Betonpumpen als Teil integrierter Baustellenlogistik
Betonpumpen zählen zu den unverzichtbaren Maschinen auf Baustellen. Doch während sie lange Zeit vor allem als leistungsstarke Förderaggregate wahrgenommen wurden, rücken sie heute zunehmend ins Zentrum strategischer Überlegungen.
Betonpumpen zählen zu den Maschinen, deren Bedeutung im Baustellenalltag nicht selten komplett unterschätzt wird. Solange sie reibungslos funktionieren. Werden aber die Platzverhältnisse eng, steigen die Taktzeiten oder muss der Beton unter anspruchsvollen Bedingungen eingebracht werden, dann zeigt sich schnell, welchen Einfluss die Pumpentechnik auf Produktivität, Qualität und Kosten hat. In Österreich ist der Markt für Betonpumpen seit Jahren weitgehend stabil, gleichzeitig aber von zunehmender Differenzierung geprägt. Technische Weiterentwicklungen sowie steigende Anforderungen an die Effizienz verändern das Einsatzbild der Pumpen aber spürbar.
Dabei gewinnen gerade in Österreich unter anderem kompaktere Maschinen und spezialisierte Lösungen zunehmend an Bedeutung. Szenarien wie enge Baustellen, eingeschränkte Zufahrten und hohe logistische Anforderungen benötigen flexiblere Pumpenkonzepte, die sich an wechselnde Einsatzbedingungen anpassen lassen. Den wachsenden Anforderungen kommen die Hersteller gerne nach und bieten Lösungen, die hier ansetzen. So bieten Hersteller wie Liebherr, Putzmeister und Schwing Stetter ein breites Angebotsportfolio und setzen technologische Standards. Ergänzt wird dieses Angebot durch heimische Vertriebs- und Serviceunternehmen wie Hittmayr, ITB, Klein oder Eibinger, die Maschinen konfigurieren, betreuen und an die Anforderungen heimischer Baustellen anpassen.
Technisch hat sich die Betonpumpentechnik in den vergangenen Jahren weniger revolutionär als vielmehr konsequent weiterentwickelt. Förderleistungen, Reichweiten und Mastgeometrien bewegen sich auf hohem Niveau, entscheidend ist jedoch zunehmend die Frage, wie zuverlässig diese Leistung über viele Betriebsstunden hinweg abrufbar ist. Verschleißverhalten, Wartungszugänglichkeit und die Auslegung der Hydraulik steh für Anwender*innen stärker im Fokus als reine Maximalwerte. Integrierte Antriebskonzepte sollen Pumpen gleichmäßiger, energieeffizienter und langlebiger zu machen.
Digitalisierte Maschinen
Zudem kommen Telematik, IoT-Sensoren und cloudbasierte Flottenmanagement-Systeme. Liebherr arbeitet beispielsweise mit seinem „Powerbloc“-System und zugehörigen Steuerungslösungen, die Betriebsdaten erfassen und auswerten. Auch Schwing Stetter bietet entsprechende Systeme an.
Für große Dienstleister mit umfangreichen Flotten versprechen digitale Systeme gleich mehrere Vorteile, etwa bessere Auslastungsplanung, vorausschauende Wartung und Transparenz über den Maschinenzustand. Für kleinere Unternehmen liegen die Hürden zumeist höher, die Systeme sind nicht selten komplex in der Handhabung, erfordern daher Schulungen und produzieren zudem Datenmengen, deren Auswertung zeitaufwendig ist. Hinzu kommen Bedenken bezüglich Datensicherheit und -hoheit. Ein wichtiger Faktor ist bei solchen Systemen auch die Bedienfreundlichkeit. So sind Touchscreen-Steuerungen gerade auf staubigen, nassen Baustellen anfällig für Verschmutzung und Beschädigung.
Auch Elektromobilität steht nach wie vor im Fokus der Hersteller. Volvo und Putzmeister präsentierten im vergangenen Jahr auf der Fachmesse „Bauma“ eine vollelektrische Autobetonpumpe mit 42 Meter Reichhöhe. Die Maschine basiert auf einem „Volvo FM 8×4 Electric“ mit 330 kW Dauerleistung und 250 kWh nutzbarer Batteriekapazität. Schwing Stetter präsentierte, ebenfalls auf der Bauma, mit der „S 36 X RaZor electric“ eine vollelektrische Autobetonpumpe, entwickelt in Zusammenarbeit mit XCMG.
Die Praxistauglichkeit für den österreichischen Markt ist aber nur bedingt gegeben. Die Reichweite elektrischer Fahrzeuge liegt im Baustellenbetrieb bei etwa 25 Kilometer, danach muss geladen werden. Für urbane Projekte in Wien oder Graz mit kurzen Anfahrtswegen durchaus tragbar, für Baustellen in alpinen Regionen oder im ländlichen Raum, wo längere Transportwege üblich sind, allerdings keine Option. Dazu kommt ein weiteres Problem – die Ladeinfrastruktur auf Baustellen. Denn es kann während eines Pumpvorgangs zwar grundsätzlich nachgeladen werden, doch dafür muss eine entsprechende Stromversorgung vorhanden sein. Die Anschaffungskosten elektrischer Betonpumpen liegen zudem deutlich über konventionellen Maschinen.
