Das Idyll ist noch ein ungetrübtes in Wengen in Südtirol, auf Italienisch La Valle und auf Ladinisch La Val genannt. Die rund 1.400 Einwohner zählende Gemeinde im Gadertal erstreckt sich an einem von Wäldern umgebenen Hang, die Dolomiten sind zum Greifen nah im Blick. Der Tourismus ist hier sanft und existiert in engem Zusammenspiel mit Landwirtschaft und Handwerk. Wer es trubeliger mag, hat es nicht weit in die nur ein paar Kilometer entfernten Schigebiete Kronplatz, Alta Badia und Sellaronda.


Gewachsener Familienbetrieb
Inmitten dieser schönen Umgebung befindet sich die Tischlerei Miribung, die hier seit Ende der 1950er-Jahre ihren Standort hat. Nun steht der Familienbetrieb vor einer seiner größten Investitionen: Mit einer neuen Produktionshalle, gezielter Nachwuchsförderung und modernen Maschinen baut die Tischlerei ihre Position im Fenster- und Türensegment weiter aus. Das erfolgreiche Rezept dahinter ist eine konsequente Spezialisierung.
Den Grundstein für all das legte Firmengründer Giovanni Miribung, heute führt sein Sohn Bruno Miribung das Unternehmen in zweiter Generation. Dessen Einstieg in den Beruf erfolgte klassisch: Mit 16 Jahren begann der heute 52-Jährige seine Tischlerlehre, absolvierte seine Gesellenprüfung und stieg bereits mit 20 Jahren in die Tischlerei ein. Der Besuch der Meisterschule – in Südtirol dauert diese berufsbegleitend drei Jahre – und die Meisterprüfung komplettierten den Ausbildungsweg. „Mein Vater hat mich schon sehr früh eingebunden. Wir haben gemeinsam laufend ausgebaut und unsere Spezialisierung vorangetrieben.“ In den Anfängen arbeitete man zu dritt – Vater und Sohn wurden von einem Gesellen unterstützt. Heute sind inklusive der Familie 18 engagierte Personen am Werk, darunter zwei Lehrlinge.
Wer nicht wagt…
Ende der 1980er-Jahre startete man mit den baulichen Erweiterungen, 1998 folgten ein neuer Spritzraum und ein Furnierlager – dennoch wurde der Standort bald wieder zu klein. So entschied sich die Familie 2003 zum Totalabriss des alten Gebäudes – der damalige Neubau mit einer Fläche von circa tausend Quadratmetern ist auch heute noch die Heimat des Betriebs – allerdings nicht mehr lange. „Wir stoßen hier immer mehr an unsere Grenzen. Durch die verschachtelte Gebäudestruktur sind die Arbeitsabläufe nicht ideal und mit drei Metern Höhe sind die Räume für eine Bautischlerei eigentlich zu niedrig“, so Miribung.
Daher traf man eine durchaus mutige Entscheidung: Direkt gegenüber des heutigen Firmensitzes wird bald eine komplett neue Betriebsstätte errichtet. Geplant sind auf rund 1.800 Quadratmetern neben der großzügigen Werkstatt zudem Büros, Empfang, Arbeitsvorbereitung und ein Schauraum. Bevor man sich an eine derartige Investition wagte, tagte allerdings der Familienrat – denn auch wenn Bruno Miribung und seine Frau Doris – eine ausgebildete Interior Designerin, die seit 2003 im Betrieb mit dabei ist – noch lange nicht ans Aufhören denken – bei einer derart großen Investition wollte man eine grundsätzliche Nachfolge-Bereitschaft der Kinder abfragen. So involviert man die Töchter Alessia und Laura sowie Sohn Samuel bereits ins Firmengeschehen, um früh Interesse und Verständnis zu wecken.
Eine strategische Entscheidung
Aufgrund des begrenzten Platzes konzentrierte man sich bald auf die Bautischlerei, auch wenn Möbel lange zum Portfolio des Betriebes gehörten. Seit rund 15 Jahren widmet man sich allerdings ausschließlich der Herstellung von Fenstern, Eingangs- und Innentüren – zu spezialisiert ist dieses Segment und zu sehr legt man Wert auf Qualität, als dass man „etwas nur halbherzig mitmachen möchte“.

