BIRGIT TEGTBAUER: Wie läuft das Jahr 2026 bisher für Prefa? Welchen Einfluss haben aktuelle weltpolitische Geschehnisse auf die Materialpreise und Verfügbarkeiten von Aluminium? Bremst der Nahostkonflikt die Wirtschaft und Baukonjunktur wieder aus? 

LEOPOLD PASQUALI: Das Jahr 2026 läuft für Prefa bisweilen gut, sogar sehr gut. Wir liegen, nachdem wir die letzten Jahre schon zunehmend gewachsen sind, auch dieses Jahr im zweistelligen Prozentbereich. Wieder zweistellig gegenüber dem Vorjahr über die gesamte Unternehmensgruppe und über alle Produktgruppen hinweg. Auch in Österreich liegen wir wieder deutlich über dem Vorjahr.  Aber ich denke, die weltpolitischen Geschehen haben große Auswirkung auf die Bautätigkeit. Die Bauproduktion in Österreich ist im Jahr 2026 nochmal drei Prozent rückläufig gegenüber dem Jahr 2025, und die Schwächephase des Baugewerbes hält eigentlich schon seit dem Jahr 2023 an. Prefa entwickelt sich deswegen so gut gegen den Markt, weil wir immer noch sehr stark davon profitieren, dass das Geschäft sich deutlich vom Neubau in die Sanierung verschiebt und wir hier sehr gut positioniert sind mit unseren Produkten. Davon profitieren wir. Aber die gesamte Entwicklung ist besorgniserregend. Auch die Sanierungsquote liegt deutlich unter den Erwartungen. 
Die Verfügbarkeit von Aluminium ist nach wie vor gut gegeben, allerdings können wir das immer nur für die nächsten zwei bis drei Monate voraussehen. Auf die Materialpreise aber hat das längst schon massive Einflüsse und zwar in negativer Art und Weise. Die Preise für Aluminium sind seit Ausbruch des Krieges um 35 Prozent gestiegen und das allein in den letzten drei Monaten. Das hat natürlich auch intensive Auswirkungen auf unsere Produktpreise und zwingt uns, zumindest einen Teil dieser Preiserhöhungen auch weitergeben zu müssen. Diese Preisanstiege betreffen aber nicht nur Aluminium-Produkte, sie betreffen natürlich sämtliche Produkte, die Erdöl-basiert sind – ob Dämmung, Bitumen oder Kunststoffe – sie alle sind zum jetzigen Zeitpunkt ganz stark von diesem Konflikt in Form von Preisanstiegen betroffen.

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Heuer feiert das Prefa „Urprodukt“, die Dachplatte, ihr 80-jähriges Bestehen. Mit ihr wurde der Grundstein des Unternehmens gelegt. Erzählen Sie uns von der Geschichte der Prefa Dachplatte?

Leopold Pasquali, Geschäftsführer Prefa
Leopold Pasquali, Geschäftsführer Prefa © Prefa / Croce & Wir

Gern, eine spannende Geschichte! 80 Jahre, das ist schon eine große Zahl, die uns stolz macht und der Grundstein für den Erfolg dieses Unter-nehmens ist. Ursprünglich wurde die Dachplatte von dem Spenglermeister Alois Gödl erfunden. Das war schon eine ganz spannende Geschichte, weil für eine Berghütte im alpinen Bereich eine dauerhafte, wetterresistente Eindeckung gesucht wurde. Nachdem viele andere Eindeckungen dort versagt haben, hat Spengler Alois Gödl 1946 aus einem Aluminiumblech die Dachplatte entwickelt. Sie war also die Idee und Entwicklung eines Handwerkers. Prefa gab es damals noch nicht, aber die Firma Fried von Neumann. Die Neumann Walzwerke waren damals der Lieferant des Spenglers und haben aus Aluminium die ersten Dachplatte entwickelt.  
In der Nachkriegszeit der 1960er, 1970er und 1980er Jahre hat die Prefa Dachplatte dann als Sanierungsprodukt seinen Erfolg gefeiert und sich ausgezeichnet. Die Dachplatte ist also ein wichtiger Teil der Geschichte des Unternehmens und der Beginn der Entwicklung weiterer Aluminiumprodukte. Sie hat den Grundstein für den Erfolg von Prefa in Österreich gelegt – und natürlich für unseren internationalen Erfolg. 
Wir blicken aber nicht nur zurück, sondern vor allem in die Zukunft und werden immer weiter relevante Produkte entwickeln. Unsere Verantwortung und Verpflichtung ist es, nach vorne zu schauen und bestmögliche Lösungen zu entwickeln.

