Interview

„LinkedIn“ für Handwerksbetriebe

Seit November 2020 ist die Branchenplattform Zutuun online. Wie genau das funktioniert und was dahintersteckt, erklärt Jasmin Überbacher im Gespräch.

29.03.2021
Netzwerk
Diana Danbauer

Über das österreichische Netzwerk Zutuun, eine Plattform für Handwerksbetriebe, können sich Handwerksunternehmen miteinander vernetzen und voneinander profitieren. Jasmin Überbacher, Co-Geschäftsführerin und Mitbegründerin von Zutuun verrät im Interview, wie Unternehmen davon profitieren können und wie zukunftsträchtig diese Vernetzung für die gesamte Baubranche sein kann.

Was steckt hinter Zutuun genau?

Die Plattform versteht sich als Branchennetwork für Handwerker. Sie ist quasi das ‚LinkedIn‘ für Handwerksbetriebe. Es sind rund eine halbe Million Handwerker aus dem europäischen Raum dazu eingeladen sich an dem Netzwerk zu beteiligen. Allein das österreichische Bau- und Baunebengewerbe umfasst mehr als 36.000 eingetragene Unternehmen, die über 300.000 Mitarbeiter beschäftigen – trotzdem beklagen mehr als die Hälfte den permanenten Mangel an Fachkräften. Wenn es uns gelingt, dieses Volumen miteinander zu vernetzen, können auf der einen Seite viele Aufträge nicht nur rascher und qualitativ hochwertiger, sondern überhaupt abgewickelt werden und auf der anderen Seite die Produktivität der Beschäftigten innerhalb der einzelnen Unternehmen deutlich gesteigert werden.

Wie wird die Plattform bisher angenommen?

Aktuell sind viele Betriebe bereits neugierig, doch bei der tatsächlichen Registrierung sind die heimischen Unternehmer noch zurückhaltend. Wir haben also noch Luft nach oben. Die Plattform hat noch relativ großen Erklärungsbedarf, weil wir häufig noch mit einer klassischen Personalvermittlung verwechselt werden. Und das ist Zutuun gar nicht. Es geht bei uns immer um die Vernetzung von Handwerkern sämtlicher Gewerke der Baubranche.

Das gefällt vielen und wir haben auch schon einige Unternehmen, die sich registrieren. Wünschenswert wäre, dass die Betriebe ihren Bedarf noch sichtbarer machen.

Können Sie anhand eines Beispiels kurz erklären, wie das genau funktioniert?

Ich, als Geschäftsführerin der Firma Roth, muss beispielsweise einen Auftrag verschieben, für den ich in den nächsten zwei Monaten schon vier Partien eingeplant habe. Jetzt kann ich natürlich versuchen, intern zu verschieben, oder ich schaue auf Zutuun, ob nicht jemand gerade die Leute brauchen kann. Im besten Fall finde ich jemanden, mit dem ich mich niederschwellig vernetze, das heißt, ich rufe dort an und wir schauen, ob wir zusammenkommen.

Das klingt sehr einfach. Gibt es dennoch Hemmschwellen?

Der Knackpunkt ist, dass Handwerker eine sehr stolze Berufsgruppe sind und die Leute sich noch scheuen, offen zu sagen, wenn sie Hilfe brauchen. Zuzugeben, dass jemand zu viel Arbeit hat, oder gerade Arbeit braucht, fällt vielen noch schwer. Darüber hinaus ist die Arbeit im Handwerk meistens sehr operativ getrieben und alle stehen unter permanentem Zeitdruck.

Wichtig ist zu erwähnen, dass bei einer Registrierung und dem Teilnehmen am Netzwerk keinerlei Verpflichtungen entstehen. Wie gesagt, ist Zutuun kein Personalüberlassen und übernimmt auch keine weiteren Agenden. Wir bieten die Plattform, aber bei dem weiteren Prozess wie sich zwei Betriebe dann finden, Kontakt aufnehmen und sich einigen – oder auch nicht – klinkt Zutuun sich komplett aus.

Darüber hinaus wünschen wir uns durch das Wachstum des Netzwerkes auch ein übergreifendes Lernen voneinander und ein Arbeiten miteinander. Noch weiter gedacht, soll damit dem Handwerk und jedem einzelnen Betrieb eine Bühne gegeben werden. Unter anderem können wir damit auch der Jugend zeigen, wie umfassend und spannend Handwerksberufe sind. Optimalerweise soll das zukünftig auch über die Landesgrenzen hinaus stattfinden, denn wir haben halt die besten Handwerker.

https://zutuun.com/

https://www.roth-diehandwerksmeister.at/

Netzwerk gegen Fachkräftemangel

Start-up sagt Fachkräftemangel den Kampf an

Wir empfehlen folgende Artikel zum Weiterlesen

Mehr aus der Rubrik Management