Diese Entscheidung erwies sich als strategisch goldrichtig. „Seit wir auf die reine Fenster- und Türenproduktion umgestellt haben, gibt es eigentlich keine Stehzeiten mehr“, erinnert sich Bruno Miribung. Die Auslastung sei von „Weihnachten bis Weihnachten“ gleichermaßen hoch und gut – „lockere“ Monate, so wie es früher der Jänner und der Februar waren, gebe es nicht mehr.
Wachstumsmotor Sanierung
In dieser Region prägt der Tourismus die Bauwirtschaft maßgeblich. Zwar schwächelt – ähnlich wie in Österreich – der Neubau, dafür sind Sanierungsaufträge im Vormarsch. Hotels werden regelmäßig renoviert und mit neuer Fenster- und Türenausstattung versehen – bisweilen auch dann, wenn die bestehende Substanz noch intakt ist, „denn ein Holzfenster könnte auch hundert Jahre und mehr überleben.
Das Verhältnis Neubau zu Sanierung schätzt der Tischlermeister auf rund 35 zu 65. „Wir reüssieren in diesem Segment sehr gut. Das liegt auch an unserer Flexibilität, die industrielle Fensterhersteller nicht bieten können“, sieht Miribung einen klaren strukturellen Vorteil. „Ein Auftrag über ein paar Fenster ist für einen Großbetrieb uninteressant. Wir bieten hingegen ein Komplettpaket, ergänzt um Fensterbretter und passende Türen an – und sind somit für private wie gewerbliche Kunden gleichermaßen interessant.“ Diese Zielgruppen halten sich ungefähr die Waage. Die Kunden finden vor allem über Mundpropaganda in den Betrieb, zu dem bespielt man seit Jahren eine regionale Wohnmesse und arbeitet mit unterschiedlichen Architekten zusammen, die sich langfristig auf die Expertise Miribungs verlassen.
Lärche, Fichte, Eiche
Das Produktspektrum umfasst Holz- und Holz-Alu-Fenster, wobei etwa 60 Prozent auf reine Holzkonstruktionen entfallen und 40 Prozent auf Holz-Alu-Kombinationen. Die Alu-Rahmen werden zugekauft, alle anderen Fensterkomponenten selbst gefertigt. Als Standard gilt das Klimahausfenster mit einem Profilquerschnitt von 90 mal 90 Millimetern und Dreifachverglasung. Lärche und Fichte sind die dominierenden Holzarten. Bei Innentüren kommen Eiche und Asteiche, Lärche, gedämpfte Fichte und Altholz zum Einsatz – bevorzugt werden die naturbelassenen Oberflächen mit Ölen oder Wachsen behandelt.
Von traditionell bis modern
Was die Projektgröße anbelangt, ist man offen für alles: Von fünf individuellen Fenstern bis zu hundert Stück für ein Großprojekt reicht die „Range“. Ebenso flexibel wie bei den Dimensionen ist man beim Stil. Dass Miribung sowohl traditionell als auch modern, detailverliebt ebenso wie großflächig kann, zeigt die breite Palette der Referenzprojekte: Diese reichen von historischen Sanierungen bis zu modernen Neubauten.
Besonders stolz ist man darauf, einen wichtigen Beitrag zur umfassenden Sanierung eines historischen Chalets nahe Alta Badia geleistet zu haben. Das im elften Jahrhundert errichtete Gebäude ist heute ein exklusives Gästehaus, gilt als eine der ersten Bauten des Tals und steht unter Denkmalschutz. „Wir haben die Fenster aus Altholz mit den für die Gegend typischen Sprossen nach alten Vorbildern hergestellt, ebenso wie die Innentüren“, berichtet Bruno Miribung.



In starkem stilistischen Kontrast dazu steht ein modernes Einfamilienhaus in Enneberg: Die hellen Fenster bilden in der Außenansicht einen interessanten Gegenpart zu den dunklen Fassadenelementen. Ins Auge stechen ebenso die bündigen Schiebetürelemente, die großformatigen, flächenbündigen Fenster und die hinter Holzverkleidungen verdeckten Fensterrahmen.