Prefa steht also seit acht Jahrzehnten für Dachlösungen aus Aluminium – wie verändert die aktuelle Energiewende die strategische Ausrichtung des Unternehmens?

Die Wende, die ja schon seit einigen Jahren im Gange ist, fördert die strategische Ausrichtung unseres Unternehmens, da wir immer schon hundertprozentig davon überzeugt sind, dass wir mit dem Werkstoff Aluminium ein zukunftsfähiges Material ausgewählt haben, das aufgrund seiner Recyclingmöglichkeit nahezu unendlich oft recycelt werden kann und das gleichzeitig mit einem relativ kleinen CO2-Fußabdruck hergestellt wird. Der Werkstoff Aluminium ist nachhaltig und langlebig und leistet einen riesengroßen Umweltbeitrag, da die Bauprodukte auch wirklich lange im Kreislauf bleiben und wieder verbaut werden. Insofern gehen Energiewende und die strategische Ausrichtung des Unternehmens Hand in Hand.

Bleiben wir beim Thema Energiewende. Bei der Präsentation der Prefa Solardachplatte haben Sie von einem „Solar-Jahrzehnt“ gesprochen. Wie haben sich die Integration von Photovoltaik und der Vertrieb der Solardachplatte seither entwickelt?

Die Prefa Solardachplatte ist mittlerweile ein wichtiger Bestandteil unseres Produktportfolios. Und ja, es ist ein Solar-Jahrzehnt, auch weil die Jahre 2023, 2024 und 2025 die drei erfolgreichsten Jahre in der Geschichte der Photovoltaik waren. Der PV-Zubau in den diesen drei Jahren war um ein Vielfaches höher als alles was davor je gebaut wurde. Die letzten beiden Jahre waren leider trotzdem wieder etwas rückläufig aufgrund der Unsicherheit über Einspeisetarife, Netzentgelte, über Pflichten im Neubau, Förderungen oder Steuerentlastungen, da es ein gewisses politisches Hin und her gab. Aber wir gehen davon aus, dass die Photovoltaik in der Gebäudehülle weiterhin eine wesentliche Rolle spielen wird. 

„Kein Handwerksbetrieb, der am Dach tätig ist, sollte das Thema Photovoltaik ignorieren. Denn nur das geschulte Dachhandwerk ist in der Lage, eine fehlerfreie, fachgerechte Montage durchführen zu können.“
Leopold Pasquali, Geschäftsführer Prefa

Was würde es brauchen, um die Implementierung von Photovoltaik weiter voranzutreiben – politisch und beim Dachhandwerk?

Unsere angestammten Kunden, mit denen wir groß geworden sind, unsere Spengler und Dachdecker, haben immer noch eine große Zurückhaltung, sich mit dem Thema Photovoltaik zu beschäftigen, das ist schade. Ich halte es für ein wichtiges Zukunftsfeld, das eigentlich kein Handwerksbetrieb, der am Dach tätig ist, ignorieren dürfte. Aber es ist eine Tatsache, dass es uns nur zum Teil gelingt, unsere Kunden für diese Produkte und das Thema Photovoltaik zu begeistern. Das Interesse nimmt zwar zu, aber es ist ein langsamer Entwicklungsprozess. Ich bin der Meinung, dass es notwendig wäre, das Dachhandwerk stärker für Solarprodukte zu motivieren und zu begeistern, denn nur das geschulte Dachhandwerk ist in der Lage, eine fehlerfreie, fachgerechte Montage durchführen zu können. 
Ich würde mir auch wünschen, dass es aus politischer Sicht etwas schneller voranschreitet. Ich glaube, dass die vielen verschiedenen Förderungen, die es in Österreich gibt und gab, letztlich leider immer dazu führen, dass die Menschen die Produkte kaufen oder sich auf jene Investitionen stützen, die am meisten gefördert sind und nicht das zuerst tun, was eigentlich am dringendsten nötig wäre. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass die aktuelle Förderkultur in Österreich ein Ende nimmt und sämtliche Bereiche und Produkte gleichbehandelt werden. 

Welche Rolle spielt Ästhetik bei PV-Lösungen – gerade im hochwertigen Wohnbau? Welche Produkte werden hier künftig gefragt sein? 

