„Wir sprechen von einem Generationenprojekt. Wir haben einen Standort geschaffen, der unseren Mitarbeitenden, Mitgliedern und Kundinnen langfristig beste Bedingungen bietet.“ Thomas Singer, Geschäftsführer der Vorarlberger Holzhandelsgenossenschaft Tiro, zieht ein positives Fazit zu einem Projekt, das ihn geraume Zeit beschäftigt hat: den Neubau des Unternehmensstandorts in Hohenems.

Anspruchsvolles Vorhaben

Bei dem anspruchsvollen Vorhaben vertraute Tiro unter anderem auf den heimischen Haustechnik-Spezialisten Bösch: „Mit Bösch hatten wir einen Partner mit Handschlagqualität, der auch kurzfristig Lösungen gefunden hat und auf den wir uns während der gesamten Bauzeit verlassen konnten“, so Singer.

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Tiro-Gebäude in Hohenems
Das Tiro-Gebäude in Hohenems: Neuer Unternehmenssitz vereint Verwaltung, Produktion und Logistik. © Bösch/Tiro

Der neue Unternehmenssitz vereint Verwaltung, Produktion, Logistik und Lager unter einem Dach. Das in Holzbauweise errichtete Gebäude verbindet die Wurzeln des Unternehmens mit modernen Arbeitsplätzen und genügend Raum für weiteres Wachstum.

Besondere Herausforderungen

Ein Projekt dieser Größenordnung bringt besondere Herausforderungen mit sich. Der laufende Betrieb durfte zu keinem Zeitpunkt stillstehen. Gleichzeitig entstand der neue Standort in drei Bauetappen – vom Verwaltungsgebäude über Halle und Sozialtrakt bis zum Logistikbereich. Für alle Beteiligten war klar: Dieses Generationenprojekt gelingt nur mit einer präzisen Planung und Partnern, auf die jederzeit Verlass ist.

Produktionshalle von Tiro
Neue Produktionshalle von Tiro: energieeffizient bauen, flexibel arbeiten und langfristig wirtschaften. © Bösch/Tiro

Bereits Jahre vor Baubeginn entwickelte Tiro gemeinsam mit seinen Projektpartnern erste Konzepte für den neuen Standort. Als die Detailplanung begann, standen die Ziele fest: energieeffizient bauen, flexibel arbeiten und langfristig wirtschaften.

Gegen GU

Tiro entschied sich bewusst gegen einen Generalunternehmer. Stattdessen vergab das Unternehmen die einzelnen Gewerke direkt an regionale Fachbetriebe. Es flossen nicht nur wirtschaftliche Aspekte in die Entscheidung ein, sondern auch Qualität, Kompetenz und langjährige Partnerschaften.

Tiro: Lüftung für die Verwaltung
Technik im Tiro-Gebäude: Lüftungsanlage für die Verwaltung, © Bösch/Tiro

Gemeinsam mit BHM Ingenieure sowie den ausführenden Installationsbetrieben entwickelte Bösch maßgeschneiderte Lösungen für Heizung, Kühlung, Lüftung und Gebäudeautomation. „So entstand ein Gesamtkonzept, bei dem alle Systeme nahtlos ineinandergreifen. Kurze Wege und enge Abstimmungen ermöglichten schnelle Entscheidungen – ein entscheidender Vorteil während der gesamten Bauzeit bei laufendem Betrieb“, erläutert man bei Bösch. „Verwaltung, Produktion, Logistik und Schnittholzlager stellen völlig unterschiedliche Anforderungen an das Raumklima“ so Bösch weiter. Deshalb habe man keine Standardlösung gewählt, „sondern ein System, das jeden Gebäudebereich gezielt unterstützt“.

Zentrale Versorgung

Die zentrale Wärme- und Kälteversorgung erfolgt über Luft-Wärmepumpen mit dem Kältemittel R32. Einen Teil des dafür benötigten Stroms liefert die Photovoltaikanlage auf dem Dach. So nutzt Tiro selbst erzeugten Strom unmittelbar für die Gebäudetechnik und steigert den Eigenverbrauch der Photovoltaikanlage.

