Albert Raich war schon als Kind am liebsten bei seinem Vater in der Werkstatt, wo dieser mit einfachen Mitteln Dinge reparierte, verbesserte oder neu baute: „Probiera gilt, hat er immer gemeint, mich damit fasziniert und zweifellos geprägt.“ Heute steht Raich selber mit seinen Kindern in der Werkstatt seines kleinen Familienbetriebes: „Wir leben für neue Herausforderungen und spannende Projekte, probieren gerne Neues und werken mit Leidenschaft“, so der heute 46-jährige Vorarlberger, der in Sachen Berufsleben einen (fast) klassischen Weg gegangen ist: Nach der dreijährigen Tischlerlehre und einer längeren Anstellung in einer Tischlerei zog es Raich kurz „auf Saison“, bald kehrte er aber zu seinen beruflichen Wurzeln zurück: „Ich habe einen Betrieb gefunden, in dem ich mich im CNC-Bereich weiterbilden, spezialisieren und diesen schließlich in leitender Funktion übernehmen konnte. Das hat sehr gut gepasst, denn es hat mich immer schon fasziniert, was mit modernen Maschinen alles möglich ist.“

Ein Riesenspektrum

Im Oktober 2019 folgte dann als nächster logischer Schritt die Selbständigkeit und die Gründung von „holzraich“. Der Betrieb ist aktuell in einer Co-Working-Werkstatt in Doren im nördlichen Bregenzerwald, in der noch zwei weitere Tischler arbeiten, eingemietet. „Dieses System funktioniert für mich sehr gut. Ich bin alleine, doch nicht ganz: Ich nütze das Netzwerk in der Werkstatt und jene Kontakte, die ich mir über die Jahre aufgebaut habe. Und natürlich trägt auch die Familie meinen Ansatz mit“, erzählt Albert Raich, der auch an dieser Arbeitsweise festhalten will: „Durch die CNC-Lohnfertigung, die ich hauptsächlich für Tischlereien und zudem für Architekten, Designer und andere Handwerker wie Schlosser oder Baumeister durchführe, muss ich sehr flexibel sein. Eine Zeit geht es richtig rund, dann ist es wieder etwas ruhiger. Außerdem ist das Thema sehr komplex – das Spektrum reicht von der Planung, der 3D-Zeichung über die Programmierung bis hin zur Fertigung von Prototypen, Freiformteilen, Landschaftsmodellen, Schalungselementen, Gravuren, Kleinserien und vielem mehr. Da ist es schwierig, jemanden zu finden, der all das abdecken kann.“

Werbung
MAFELL Ziegel-Anreiß-System ZAS: exakt, einfach und sauber
MAFELL hat das weltweit erste Anreißsystem für Dachziegel mit einer App entwickelt. Das Ziegel-Anreiß-System ZAS spart Zeit beim Messen, Zuschneiden und Verlegen und erhöht die Sicherheit.

Zwei Standbeine

Als zweites Standbein kam mit dem Laufe der Zeit (wieder) der klassische Tischlermöbelbau mit dem Fokus Massivholz dazu: „Regionalität und Nachhaltigkeit sind mir wichtig. Und da ich das Holz quasi vor der Nase habe, ist es für mich relativ einfach, auf die regionale Holzbeschaffung zu setzen.“ In Sachen Projekten nimmt Raich, „alles an, was an spannenden und schönen Arbeiten auf uns zukommt – vom einzelnen Tisch bis zur kompletten Küche“.

Skepsis genommen

Oder eben auch ein massives Holzwaschbecken in Eiche mit einer kleinen Schublade in Ahorn, das er vor Kurzem für die Praxis einer Physiotherapeutin anfertigte. Dieses verbindet beide Spezialisierungen auf besonders schöne Weise und „kommt sehr gut an, auch in den sozialen Medien. Wir haben hier offensichtlich einen Nerv getroffen“, freut sich Raich über viel positives Feedback. Auch durch die Nutzerin, die anfangs gegenüber einem „Holz-Einsatz“ im Bad nicht ganz frei von Skepsis war. Diese nahm Raich der Kundin u.a. durch ein Anschauungsobjekt im eigenen Heim, das bereits seit zehn Jahren im Einsatz ist und „immer noch wie neu ausschaut“. Die naturverbundene Kundin war sofort „Feuer und Flamme und begeistert von der Idee, ebenso wie von der Form und der Farbe“.

Pflege macht den Unterschied

Holz im Nassbereich habe überhaupt zu Unrecht einen schlechten Ruf, so der Tischler: „Bei entsprechender Verarbeitung und Pflege hat man mit Holzmöbeln im Bad lange Freude, sie sind eigentlich sehr dankbar. Und am Ende des Lebenszyklus kann man das Material immer noch sinnvoll verwenden – im Gegensatz zu Keramik oder Kunststoff, da bleibt nur das Wegwerfen.“ Im konkreten Fall ist die Oberfläche des Waschbeckens aus Eichenholz mit einem dunkel eingefärbten Öl von Rubio Monocoat eingelassen, dadurch ergibt sich neben der Schutzfunktion ein interessanter optischer Kontrast zu der hellen Umgebung. www.holzraich.at ■

Hingucker im Bad: Für eine Physiotherapiepraxis plante und fertigte Albert Raich ein massives Waschbecken in Eiche mit einer kleinen Schublade in Ahorn massiv. Die Oberfläche ist dunkel geölt und bildet einen schönen Kontrast zu der hellen Umgebung. © Holzraich
© Holzraich
© Holzraich
© Holzraich
Holzraich setzt erfolgreich auf zwei Standbeine: Das ist zum einen die CNC-Auftragsfertigung, zum anderen der Möbelbau mit Fokus auf Massivholz. © Holzraich
© Holzraich