Anlass war das Pressegespräch der Bundessparte Gewerbe und Handwerk der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) in Wien, bei dem aktuelle Zahlen zur Konjunkturentwicklung präsentiert wurden. Manfred Denk, Obmann der Bundessparte, brachte die allgemeine Lage auf den Punkt: Die erhoffte Trendwende sei ausgeblieben, die Betriebe befänden sich mittlerweile im siebten Jahr eines realen Rückgangs. Für die Tischlerbranche zeichnet die KMU Forschung Austria auf Basis von 103 befragten Betrieben mit 1.689 Beschäftigten ein nuanciertes Bild.
Auftragseingänge weiter unter Druck
Im ersten Halbjahr 2026 sanken die Auftragseingänge der Tischler im Branchendurchschnitt um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im Vorjahr hatte die Branche noch ein leichtes Minus von 0,1 Prozent verzeichnet, die Entwicklung hat sich damit etwas verschlechtert, bleibt aber deutlich besser als das Gesamtgewerbe und Handwerk (–1,8 Prozent). Die Verkaufspreise stiegen im ersten Halbjahr 2026 um 3,4 Prozent, womit sich real ein Rückgang von 4,5 Prozent ergibt.
Innerhalb der Branche ist das Bild geteilt. 30 Prozent der Betriebe konnten Steigerungen verzeichnen, im Schnitt um 10,7 Prozent. Bei 41 Prozent blieben die Auftragseingänge auf Vorjahresniveau, während 29 Prozent Rückgänge meldeten, durchschnittlich um 19,7 Prozent. Die Schere zwischen wachsenden und schrumpfenden Betrieben ist damit auch im Tischlerhandwerk spürbar.

Geschäftsbereiche: Möbel stabil, Gastronomie unter Druck
Der Blick auf die einzelnen Geschäftsbereiche im zweiten Quartal 2026 zeigt deutliche Unterschiede. Die Herstellung von Möbeln, für 83 Prozent der Betriebe relevant, hält sich gut: 25 Prozent meldeten steigende Auftragseingänge, 54 Prozent gleichbleibende und nur 21 Prozent rückläufige. Der Laden- und Messebau verzeichnete zwar keine steigenden Betriebe, aber mit 87 Prozent gleichbleibend und nur 13 Prozent sinkend eine stabile Lage.
Deutlich angespannter präsentiert sich der Bereich Gastronomie: Hier meldeten 44 Prozent der Betriebe sinkende Auftragseingänge, nur sieben Prozent steigende. Beim Objektmöbelbau verzeichneten 37 Prozent der Betriebe Rückgänge, 13 Prozent Steigerungen. In der Bautischlerei fiel das Verhältnis ähnlich ungünstig aus: 38 Prozent sinkend, 13 Prozent steigend. Verhältnismäßig robust zeigt sich Althaussanierung und Reparatur, wo 75 Prozent der Betriebe auf Vorjahresniveau blieben und nur 19 Prozent Rückgänge meldeten.
Stimmung trübt sich ein
Das dritte Quartal 2026 bringt eine Verschlechterung beim Stimmungsbarometer. 20 Prozent der Betriebe beurteilen ihre Geschäftslage als gut, 53 Prozent als saisonüblich und 27 Prozent als schlecht. Der Negativsaldo beträgt damit 7 Prozentpunkte. Im Vorquartal war das Bild noch deutlich freundlicher: 37 Prozent bewerteten ihre Lage als gut, nur 18 Prozent als schlecht, der Saldo lag bei plus 19 Prozentpunkten. Die Eintrübung zum dritten Quartal entspricht einem saisonalen Muster, fällt diesmal aber ausgeprägter aus als üblich.

Auftragsbestand stabil auf niedrigem Niveau
Der durchschnittliche Auftragsbestand sichert im dritten Quartal 2026 eine Vollauslastung von 11,0 Wochen. Gegenüber dem dritten Quartal 2025 bedeutet das ein minimales Minus von 0,3 Prozent, nach Rückgängen von 1,4 Prozent und 4,2 Prozent in den Vorjahren. Der Abwärtstrend hat sich damit weitgehend erschöpft.
22 Prozent der Betriebe meldeten eine Auslastung von ein bis vier Wochen, 32 Prozent von fünf bis neun Wochen. 33 Prozent verfügten über einen Auftragsvorlauf von zehn bis 19 Wochen, neun Prozent über 20 und mehr Wochen. Vier Prozent hatten keinen Auftragsbestand. 84 Prozent des Gesamtauftragsbestands entfielen auf private und gewerbliche Auftraggeber, neun Prozent auf öffentliche Bauprojekte über Generalunternehmer oder Bauträger, sieben Prozent auf Direktvergaben von Bund, Ländern und Gemeinden.
Freie Kapazitäten leicht gesunken
35 Prozent der Betriebe könnten sofort zusätzliche Aufträge ausführen, 40 Prozent in drei Monaten. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2026, wo noch 31 Prozent sofort verfügbar waren, hat die sofortige Verfügbarkeit leicht zugenommen. Gegenüber dem Vorjahr (31 Prozent) ist der Anteil damit ebenfalls etwas höher, was auf weiterhin vorhandene Kapazitätspuffer in der Branche hindeutet.
Ausblick: Pessimismus deutlich milder als im Vorjahr
Für das vierte Quartal 2026 überwiegen die negativen Erwartungen, doch der Saldo verbessert sich gegenüber dem Vorjahr spürbar. Acht Prozent der Betriebe erwarten steigende Auftragseingänge, 16 Prozent sinkende, 76 Prozent keine Veränderung. Der Erwartungssaldo liegt damit bei minus acht Prozentpunkten. Im Vergleichsquartal des Vorjahres betrug er noch plus zwei Prozentpunkte, gegenüber dem Vorquartal (Saldo: –15 Prozentpunkte) hat sich die Einschätzung aber deutlich aufgehellt.
Beim Personal planen acht Prozent der Betriebe eine Aufstockung des Beschäftigtenstands, 82 Prozent wollen ihn konstant halten und zehn Prozent einen Abbau. Die geplante durchschnittliche Erhöhung liegt bei 0,9 Prozent, deutlich unter dem Vorjahreswert von 2,0 Prozent. Die Tischlereibetriebe fahren beim Personal damit auf Sicht und halten sich mit Neueinstellungen spürbar zurück.
Quelle: KMU Forschung Austria, Konjunkturbeobachtung Gewerbe und Handwerk – Tischler, 3. Quartal 2026, Oktober 2026. Auftraggeber: Wirtschaftskammer Österreich, Bundessparte und Landessparten Gewerbe und Handwerk.