Einsatz in Gebäuden
Moderne Autobetonpumpen-Systeme erreichen mittlerweile Förderhöhen von über 50 Metern und Förderleistungen von 170 bis 200 Kubikmetern pro Stunde. Liebherr bietet mit der „42 M5 XXT“ und der „31 XXT“ kompakte Lösungen für unterschiedliche Einsatzbereiche. Letztere verfügt beispielsweise über eine spezielle LiDriveIn-Funktion, die das Einfahren in Gebäude mit nur 5,4 Metern Ausfalthöhe ermöglicht.
Hittmayr vertreibt CIFA-Betonpumpen in verschiedenen Serien – von der „Steeltech“-Linie mit Feinkornstahl-Masten bis zur High-End „Carbotech“-Serie mit Kohlefaser-Verbundmaterial. Die „CIFA K36L-5“, eine fünfarmige Pumpe mit 360-Grad-Rotation am letzten Arm, wurde speziell für den Einsatz in Gebäuden konzipiert. Solche Speziallösungen haben ihren Preis, bieten aber bei entsprechenden Projekten echte Vorteile.
Mehr Elektronik bedeutet allerdings auch mehr potenzielle Fehlerquellen. Hydraulische Systeme müssen regelmäßig gewartet werden, Sensoren können ausfallen, Software braucht Updates. Ältere, mechanisch dominierte Betonpumpen sind häufig robuster und leichter zu reparieren.
Problemfaktor Fachkräftemangel
Doch alle technischen Innovationen nützen wenig, wenn qualifiziertes Personal fehlt. Der Mangel an Betonpumpenbediener*innen wird sich verschärfen, prophezeien Branchenkenner. Die Arbeit ist körperlich anspruchsvoll, die Arbeitszeiten oft unregelmäßig, die Entlohnung für junge Menschen nicht attraktiv genug, um in Konkurrenz zu anderen Branchen zu bestehen.
Hersteller und Dienstleister bieten zwar Schulungen an, doch die Ausbildungsdauer ist lang. Erfahrene Bediener*innen brauchen Jahre, um alle Situationen sicher zu meistern. ITB und andere Anbieter setzen zwar auf einfachere Bedienung und Funkfernsteuerungen, doch am Grundproblem, dem fehlenden Nachwuchs, ändert dies nichts. Und auch im Service gibt es Engpässe. Servicetechniker*innen für moderne Betonpumpen benötigen sowohl mechanisches als auch elektronisches Know-how. Die Branche konkurriert zudem mit üblicherweise besser zahlenden Branchen, etwa der Industrie.
Im Bereich der Arbeitssicherheit hat sich indes einiges getan. Moderne Abstützsysteme mit elektronischer Überwachung verhindern Überlasten, Kamerasysteme erhöhen die Sicht, Fernsteuerungen halten Bediener*innen aus Gefahrenbereichen fern. Allerdings entstehen durch die zunehmende Komplexität auch neue Risiken. Softwarefehler können zu Fehlfunktionen führen. Bediener*innen verlassen sich immer stärker auf Assistenzsysteme und können dadurch das Gefühl für kritische Situationen verlieren. Gerade hier ist daher die Schulung entscheidend. Doch in Zeiten des Fachkräftemangels wird sich nur selten ausreichend Zeit für gründliche Einweisungen genommen. Unerfahrene Bediener*innen sind bei hochkomplexen Maschinen aber ein Sicherheitsrisiko, egal wie viele Assistenzsysteme verbaut sind.
Neben der Technik selbst spielt aber auch der Service eine immer wichtigere Rolle. Betonpumpen sind komplexe Maschinen, deren Ausfall direkte Auswirkungen auf den Bauablauf hat. Kurze Reaktionszeiten, gut ausgestattete Serviceteams und eine gesicherte Ersatzteilversorgung sind für Käufer*innen heute zentrale Entscheidungskriterien.
Herausforderung Kompaktheit

Wenn Platz zur Mangelware wird, schaffen kompakte Autobetonpumpen Abhilfe. Doch die technischen Anforderungen an diese Maschinen sind immens. So sind die Anforderungen von Haus aus widersprüchlich – kompakte Autobetonpumpen sollen möglichst klein sein, durch enge Innenstadtgassen manövrieren, in Hallen einfahren können. Gleichzeitig sollen die Maschinen ausreichend Leistung bieten. Aktuelle Modelle wie die Liebherr „24 XH“ oder die Schwing „S 24 X“ erreichen Ausfalthöhen von unter fünf Metern. Die Kompaktheit hat allerdings ihren Preis: Um die Ausfalthöhe zu minimieren, setzen Hersteller auf komplexe Faltmechanismen. Die Schwing „S 31 X“ teleskopiert während des Betriebs um bis zu 4,6 Meter. Solche Mechanismen sind wartungsintensiv und anfällig für Verschleiß. Mehr bewegliche Teile bedeuten mehr potenzielle Fehlerquellen.




