vor. ATP sustain thematisiert Herausforderungen aus der Planungspraxis, während Markus Pendlmayr von einszueins architektur Erfahrungen aus konkreten Bauprojekten einbringt.
Teil des Programms sind zudem vier moderierte Kleingruppendiskussionen. Im Mittelpunkt stehen Daten, Ausbildung, Verantwortlichkeiten sowie Prozesse und Herausforderungen in der Praxis. Die Ergebnisse sollen anschließend in eine Paneldiskussion einfließen. Daran nehmen laut Veranstalter Carmen Dilch von der FHWien der WKW, Hannes Warmuth vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur sowie Katharina Kothmiller von co-form teil.