Seit Beginn versteht sich das Lignorama als Erlebnisraum für alle: Dieser vermittelt Fachinformationen und alles Wissenswerte über das Thema Holz, Biologie und Umweltschutz und thematisiert die Abhängigkeit des Menschen von der Natur durch interaktive, kreative und kurzweilige Unterhaltung. Der Verein sieht es darüber hinaus als seine Aufgabe, aktuell und zukunftsorientiert zu agieren und das Bewusstsein in der Gesellschaft für Kunst, Kreativität und Natur zu fördern.

Persönliches Engagement

Dafür, dass all diese Ziele auch umgesetzt werden, ist zu einem wesentlichen Teil Museumsleiterin Cornelia Schlosser verantwortlich. Die studierte Kunsthistorikerin „mit einer tiefen Verbindung zu Bäumen und Pflanzen“ – auch geprägt durch ihr Aufwachsen und Leben auf einem Bauernhof – ist seit 2013 im Lignorama tätig, 2020 hat sie dessen Leitung übernommen. „Ich sehe meine Aufgabe darin, Wissen auf interessante und spannende Art und Weise zu vermitteln“, so Schlosser und legt ihrer Philosophie ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe zugrunde: „Man erblickt nur, was man schon weiß und versteht.“ Das bedeutet, dass „wir nur das lieben und schützen können, was wir wissen bzw. kennen. Daher ist es äußerst wichtig, über Pflanzen, Bäume und andere Lebewesen im Ökosystem Wald und deren für den Menschen lebensnotwendige Bedeutung Bescheid zu wissen“, so Schlosser, die den Bogen bis zu hochwertigen Möbeln spannt: Auch solche können nur mit dem Wissen gewürdigt werden, welche (aufwendigen) Schritte bis zu dessen Fertigstellung gesetzt werden und welches Knowhow dahinter steckt.

Werbung
MAFELL Ziegel-Anreiß-System ZAS: exakt, einfach und sauber
MAFELL hat das weltweit erste Anreißsystem für Dachziegel mit einer App entwickelt. Das Ziegel-Anreiß-System ZAS spart Zeit beim Messen, Zuschneiden und Verlegen und erhöht die Sicherheit.

Tischler Journal: Frau Schlosser, wer waren die treibenden Kräfte hinter der Gründung des Lignorama?

Cornelia Schlosser: Die treibende Kraft hinter Verein und Museum war Hermann Haslauer, damaliger Geschäftsführer des Werkzeugherstellers Leitz in Riedau. Er hegte bereits seit Jahren den Gedanken, ein Museum zu errichten, um die Tradition des Holzhandwerks lebendig zu erhalten und zukunftsweisende Möglichkeiten aufzuzeigen. Das Lignorama sollte „den Kunden der Kunden Lust aufs Holz machen“ und all die Hintergründe rund um den Werkstoff verstärkt ins öffentliche Bewusstsein rücken.

Und wie kam es zu dem Standort für das Holz- und Werkzeugmuseum?

Mit der ehemaligen Hofmühle – einer Sägemühle, in der man wahlweise Getreide mahlen oder Holz sägen konnte – fand sich eine ideale Heimat für das Museum. Die Location ist zentral mitten im Ortszentrum gelegen und bietet eine direkte Verbindung zum Gegenstand des Museums – Holz in all seinen Facetten. Ebenso besonders ist der zweite Gebäudeteil neben der alten Säge: Den Gründervätern gelang es, den bei den Winterspielen 1998 in Japan als Österreichhaus eingesetzten Holzbau für Riedau zu erwerben.

Wie haben sich die Ziele und das Angebot im Laufe der Jahre verändert?

Wir fungieren damals wie heute als lokales kulturelles Zentrum mit niederschwelligen Vermittlungsangeboten, Vorträgen und Konzerten, die Gewichtung hat sich allerdings verschoben. Am Anfang stand die Werkzeugherstellung stärker im Fokus, im Laufe der Zeit wurde der Themenkreis erweitert und das Ausstellungsangebot adaptiert. Neben der Dauerstellung bieten wir pro Jahr vier Sonderausstellungen an. So bleiben wir am Puls der Zeit und auch für Stammgäste immer wieder aufs Neue interessant.

Welche Ausstellungen kommen besonders gut an?

Ein besonderer Anziehungspunkt im Jahreskreis ist die Tischlermeistergalerie. Im deren Rahmen werden jeden Herbst die besten Tischlermeisterstücke des Landes ausgestellt und prämiert. Ich lade alle Interessierten herzlich ein, uns zwischen 4. September und 8. November zu besuchen und die erlesenen Stücke zu bewundern. Die feierliche Prämierung der Siegerinnen und Sieger findet am 9. Oktober statt.

Über die Jahre waren die Ausstellung „Drehmomente“ mit Werken von Kunst-Drechsler Ernst Gamperl, jene mit Nachbauten der Konstruktionen Leonardo da Vincis, die Schauen „Bienen, Bestäuber der Welt“ sowie „Wald und Gesundheit“ sehr erfolgreich.

Im Sommer 2026 widmete sich die Sonderausstellung den „wohl am meisten unterschätzten Lebewesen“, den Pilzen. Es hat mich selbst überrascht, wie eng die Verschränkung ist – heimische Bäume können ohne Pilze nicht optimal wachsen.

Welche sind die Zielgruppen des Lignorama?

Wir sprechen mit unserem abwechslungsreichen Programm ein breites Spektrum an Zielgruppen aller Generationen an. Es gibt spezielle Vermittlungsangebote für Kindergartengruppen und Schulklassen, vertiefende Kurse, Parkführungen, ein dauerhaftes Aktivprogramm, wo (nicht nur junge) Besucher*innen sägen, hobeln und „hoazeln“, können. Das kommt sehr gut an, ebenso wie unser „Holzspektakel“, für das über 10.000 Holzbausteine zur Verfügung stehen.

Was steht für die Zukunft an?

Kurz gesagt: Das Ziel, Erlebnisraum und Plattform zu sein, bleibt gleich – nur die Wege müssen sich ändern, um als Museum weiterhin attraktiv zu bleiben. Vor allem die große Thematik Klimawandel ist eine, der wir verstärkt Rechnung tragen wollen – denn daran besteht zweifellos ein großes Interesse. www.lignorama.com ■

Im Rahmen der beliebten Tischlermeistergalerie werden auch heuer wieder die besten Meisterstücke des Landes präsentiert. Zu sehen sind die vierzehn Exponate zwischen 4. September und 8. November 2026, die feierliche Prämierung der Sieger*innen findet am 9. Oktober statt (im Bild Vorjahressieger Robert Vrhovac mit seinem Siegermöbel „GeoGent“). © Rudi Aigner