Der Bodenverbrauch sinkt
In Österreich ist die Flächeninanspruchnahme in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen: von 11 Hektar pro Tag in den Jahren vor 2022 auf durchschnittlich 6,5 Hektar.
Es war eine gute Nachricht – für viele ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk: Landwirtschafts- und Umweltminister Norbert Totschnig präsentierte Ende des Vorjahres das neue Flächenmonitoring-System der Österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK). Sie erfasst erstmals bundesweit einheitlich und präzise die Flächeninanspruchnahme und Versiegelung. Die frohe Kunde, die sich gut in die Vorweihnachtszeit fügte: In der Periode von 2022 bis 2025 sank die Flächeninanspruchnahme in Österreich auf durchschnittlich 6,5 Hektar pro Tag. Zur Einordnung: Zwischen 2019 und 2022 waren es noch knapp Hektar.
Trend bestätigt
„Die Daten aus dem aktuellen Flächenmonitoring bestätigen den von uns bereits Anfang September angezeigten Trend“, meint dazu Kommentar von Wolfgang Holzhaider. Er ist Landesinnungsmeister der Bauwirtschaft in Oberösterreich und Vorsitzender der „Allianz Bodenstrategie mit Hausverstand“, ein Zusammenschluss aus mittelständischen Bauunternehmen und Vertretern der Baustoffindustrie, unterstützt von der WKO und der Gewerkschaft Bau-Holz. Holzhaiders Kommentar: „Die Neuinanspruchnahme von Flächen für bauliche Zwecke sank in den letzten Jahren rasant“. Diese Entwicklung zeige, dass die Bodenstrategie, die Länder und Gemeinden im Rahmen der ÖROK beschlossen haben, wirke.
Die Vertreter der Allianz stellen sich vehement gegen die Obergrenze von 2,5 Hektar pro Tag, die im Regierungsprogramm erneut genannt wird. Eine derartige Obergrenze würde aus Sicht von Experten die Bauwirtschaft vielerorts praktisch zum Stillstand bringen. „Einer auf Gesamtösterreich bezogenen Obergrenze, die dem Bekenntnis der Bundesregierung zu einer ausgewogenen Bodenpolitik widerspricht, weil damit sämtliche Projekte – unabhängig vom Versiegelungsgrad und den volkswirtschaftlichen Folgewirkungen – über einen Kamm geschoren werden“, heißt es von der Allianz.
Gegen 2,5 Hektar
Deren Vorsitzender Holzhaider: „Das wirft die Frage auf, mit welchen Einbußen die Bauwirtschaft noch rechnen muss, wenn an dieser Zielmarke festgehalten wird“. Er weist darauf hin, dass diese Zielmarke von 2,5 Hektar vom Rechnungshof in einem Prüfbericht von Ende April, als „weder fundiert begründet noch fundiert methodisch hergeleitet“ bezeichnet wurde.
Argumentative Unterstützung erhält Holzhaider vom Bundesinnungsmeister Robert Jägersberger: „Eine willkürlich und einseitig festgelegte Obergrenze ist keine Lösung, da eine solche vor allem den Gemeinden sämtlichen Handlungsspielraum nimmt und außerdem negative wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Folgen außer Acht lässt“, meint Jägersberger. „Im Gegensatz dazu wäre eine sorgfältig durchdachte Bodenstrategie für eine nachhaltige Entwicklung Österreichs und eine entsprechende Planungssicherheit ein positiver Ansatz. Dieser muss aber jedenfalls eine gesamthafte Abwägung aller in Betracht zu ziehenden Kriterien umfassen.“
Höchste Zeit
Der Bundesinnungsmeister plädiert zudem für einen präzisen Gebrauch der Begrifflichkeiten – und klar zwischen „Flächenverbrauch“ und „Flächenversiegelung“ zu unterscheiden. Zur Erklärung: Der Flächenverbrauch beschreibt die Umwandlung von bislang unbebauten Flächen wie Ackerland, Wiesen, Wälder in Siedlungs- und Verkehrsflächen. Der Begriff sagt aber nichts darüber aus, was genau dort passiert. Ein Weingarten, der mit Pestiziden vollgepumpt wird, ist dort ebenso erfasst, wie Gemüsegarten bei einem Einfamilienhaus. Der präzisere Begriff ist die „Flächenversiegelung“. Er beschreibt Flächen, die dauerhaft versiegelt sind. Der Boden kann kein Wasser mehr aufnehmen. Jägersberger: „Es wäre höchst an der Zeit, die tatsächliche Flächenversiegelung – anstelle des Flächenverbrauchs – als zentralen Parameter in den relevanten Statistiken sowie im öffentlichen Diskurs zu verankern.“




