Das europäische Forschungsprojekt DigiFab entwickelt digitale Prozessketten für die energetische Gebäudesanierung mit industrieller Vorfertigung. Damit sollen Sanierungen schneller, planbarer und ressourcenschonender umgesetzt werden. Das Projekt wird von der Europäischen Union kofinanziert und verknüpft digitale Bestandsaufnahme, Planung, Fertigung, Montage und spätere Betriebsoptimierung besser miteinander. Der österreichische Demonstrator in Bruck an der Mur zeigt, wie dieser Ansatz im bewohnten Mehrfamilienhaus praktisch umgesetzt werden kann.
54 Fassadenmodule in zwei Wochen
Ein zentraler Meilenstein wurde nun erreicht: 54 vorgefertigte Fassadenmodule wurden in nur zwei Wochen an dem bisher ungedämmten vierstöckigen Wohngebäude montiert. Die neue Gebäudehülle verbessert nicht nur die thermische Qualität des Be stands, sondern übernimmt auch eine aktive Rolle im künftigen Heizsystem. Gemäß Planung wird sich der Heizwärmebedarf (bei Referenzklima) um rund 60 Prozent auf 33 kWh/(m² a) reduzieren.
Die Fassade wird zum Heizsystem
Die bisher in den Wohnungen vorhandenen Nachtspeicheröfen werden ersetzt; die Wärme wird künftig über die Fassade an die Räume abgegeben. Dafür nutzt die CEPA-Energiefassade die bestehende Außenwand als thermische Speichermasse. Die hierfür erforderlichen wasserführenden Register wurden bereits im Werk vollständig in die vorgefertigten Fassadenelemente integriert. Dort wurden sie gemeinsam mit der Dämmung und dem übrigen Fassadenaufbau montiert. Die Wärme wird dadurch von außen in die Wand eingebracht und zeitversetzt an den Innenraum abgegeben, ohne dass neue Heizungsleitungen in den Wohnungen verlegt werden müssen. Gerade dieser Ansatz macht die Sanierung besonders bewohnerfreundlich. Die Eingriffe im Innenraum bleiben gering, Staub und Lärm werden reduziert und die Bewohner können während der Sanierung in ihren Wohnungen bleiben. Gleichzeitig entsteht zusätzlicher nutzbarer Platz, weil die bisherigen Einzelöfen entfallen. Der Demonstrator zeigt damit, wie serielle Sanierung, Vorfertigung und energieaktive Fassadentechnologien zu einem minimalinvasiven Sanierungsansatz kombiniert werden können.
Vorgefertigte Fassadenmodule eignen sich besonders für große, ebene und gut zugängliche Fassadenflächen mit regelmäßiger Geometrie. Dazu zählen insbesondere durchgehende Außenwandbereiche ohne starke Vor- und Rücksprünge. In Bereichen, die sich nur eingeschränkt für vorgefertigte Fassadenmodule eignen, etwa innerhalb von Loggien, kommen ergänzend biobasierte Dämmstoffe wie Holzfaserdämmung zum Einsatz.


AEE Intec begleitet den österreichischen Demonstrator wissenschaftlich und technisch. Zu den Aufgaben zählen die energetische Bewertung des Sanierungskonzepts, die Unterstützung bei der Integration der energieaktiven Fassadenlösung in das Gesamtsystem sowie das Monitoring nach der Umsetzung. Über Messungen und Auswertungen werden Energieperformance, Raumkomfort und Betriebsverhalten untersucht. Die Ergebnisse sollen zeigen, wie sich die Fassadenlösung im realen Betrieb bewährt und welche Erkenntnisse für künftige serielle Sanierungsprojekte abgeleitet werden können.
Der Demonstrator liefert damit wichtige Praxiserfahrungen für die Weiterentwicklung serieller Sanierungslösungen im großvolumigen Wohnbau. Rein technisch betrachtet gelten in Österreich rund 70.000 Gebäude als für derartige serielle Sanierungsansätze geeignet.
(bt)
Text: Dagmar Jähnig
Österreichischer DigiFab-Demonstrator
Gebäudetyp: Bewohntes Mehrfamilienhaus mit 16 Wohnungen und insgesamt 1187 m² Bezugsfläche
Standort: Bruck an der Mur
Gebäudeeigentümer: Rottenmanner Siedlungsgenossenschaft gemeinnützige eGen. m. b. H.
Baujahr: 1976
Wärmeversorgung und Wärmeabgabe: Fernwärme und außenliegende Bauteilaktivierung über die Fassade
Beteiligte Firmen: Haas Fertigbau Holzbauwerk GmbH & Co. KG (Fertigung und Montage der Fassadenmodule), Towern 3000 (Planung der CEPA-Energiefassade)
Anzahl Module: 54 vorgefertigte Fassadenmodule
Fassadenfläche: 841 m²
