Im nachfolgenden Bericht geben wir einen Überblick über die prägenden Branchentrends, werkstoffspezifische Besonderheiten und die globalen Akteure des Laserschneidens.
Ultra-Hochleistungs-Faserlaser im Trend
CO2-Laser spielen in der Metallverarbeitung nahezu keine Rolle mehr. Die Zepter haben Faserlaser übernommen – und die Leistungsspirale dreht sich unaufhaltsam weiter.
Während vor wenigen Jahren noch Anlagen mit 6 bis 10 Kilowatt als Leistungsspitze galten, gehören heute Aggregate mit 20 bis 50 Kilowatt (in Spitzenanwendungen sogar über 60 Kilowatt) zum Standard bei großen Anwendungen in der Metall- und Stahlbaubranche. Die Auswirkung: extrem hohe Schnittgeschwindigkeiten bei Dünnblechen und die Fähigkeit, selbst extreme Blechdicken über 30 bis 50 Millimeter sauber zu trennen.
Dynamische Strahlformung (Beam Shaping)
Moderne Schneidköpfe ändern nicht mehr nur den Fokuspunkt, sondern die Geometrie des Laserstrahls selbst. Je nach Blechdicke und Material schaltet die Optik automatisch zwischen einem nadelscharfen Punkt für dünne Bleche und einem breiteren, topf- oder ringförmigen Profil für dicke Platten um. Das optimiert das Austreiben der Schmelze und verhindert unschöne Gratbildung.
Sensorik und KI-gestützte Prozessüberwachung
Kamerasysteme und Sensorik direkt im Schneidkopf überwachen den Schneidprozess in Echtzeit. Wenn die Düse verschmutzt, ein Schnittabriss droht oder Grat entsteht, korrigiert die Maschinensteuerung Schnittgeschwindigkeit, Gasdruck und Laserleistung noch während des laufenden Prozesses eigenständig.
Vollautonomie und Closed-Loop-Automation
Die Laserschneidmaschine ist selten ein Einzelgerät, sondern wird zunehmend als „Herzzelle“ vollautomatischer Fertigungszentren verbaut. Automatische Beladesysteme, dynamisches Nesting (KI-gestützte Verschnitt-Minimierung auf dem Blech), automatische Düsenwechsler und Roboter zum Teile-Sortieren ermöglichen einen durchgehenden 24/7-Betrieb.
Aluminium, Stahl und Edelstahl im Fokus
Die technologischen Anforderungen und Lösungen unterscheiden sich stark je nachdem, welcher Werkstoff bearbeitet wird:
- Aluminium: hohe thermische Leitfähigkeit und extreme Reflexion des Laserstrahls. Kürzere Wellenlängen von Faserlasern reduzieren das Reflexionsrisiko. Hohe Laserleistungen (über 12Kilowatt) trennen das Material so schnell, dass die Wärme nicht in die Ränder abfliesst.
- Baustahl: Dicke Platten neigen bei Überhitzung zu fehlerhaften Schnitten. Umstellung von Sauerstoff-Brennschneiden auf Hochleistungs-Stickstoffschneiden (oder Mischgas) für gratfreie Schnitte ohne Oxidationsschicht.
- Edelstahl (Rostfrei): Einbringen von Sauerstoff führt zu Oxidation (Rostgefahr an der Schnittkante), Hochdruck-Stickstoffschneiden (bis 30 bar) treibt die Schmelze oxidfrei aus. Dynamic Beam Shaping sorgt selbst bei dicken Edelstahlplatten für spiegelglatte Schnittkanten.
Marktübersicht Laserschneiden
Der Markt für 2D- und 3D-Laserschneidmaschinen teilt sich sehr international und vielfältig auf, darunter viele Premium-Hersteller. Alle Maschinen genügen den hohen Ansprüchen hinsichtlich Flexibilität und Präzision. Die Produktprogramme sind teilweise sehr umfangreich und ermöglichen eine rentable Blechbearbeitung inklusive Automatisierung.
Die Aufzählung der Hersteller erfolgt in alphabetischer Reihenfolge, in Klammern stehen Beispiele aus dem Produktprogramm:
- Amada (Japan): Einer der größten Blechbearbeitungs-Spezialisten weltweit (Ensis-Serie mit variabler Strahlsteuerung).
- BLM Group (Italien): Spezialist für das Rohrschneiden (Laser-Tube-Systeme).
- Bodor Laser (China): Hersteller von Faserlasermaschinen, Vorreiter bei Extrem-Leistungen (bis über 60 Kilowatt). Österreich-Parter ist Enevo.
- Bystronic (Schweiz): Hochleistungs-Faserlasersysteme (ByStar Fiber) und stark integrierte Software- und Automatisierungslösungen.
- Durma (Türkei): Einer der größten Hersteller von Blechbearbeitungsmaschinen, darunter Flachbett-, Profil- und Rohrlaserschneidanlagen. In Österreich langjährig durch Hesse vertreten.
- LVD (Belgien): Faserlaser-Schneidanlagen für Flachblech- und Rohrschneiden (Puma, Taurus). Österreich-Partner ist Schachermayer.
- Mazak / Yamazaki Mazak (Japan): Bekannt aus der Zerspanung, aber auch eine feste Größe bei 2D- und 3D-Faserlaserschneidmaschinen (Optiplex-Serie).
- Messer Cutting Systems (Deutschland): Spezialisiert auf großformatige Plattenbearbeitung (Kombination aus Laser-, Plasma- und Autogenschneiden).
- MicroStep / Accurl (Deutschland / China): Fokus auf Multifunktions- und Großformat-Laserschneidanlagen inklusive Rohrbearbeitung (Smart Compact X / Cube X / Giant X)
- Prima Power (Italien): Spezialisiert auf Laser- und Stanzsysteme sowie komplexe flexible Fertigungszellen (Laser Genius Plus).
- Salvagnini (Italien): Einer der Pioniere der Faserlaser-Technologie (L3, L3.G4 und L5) und Laserschneiden mit Druckluft.
- Trumpf (Deutschland): Weltweiter Taktgeber bei 2D- und 3D-Laserschneid- und Stanzkombianlagen sowie Laservollautomaten (TruLaser Serie / Cell / fiber / Center).


