Mit 41,2 Grad wurde am 5. August 2026 in Bad Deutsch-Altenburg die höchste jemals in Österreich gemessene Temperatur registriert. Der meteorologische Sommer lag österreichweit 2,6 Grad über dem Klimamittel 1991 bis 2020. An 157 Messstationen wurden neue Rekorde bei der Zahl der Hitzetage erreicht.

Für Architekt*innen, Planer*innen, Bauträger*innen, Gebäudeeigentümer*innen und die öffentliche Hand gewinnt der sommerliche Wärmeschutz damit sowohl im Neubau als auch im Bestand immer mehr an Bedeutung. Besonders anspruchsvoll ist die Situation bei historischen und denkmalgeschützten Objekten: Rund 40.000 Objekte stehen in Österreich unter Denkmalschutz. Sie wurden unter anderen klimatischen Voraussetzungen errichtet. Gleichzeitig sind Eingriffe in Fassade und historische Bausubstanz nur eingeschränkt möglich beziehungsweise mit dem Bundesdenkmalamt abzustimmen.

Sonnenschutz früh in die Planung integrieren

Eine wesentliche Stellschraube für den sommerlichen Wärmeschutz liegt an der Gebäudehülle, insbesondere bei den transparenten Flächen. Trifft intensive Sonnenstrahlung ungehindert auf Fenster, kann sich der Wärmeeintrag in die Innenräume erheblich erhöhen. Außenliegende Systeme wie Raffstores, Rollläden oder textile Screens setzen bereits vor der Verglasung an. klimaaktiv bezeichnet regelbaren außenliegenden Sonnenschutz als besonders wirksame Maßnahme gegen sommerliche Überhitzung; auch die OIB-Richtlinien berücksichtigen den sommerlichen Wärmeschutz in der energetischen Gebäudeplanung.

Entscheidend ist dabei die Abstimmung mit anderen Faktoren des Gebäudes. Verglasung, Orientierung, Speichermassen, Tageslicht und Lüftung spielen ebenso eine Rolle wie gegebenenfalls eine aktive Gebäudekühlung. „Wir müssen sommerlichen Wärmeschutz stärker als Teil der gesamten Gebäudeplanung verstehen. Je weniger Wärme überhaupt in das Gebäude gelangt, desto geringer ist der Aufwand, sie später wieder technisch abzuführen“, sagt Andreas Klotzner, Geschäftsführer von Valetta. Gerade bei Bestandsgebäuden gehe es zudem darum, bauphysikalisch funktionierende Lösungen möglichst zurückhaltend in die vorhandene Architektur zu integrieren.

Das Bildungszentrum St. Wolfgang in Straubing wurde mit neuem Sonnenschutz ausgestattet, der sich gut in die historische Architektur einfügt.
Das Bildungszentrum St. Wolfgang in Straubing wurde mit neuem Sonnenschutz ausgestattet, der sich gut in die historische Architektur einfügt. © Valetta

Denkmalschutz verlangt objektspezifische Lösungen

Bei historischen Gebäuden gibt es keine Standardlösung. Materialität, Fassadengliederung, Fensterkonstruktion und historische Beschattungselemente müssen ebenso berücksichtigt werden wie die heutige Nutzung. Die Standards des Bundesdenkmalamts zur Energieeffizienz am Baudenkmal nennen ausdrücklich die Reaktivierung bestehender Beschattungen als mögliche Maßnahme. Neue Systeme wiederum sollen denkmalverträglich integriert werden.

Eine frühe Abstimmung zwischen Bauherr*innen, Architekt*innen, Fachplaner*innen und Denkmalpfleger*innen kann dabei helfen, Eingriffe in Fassade und Gebäudestruktur möglichst gering zu halten.

Sanieren heißt nicht automatisch ersetzen

Wie langlebig Sonnenschutzsysteme sein können, zeigt das Caritas-Seniorenwohnhaus St. Anna am Linzer Froschberg. Dort wurden bereits vor rund 25 Jahren Fenstermarkisen von Valetta installiert. Das Haus verfügt heute über 86 Einzelzimmer und ist damit insbesondere während sommerlicher Hitzeperioden ein sensibles Nutzungsobjekt.

Die ursprünglichen Anlagen waren nach rund zweieinhalb Jahrzehnten weiterhin funktionsfähig. Statt die gesamten Systeme auszutauschen, wurde daher lediglich die gealterte textile Bespannung erneuert. Ein Eingriff in die Fassade war dafür nicht erforderlich. Gleichzeitig erhielt das Gebäude durch die neue Bespannung ein aktualisiertes Erscheinungsbild.

Auch das Bildungszentrum St. Wolfgang, eine inklusive Bildungseinrichtung für Kinder und Jugendliche mit und ohne Förderbedarf in Straubing, wurde mit neuem Sonnenschutz ausgestattet.

„Im Bestand sollte die erste Frage lauten: Was funktioniert bereits und wie können wir es für die kommenden Jahrzehnte weiterentwickeln? Gerade bei sensiblen Fassaden können Erhalt, Reparatur und gezielte technische Anpassungen die bessere Lösung sein“, erklärt Christian Klotzner von Valetta.

Im Caritas-Seniorenwohnhaus St. Anna am Linzer Froschberg wurden bereits vor rund 25 Jahren Fenstermarkisen von Valetta installiert. Da die ursprünglichen Anlagen nach rund zweieinhalb Jahrzehnten weiterhin funktionsfähig waren, wurde lediglich die gealterte textile Bespannung erneuert.
Im Caritas-Seniorenwohnhaus St. Anna am Linzer Froschberg wurden bereits vor rund 25 Jahren Fenstermarkisen von Valetta installiert. Da die ursprünglichen Anlagen nach rund zweieinhalb Jahrzehnten weiterhin funktionsfähig waren, wurde lediglich die gealterte textile Bespannung erneuert. © Valetta

Bestandserhalt und Klimaanpassung zusammendenken

Der Handlungsbedarf betrifft nicht nur denkmalgeschützte Gebäude. Auch Schulen, Kindergärten, Pflegeeinrichtungen, Verwaltungsgebäude, Büros und Wohnbauten müssen zunehmend auf längere Hitzeperioden reagieren. Dabei geht es nicht um ein Entweder-oder zwischen Sonnenschutz und Gebäudetechnik. Vielmehr sollten passive Potenziale genutzt und solare Wärmeeinträge möglichst früh begrenzt werden, bevor zusätzliche Energie für aktive Kühlung eingesetzt werden muss.

Sommerlicher Wärmeschutz wird damit zunehmend zu einer Planungsaufgabe, die Bestandserhalt und Klimaanpassung miteinander verbindet. Gerade bei sensiblen Gebäuden gilt es, vorhandene Qualitäten zu erhalten und gleichzeitig die Nutzbarkeit unter veränderten klimatischen Bedingungen langfristig sicherzustellen.
(bt)