Die vor mehr als 180 Jahren im dritten Wiener Gemeindebezirk erbaute ehemalige Finanzlandesdirektion wurde generalsaniert. Die Dachlandschaft besteht aus einer Walmdachfläche, die im Firstbereich an eine rundumlaufende höhere Mauer stößt. Dadurch entsteht ein Innenbereich, der früher mit Stehfalzdeckungen gedeckt war. Der Dachbodenraum war weitgehend ungenutzt und sollte für eine spätere Nutzung entsprechend umgeplant werden. Das erforderte neben den Anforderungen an eine gedämmte und hinterlüftete Konstruktion auch die Schaffung von Öffnungen in der Dachfläche zur Belichtung und Belüftung darunter liegender Nutzflächen.
Beim Dachmaterial war man auf der Suche nach einem Werkstoff mit einer langen Nutzungsdauer und einer verhältnismäßig dunklen, möglichst wartungsarmen bzw. wartungsfreien Oberfläche. Zusätzlich sollten aus dem Material auch schindelförmige Dachdeckungen verfügbar sein, die schon bei Dachneigungen von weniger als 30° sicher eingesetzt werden können. Die Wahl fiel schließlich auf die Oberfläche „Rheinzink-prePatina Eco Zinc“ in Schiefergrau. Die Lötbarkeit des Werkstoffs war neben dem geringen CO2-Fußabdruck ein willkommener Zusatznutzen.

Dachaufbau und Hinterlüftungsführung
Es handelt sich um eine Leichtbauweise, bestehend aus einer Sparrenkonstruktion und einem zweischaligen Dachaufbau mit Unterdach auf der zweiten Schalungsebene. Bei schindelförmigen Dachdeckungen wird bei Neigungen mit weniger als 35° von Rheinzink empfohlen, zusätzlich mit einer bituminösen Trennlage in Gefällerichtung und der Strukturmatte „Air-Z“ zu arbeiten. Einerseits hat man durch die Bitumendachbahn insbesondere bei Sanierungen einen sehr guten Schutz der darunter befindlichen Bausubstanz – inklusive neuem Dachstuhl – und schont damit auch das neue Unterdach vor längeren direkten Beregnungs- und damit Belastungsphasen. Andererseits können durch diese zusätzliche Schicht bei extremen Witterungsverhältnissen später auch kleinste Wassereinträge, die über Einhangbereiche nicht zu 100 % ausgeschlossen werden können, sicher Richtung Traufe und in weiterer Folge in die Dachentwässerung eingeleitet werden. Die Dachdeckung selbst bleibt trotz Verwendung der Strukturmatte begehbar.
Damit die Hinterlüftung bei Walmdachflächen gut funktioniert, sollte man insbesondere bei größeren Sparrenlängen daran denken, dass die Flächen im Gratbereich ausreichend große Abluftöffnungen aufweisen. Froschmaulöffnungen haben zumeist nur sehr kleine Abluftquerschnitte und bieten wenig Sicherheit gegen Schlagregen- und Flugschneeeintrag. Daher entschied man sich für eine Lösung mit vertiefter Gratausbildung mit Abluftöffnung. Durch den Schrägverlauf der tiefer liegenden Abluftelemente wären sogar Spaltbreiten von weniger als 2 cm ausreichend, um die normgerechte Forderung von 50 % des Hinterlüftungsquerschnitts als Mindestabluftquerschnitt zu erfüllen. Diese Form der Abluftöffnungsausbildung ist eine gute Ergänzung zu den Halbfirstlüftungen im Bereich der firstnahe gelegenen aufgehenden Wände. Durch einen stetigen Luftzug kann die Temperatur im Hinterlüftungsbereich auf verhältnismäßig niedrigem Niveau gehalten werden. Insbesondere in den Sommermonaten mit langen Hitzeperioden kann damit einer Wärmeweiterleitung an innenliegende Konstruktionen aktiv entgegengewirkt werden.



Einlegerinnen statt vorgehängter Rinnen
Die Dachentwässerung im Bestand war noch eine vorgehängte Rinne, die oberhalb einer mehr oder weniger breiten Winkelsaumdeckung lag.. Um zukünftige Starkregenereignissen besser aufnehmen und sicher ableiten zu können, hat man beschlossen, statt einer vorgehängten Rinne eine rundumlaufende Einlegerinne auszuführen, die mit einer mindestens 3 cm niedrigeren Rinnenaußenkante konzipiert wurde. Damit ist sichergestellt, dass selbst im Fall von verunreinigten/verlegten Abläufen Regenwasser jederzeit sicher über die Rinnenvorderkante ablaufen und damit vom Gebäudeinneren ferngehalten werden kann. Die Einlegerinnen wurden mit Sicherheitsrinnen ausgeführt, die nach kurzer Montagezeit insbesondere in der Bauphase größere Regenereignisse über die Bestandskanäle sicher ableiten konnten.

Flach eingebaute Portale
Der Wunsch des Bundesdenkmalamts war, die länglichen Portalverglasungen möglichst flach in die Konstruktion zu setzen und auf die Ausbildung eines seitlichen Stehfalzes zur besseren Wasserableitung zu verzichten. Da sich auf Grund der geringen Breite der Portale der Wasseranfall bei den Nackenblechen in Grenzen hält, wurde gemeinsam mit dem Architekturbüro Wehofer und dem ausführenden Spenglerbetrieb Hartmut Köck Gesellschaft m.b.H. eine Lösung entwickelt, wo im Bereich der Seitenteile mit einer Überdeckung der Dachdeckung gearbeitet wurde und man dadurch auf einen Stehfalz verzichten konnte. Zusätzlich hat die vom Seitenteil überdeckte Rautendeckung eine Rückkantung, ähnlich einem Wasserfalz, erhalten, um in dem Bereich eine Hinterwanderung von Niederschlagswasser und einer damit einhergehenden Belastung des Unterdaches so gut wie möglich zu vermeiden.


Generell wurde beim Anschluss an die Portale darauf geachtet, dass das geklemmte Anschlussprofil rundumlaufend vom Portalbaubetrieb mitgeliefert und der Spengler sie nur indirekt auf diesem befestigt hat.


Im Zuge der Umsetzung wurde leider übersehen, dass seitens des Portalbaubetriebs die regensichere Anbindung mit einer herkömmlichen diffusionsoffenen Unterdachbahn ausgeführt wurde und nicht die Bitumendachbahn, insbesondere im Nackenbereich, an die Winkel vom Portalbaubetrieb angeschlossen wurde. Auch dafür hatte man eine Lösung parat. Gemeinsam mit Ing. Andreas Fruhmann, dem Bauleiter der Hartmut Köck Gesellschaft m.b.H., wurde ein Detail entwickelt, damit oberhalb vom Nackenblech auf der Ebene der Bitumendachbahn anfallende Wassermengen gleich direkt auf die Ebene der Metalleinfassung vom Nackenblech geleitet werden und das Nackenblech nicht unterwandern.
Fazit
Der Aufwand im Sanierungsbereich ist nicht zu unterschätzen, am Ende des Tages gibt es aber für alles eine Lösung. Grundvoraussetzung ist ein Miteinander auf der Baustelle, was bei diesem Projekt angefangen von der Planung durch das Architekturbüro Wehofer, über den Generalunternehmer Pittel-Brausewetter bis zur Umsetzung durch den Handwerksbetrieb Hartmut Köck Gesellschaft m.b.H. sehr gut funktioniert hat. Meine Bitte: Lasst uns auf den Baustellen wieder mehr miteinander reden und nicht gegeneinander Mails mit Schuldzuweisungen schreiben.
(bt)