Wolfgang Marka über die Lage im Geschäft:

Das Geschäft läuft etwa gleich gut oder schlecht wie im Vorjahr. Derzeit sehen wir keine echte Entwicklung. Für den österreichischen Wohnbau erwarten wir 2027 einen weiteren Rückgang. Heuer rechnen wir mit rund 30.000 Baubewilligungen, nächstes Jahr könnten es nur noch 27.000 sein. Früher lagen wir bei 60.000 bis 70.000. Der Markt bleibt unter Druck.

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Schwer in Schwung

Warum der Wohnbau so schwer in Schwung kommt:

Die weltweiten Krisen und die hohen Energiepreise sorgen für große Verunsicherung. Viele Menschen wissen nicht, wie es weitergeht. Auch Investoren halten sich zurück. Ich habe mit Unternehmern gesprochen, die fertige Großprojekte in der Schublade haben, aber keine Unterschriften bekommen, weil die Geldgeber ihr Kapital lieber zurückhalten.

Wie das Geschäft außerhalb Österreichs läuft:

Ich bin für 28 Märkte verantwortlich: Neben Österreich umfasst mein Zuständigkeitsbereich die gesamte Region Zentral- und Osteuropa sowie Italien. In diesen Märkten liegen wir etwa auf Vorjahresniveau. Große Probleme für den Bau sehen wir derzeit in Deutschland und Frankreich. Deutschland war immer ein Wirtschaftsmotor für Österreich. Wenn dieser Motor stottert, merken wir das hierzulande meist ein Jahr später.

Welche Ziele er sich für den österreichischen Markt gesetzt hat:

Wir wollen unsere neue Tectonic-Produktreihe weiter ausbauen. Dabei handelt es sich um eine Glaswolle mit besonders hoher Druckfestigkeit: Die Glasfäden werden bei der Herstellung so angeordnet, dass eine hochverdichtete Plattenstruktur entsteht. Das verleiht den Platten eine für Glaswolle untypisch hohe mechanische Belastbarkeit, Formstabilität und Steifigkeit. Wir können damit verstärkt in den Fassadenbereich gehen. Das Produkt macht uns große Freude. Wir sehen hier großes Marktpotenzial. Glaswolle ist zudem ein sehr nachhaltiges Material. Sie besteht zu rund 85 Prozent aus recyceltem Glas. Außerdem ist Glaswolle im Vergleich zu anderen Baustoffen leicht und bietet gute Dämmeigenschaften.

Wie sehr die Sanierung die Schwäche im Neubau auffangen kann.

Etwa die Hälfte unseres Geschäfts entfällt auf die Sanierung. Wir sind aber auch in der Industrie und im Neubau tätig. Der Sanierungsanteil ist bislang jedoch nicht gestiegen. Die Dämmung der Gebäudehülle wird aus meiner Sicht weniger stark forciert als andere Maßnahmen. Dabei hilft auch die beste Wärmepumpe nur bedingt, wenn die Außenwände nicht gedämmt sind.

Wie er die Förderungen im Rahmen der Sanierungsoffensive für 2027 beurteilt:

Die Sanierungsoffensive ist ein Schritt in die richtige Richtung. Der Kesseltausch wird zwar weiter gefördert. Aber rund zwei Drittel der veranschlagten 500 Millionen Euro stehen für die thermische Sanierung zur Verfügung. Das ist gut.

Welche Bedeutung das Thema Nachhaltigkeit für Ursa hat:

Wir sind der erste Hersteller, der bei der Glaswolleherstellung das bestehende Bindemittel durch nachhaltiges Lignin ersetzt. Wir wollen dieses Verfahren in den kommenden Jahren verstärkt ausrollen und damit unseren ökologischen Fußabdruck weiter verringern. Außerdem wollen wir die Kreislauffähigkeit unserer Produkte ausbauen: Wir arbeiten an Programmen, die eine Kreislaufführung und abfallfreie Produktion ermöglichen. Bis 2030 wollen diesen Kreislaufzirkel vollkommen ausrollen.

Was er sich von der Politik erwartet:

Wir wünschen uns mehr Stabilität und Planbarkeit. Die Menschen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, die es ihnen ermöglichen zu planen. Ein weiteres Problem ist die zunehmende Komplexität. Unsere Branche ist zum Beispiel von der neuen CE-Verordnung betroffen: Wenn sie so umgesetzt wird wie geplant, würde die Zahl der zu prüfenden Parameter für unsere Produkte von 34 auf 173 steigen. Die Folgen wären massiv: Prüfaufwand und Kosten steigen, die Produkte werden teurer. Die EU will damit den Binnenmarkt schützen. In der Praxis wird es für Unternehmen aber immer komplizierter und langsamer. Ich wünsche mir weniger Bürokratie und Normen, die sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Was ihm besonders am Herzen liegt:

Europa muss wieder schneller werden. Wir sind bei Ursa erfolgreich, weil wir stabil, schnell, flexibel und kundenorientiert arbeiten. Von der Politik wünsche ich mir mehr Entscheidungsfreude und ebenfalls mehr Tempo und Flexibilität.