Enge Zeitfenster
Wer nun denkt, dass sich derart aufwendige Projekte über Jahre ziehen, liegt falsch: „Vom Angebot bis zur Fertigstellung vergehen in der Regel zwei bis drei Monate. Vor allem bei Hotelprojekten sind die Zeitfenster sehr eng gesteckt“, so Bruno Miribung über die logistischen Herausforderungen in einer vom touristischen Rhythmus geprägten Region. Nach Ende der Sommer- bzw. Wintersaison bleiben oft nur zwei bis drei Monate Zeit, um die Arbeiten abzuschließen, bevor die Häuser wieder öffnen. In diesem Zeitraum müssen Fenster und Türen geplant, produziert und montiert werden. Oft kommen Verzögerungen, verursacht durch andere Gewerke, erschwerend hinzu: Dann liegt es an der Tischlerei, diese Zeit „aufzuholen“. Eine Vorproduktion auf Vorrat ist dabei kaum möglich, denn Maßabnahmen können nur direkt am Projekt erfolgen.
Zeit für einen Wechsel


Der Maschinenpark spielt eine zentrale Rolle, um das hohe Auftragsvolumen in gleichbleibender Qualität abarbeiten zu können. Neben allen gängigen Standardmaschinen für die Tischlerei ist man für die Fensterproduktion mit einem Fensterautomaten, einer Flutanlage und einer Förderkette aktuell gut eingerichtet.
Ergänzt wird die Ausstattung seit Anfang 2025 durch zwei Maschinen des Schweizer Herstellers Kündig – einer 3-Aggregat Breitbandschleifmaschine Technic-3 1600-RdEdBo-L und einer Kantenschleifmaschine Uniq-S. Letztere verfügt über einen größeren Schubapparat als das Vorgängermodell und ein Sonderzubehör für das Schleifen von Glasleisten: Durch zusätzliche Führungsrollen können auch dünne Holzleisten optimal bearbeitet werden.
Über die Uniq-S wurde Miribung auch an die anderen Maschinentypen erinnert: „Schon mein Vater hatte die Kündig-Schleifmaschine im Kopf, allerdings mussten wir mit der Investition dann doch etwas warten“, erzählt Bruno Miribung.
In einem Durchlauf
Ein wichtiges Argument für die Anschaffung war die kompakte Bauweise: „Es gibt auch andere Hersteller, die Schleifmaschinen mit einer Nettobearbeitungsbreite von 1,60 Meter anbieten. Allerdings brauchen diese viel mehr Platz – den wir nicht haben.“
Hinzu kommt eine schrägstellbare Aggregatanordnung (Rd), die beim Durchschleifen zusammengeleimter Fensterelemente für eine noch bessere Oberflächenqualität sorgt: Querschliffe im Holzbild werden minimiert und sind quasi nicht mehr sichtbar – ein technischer Vorteil, der Nacharbeiten durch Handschliff weitgehend überflüssig macht und die Durchlaufzeit reduziert.
Mittels des elektronisch segmentierten Schleifschuhs mit 35 Millimeter Segmentierung (Ed) lässt sich insbesondere der Kantendruck gezielt steuern, was bei der Bearbeitung furnierter und lackierter Oberflächen wichtig ist. Somit sind Kalibrieren, Feinschleifen und Bürsten in einem Durchlauf möglich – mit Fokus auf hochwertigen Oberflächen und einem besonders gleichmäßigen Schleifbild. Weitere Besonderheiten sind das verbaute Luftschwert mit Eco Cleaning System und die VMax-Konfiguration durch die beiden gegensätzlich schwenkbaren Aggregate.
Schneller als zuvor
Durch die neuen Funktionen der Kündig Breitbandschleifmaschine sparen wir uns in der Produktion viel Zeit. Zudem ist die Bedienung einfach und intutiv.
Bruno Miribung
Vor allem bei der Produktion von Innentüren hilft ein oszillierendes Bürstaggregat (Bo) beim Zeitsparen. „Früher mussten wir alle Oberflächen händisch bürsten – diesen Arbeitsschritt übernimmt nun die Maschine für uns. Überhaupt ersparen wir uns durch all die neuen Funktionen viel Zeit. Zudem ist die Bedienung einfach und intuitiv“, so Bruno Miribung über weitere Vorteile. www.miribung.net ■