Die Ästhetik spielt unserer Meinung nach eine große Rolle. Unsere Produkte haben sich über die Jahre hinweg den ästhetischen Bedürfnissen unserer Konsumenten angepasst. So sind wir auch der Meinung, dass sämtliche PV-Lösungen auch einen wichtigen visuellen Beitrag liefern. Nicht nur im hochwertigen Wohnbau, sondern im Wohnbau ganz grundsätzlich. Wir haben uns auf diese Nische konzentriert und werden hier auch weiterarbeiten. 
Es gibt mittlerweile ganz viele wunderbare Möglichkeiten, Photovoltaik ästhetisch in die Gebäudehülle einzubinden. Und wir denken hier nicht mehr nur rein an die Anwendung am Dach, sondern vor allem auch an die Anwendung in der Fassade, wo das optische bzw. visuelle Bedürfnis noch stärker in den Vordergrund gestellt wird. Hier leisten wirklich schöne integrierte, farbgleiche Lösungen einen wesentlichen Beitrag die Fassade ansehnlich zu gestalten.

Wie verändert die Klimawende das Berufsbild des Spenglers bzw. Dachdeckers konkret?

Die Wettersituation wird immer extremer, und damit steigen nicht nur die Ansprüche an die Produkte, sondern auch an jene Fachkräfte, die diese verlegen. Es braucht ausgebildete Spengler und Dachdecker, die den klimatischen Veränderungen entgegenwirken können. Daher müssen Aus- und Weiterbildung im Lehrberuf und der Fachausbildung gefördert werden. Denn am Ende des Tages sind sie die einzigen, die in der Lage sind, die Produkte auch wirklich fachgerecht montieren zu können. Der Klimawandel ist ein noch größerer Auftrag an die Gesellschaft, das Handwerk entsprechend zu fördern.

Apropos Aus- und Weiterbildung: Mit der neuen Prefa Academy investieren Sie massiv in Ausbildung. Was ist die zentrale Idee hinter diesem Projekt?

Die Prefa Academy hat als ganz kleines, relativ überschaubares Schulungsformat in Österreich begonnen, das wir im Rahmen unserer Internationalisierung auf immer mehr Märkte und Länder ausgedehnt haben. Das sind heute 23 Märkte, in denen wir mit eigenen Vertriebsgesellschaften tätig sind. Und in all unseren Märkten betreiben wir eigene Akademien, weil die Aus- und Weiterbildung unserer Handwerker, unserer Kunden, für die Zukunft ganz wesentlich ist. Wir sind der Meinung, dass die Industrie da einen ganz wichtigen Beitrag leisten muss. Die Prefa Akademie bzw. unser neues Ausbildungszentrum, das wir am Stammhaus in Lilienfeld derzeit neu bauen und das hoffentlich bis Mitte 2027 fertig sein wird, wird das Leuchtturm-Projekt in der gesamten Prefa-Gruppe sein. Unsere zukünftige Akademie wird nicht nur rein auf das Handwerk bezogen sein, sondern wir sprechen auch die Zielgruppe der Architekten und Planer an. Wir wollen dort auch gezielt Lösungen für Bauherrn und private Endverbraucher anbieten. Die Akademie vereint in Zukunft Schulung und Weiterbildung, aber auch ein Stück weit Ausstellung, Erlebnis und Unterhaltung, um Prefa-Produkten einen möglichst ganzheitlichen Aspekt zu verleihen. 
Zudem haben wir begonnen, die „Spengler Plus“-Ausbildung aufzubauen. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag, dem Handwerk den nötigen Stellenwert zu geben und jungen Leuten die Möglichkeit zu bieten, in einem Industrieunternehmen in Partnerschaft mit Dachdecker- oder Spenglerbetrieben die „Spengler Plus“-Lehre zu absolvieren und sehr gut ausgebildet auf die Zukunft vorbereitet zu sein. 

Wenn Sie einem jungen Menschen heute zur Ausbildung im Dachhandwerk raten würden – was würden Sie sagen?

Ich würde es stark empfehlen und jungen Leuten, die Begeisterung für das Handwerk haben, zu einer Ausbildung in diesem Bereich raten. Man kann immer ein unmittelbares Ergebnis seiner eigenen Arbeit sehen und stolz darauf sein. Etwas, das man angreifen kann. Etwas, das physisch ist und das in der sonst so digitalen Welt eine gewisse Renaissance erfahren wird. Zudem sehe ich derzeit keine Technologie, die das Dachhandwerk ersetzen wird. Das Dachhandwerk hat eine sichere Zukunft, und deswegen glaube ich, dass es für junge Menschen eine sehr interessante Berufswahl ist, die vielseitig ist und sich immer weiterentwickelt. Also, ich kann nur jedem zu einer Ausbildung im Dachhandwerk raten.