Im Verwaltungsgebäude übernehmen zwei redundant geschaltete Luft-Wärmepumpen mit jeweils 44 Kilowatt Heizleistung und 63 Kilowatt Kühlleistung die Temperierung. Dadurch bleibt die Wärme- und Kälteversorgung auch dann sichergestellt, wenn eine Anlage gewartet wird oder vorübergehend ausfällt. Die Produktionshalle beheizt und kühlt eine weitere Wärmepumpe mit 144 Kilowatt Heiz- und 211 Kilowatt Kühlleistung über eine Betonkernaktivierung. Ergänzt wird das System durch eine Zonenkühlung für den Veranstaltungssaal sowie eine eigene Serverkühlung.

Vier Lüftungsanlagen versorgen Verwaltung, Sozialtrakt und Logistik kontinuierlich mit aufbereiteter Frischluft. Sie heizen, kühlen und – im Verwaltungsbereich – befeuchten die Zuluft bedarfsgerecht. So schaffen sie in jedem Gebäudebereich ein angenehmes und stabiles Raumklima.

Lüftung mit Schlüsselrolle

Im Schnittholzlager übernimmt die Lüftungsanlage eine Schlüsselrolle. Sie hält die Luftfeuchtigkeit konstant und schafft damit die Voraussetzung, dass hochwertige Edelhölzer ihre Qualität behalten.

Um der Luft Feuchtigkeit zu entziehen, wird diese auf 11 Grad Celsius abgekühlt und anschließend mir der entstehenden Prozesswärme wieder auf rund 40 Grad aufgeheizt. Dabei fällt beim Abkühlen der Luft Kondensat aus und die Luftfeuchtigkeit sinkt. So sichert die Lüftungsanlage laut Bösch „dauerhaft die gewünschten Raumluftkonditionen und nutzt die eingesetzte Energie besonders effizient“. Das Ergebnis: Das Holz behält seine Qualität, nimmt keine zusätzliche Feuchtigkeit auf und kann direkt weiterverarbeitet werden.

Moderne Technik

„Moderne Gebäudetechnik entfaltet ihren Nutzen erst dann, wenn alle Komponenten zusammenspielen. Deshalb vernetzt die Gebäudeautomation von Bösch sämtliche Anlagen zu einem intelligenten Gesamtsystem“, erläutert der Haustechnik-Spezialist weiter. Konkret bedeutet das: Rund 600 Datenpunkte steuern Wärmepumpen, Lüftungsanlagen, Betonkernaktivierung, Brandschutzklappen, Jalousien sowie Raum- und Zonenregelungen. Die MSR-Technik von Bösch verteilt die Automationsfunktionen auf drei Schaltschränke und koordiniert sämtliche Anlagen zentral. Dadurch reagiert das System flexibel auf unterschiedliche Nutzungen und sorgt für einen wirtschaftlichen Betrieb.

Die erste Bewährungsprobe folgte bereits wenige Monate nach der Inbetriebnahme. Dazu Bösch: „Der überdurchschnittlich warme Sommer 2024 zeigte, dass das Konzept funktioniert.“

Factbox:

  • Projekt: Neubau Unternehmensstandort Tiro
  • Gebäudeart:  Verwaltung, Produktion, Logistik und Lager
  • Standort: Hohenems, Vorarlberg
  • Investitionssumme: 27,5 Millionen Euro
  • Umsetzungszeitraum: März 2023 bis September 2025 (drei Bauetappen)
  • Bauherr: Tiro – Tischler Rohstoff e.Gen.
  • Planung HLK: BHM Ingenieure, Feldkirch
  • Ausführung HLK: Dorfinstallationsstechnik GmbH (Lüftung), Wolfgang Fässler (Heizung), Bösch Gebäudeautomation