Auf der Fachmesse AMB 2026, die vor Kurzem in Stuttgart stattfand, war – neben Automatisierung und Kreislaufwirtschaft – Künstliche Intelligenz (KI) eines der drei Fokusthemen. Wie weit die Branche tatsächlich ist, erläutert Guido Reimann, stellvertretender Geschäftsführer des VDMA Software und Digitalisierung sowie Koordinator des VDMA-Kompetenznetzwerks Künstliche Intelligenz.

METALL: Ist KI in der industriellen Praxis 2026 angekommen oder dominieren noch Pilotprojekte?

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Guido Reimann: Für den Maschinen- und Anlagenbau hat das Thema künstliche Intelligenz weiter an Bedeutung gewonnen. In einer VDMA-Umfrage vom Frühjahr 2026 hat sich gezeigt, dass über 80 Prozent der Maschinenbauunternehmen den KI-Technologien eine größere Bedeutung zuschreiben. Etwa ein Drittel der Unternehmen setzt KI-Lösungen sogar schon produktiv ein. Das heißt, die Zeit der reinen Pilotprojekte ist vorbei. Zunehmend erleben wir KI im Praxiseinsatz. Darüber hinaus gibt es weiterhin viele Pilotprojekte in den Unternehmen, um sich weiter mit der Technologie vertraut zu machen und neue Anwendungen auszuprobieren. Der Schwerpunkt der aktuell produktiven Einsätze liegt in der Softwareentwicklung, Entwicklung, Konstruktion, Unternehmensführung, IT, Marketing sowie in der Kommunikation. Aber auch im Vertrieb und bei produktbegleitenden Dienstleistungen kommt KI immer mehr zum Einsatz. Um weitere Potenziale zu nutzen, müssen Unternehmen ihre eigene Digitalisierung im Blick haben und diese strategisch voranbringen.

Der Maschinen- und Anlagenbau verspricht sich durch KI messbare Effizienzgewinne. Welche Zahlen und Erfolgsbeispiele kennen Sie? Wo liegen aktuell die größten Hürden bei der Umsetzung?

KI-Lösungen und Ansätze erbringen Effizienzgewinne entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Das zeigt sich etwa durch Kostenreduktionen bei der Erstellung von technischen Dokumentationen, Aufwands- und Kostenersparnis im Einkauf, um die Anzahl von Gleichteilen zu erhöhen und damit Einkaufskonditionen zu verbessern, oder durch die Verringerung von ungeplanten Maschinen-Stillständen – wobei Kostenreduktionen von 10 bis 20 Prozent möglich sind. KI-Lösungen beschleunigen an vielen Stellen die Prozesse deutlich: in der Entwicklung, Produktion oder im Vertrieb und Kundendienst. Eine breitflächige, nachhaltige Digitalisierung ist Grundvoraussetzung für den KI-Einsatz. Hürden sind oft Changemanagement, geringe Umsetzungsgeschwindigkeit und fehlende Personalressourcen. Oft scheitern Vorhaben weniger an Technik als an Organisation, Entscheidungsstrukturen, mangelnder Einbindung oder Wissen über Anwendungen und Grenzen. Bei KI gilt: nicht jedes Pilotprojekt gelingt, eventuell muss man es rechtzeitig stoppen.

Welche KI-Technologien und Anwendungen prägen aktuell das Bild?

In der klassischen Produktentwicklung und Konstruktion sowie in der Softwareentwicklung sehen wir mittlerweile viele KI-Lösungsangebote seitens der Softwareanbieter und gleichzeitig gibt es viele Unternehmen aus dem Maschinenbau, die KI-Technologien in ihre Produkte oder Dienstleistungen integriert haben.

Welche Entwicklungen sollten Unternehmen in den nächsten fünf Jahren im Blick behalten?

Die relevanten Technologien, Anwendungen und regulatorischen Vorgaben im Digitalbereich werden größer. Unternehmen sollten diesen Wandel auf jeden Fall mitgehen. Denn digitale Technologien werden nicht nur für interne Prozesse relevanter, sondern auch mit Blick auf die Geschäftsmodelle der Unternehmen gewinnen sie deutlich an Einfluss. Wer sich also frühzeitig mit den neuen digitalen Technologien und deren Anwendungsmöglichkeiten im eigenen Unternehmen und in Kundenbranchen auseinandersetzt, kann die Weichen für den zukünftigen Erfolg rechtzeitig stellen. www.messe-stuttgart.de/amb/

[Metall 04/2026 E-Paper]

KI-gestützte Systeme optimieren Maschinenprozesse in Echtzeit. © Thomas Wagner / Messe Stuttgart