„67 Monate sind absurd. Das sind fünfeinhalb Jahre.“ Die 67 Monate, die bei Alexander Pawkowicz, Geschäftsführer der Vereinigung Österreichischer Projektentwickler (Vöpe), das Gegenteil von Begeisterung auslösen, sind das Ergebnis einer bundesweiten Mitgliederbefragung der Vöpe im vergangenen Frühjahr. Es handelt sich dabei um die Zeit, die vom ersten Kontakt mit der Behörde bis zu rechtskräftigen Baubewilligung bei ihren Projekten im Durchschnitt ins Land zieht. „Und dabei reden wir noch gar nicht davon, wann tatsächlich der erste Bagger auffährt. Allein für die Widmungs- und Genehmigungsprozesse vergehen mehr als vier Jahre. Das steht in einem eklatanten Widerspruch zu den wesentlich kürzeren Fristen, die in den Baugesetzen vorgesehen sind“, so Pawkowicz weiter.

Entscheidender Hebel

Die Bau- und Genehmigungsprozesse sind aus seiner Sicht „der entscheidende Hebel“ um den Bau in Österreich wieder anzukurbeln. Mit dieser Ansicht steht er nicht allein da. In diesem Punkt waren sich auf der Herbstkonferenz der Vöpe, die vor einigen Wochen in Wien stattfand, praktisch alle Expertinnen und Experten einig. „Natürlich können wir auch die eigentliche Bauzeit verkürzen, etwa durch serielles Bauen oder andere technische Innovationen“, meint der Vöpe-Geschäftsführer. „Aber das größte Potenzial liegt eindeutig davor, nämlich in der Zeit, die vergeht, bis ein Projekt überhaupt genehmigt ist.“

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Peter Ulm, Vizepräsident der Vöpe und Geschäftsführender Gesellschafter von Allora Immobilien, ergänzt: „Wir müssen wieder mehr bauen. Dafür brauchen wir deutlich einfachere Rahmenbedingungen. Finanzierung, Regulatorik und Genehmigungen dürfen nicht länger zu Bremsklötzen für notwendige Investitionen werden.“

Viele Vorschriften

Das Hauptproblem sind aus Sicht viele Fachleute die überbordenden Vorschriften. „Wir haben immer mehr Regeln, die sich teilweise sogar widersprechen“, kritisiert Pawkowicz. Ein verweist auf ein Beispiel aus Graz. Dort sei die Zahl der Mitarbeiter*innen in der Verwaltung gestiegen, während gleichzeitig die Zahl der eingereichten Bauprojekte zurückgegangen sei. Trotzdem würden die Verfahren immer länger dauern. Der Vöpe-Geschäftsführer: „Wir haben also mehr Personal, weniger Einreichungen und längere Bearbeitungszeiten. Das zeigt deutlich, dass zusätzliche Mitarbeiter allein das Problem nicht lösen. Wir müssen vor allem die regulatorische Komplexität reduzieren.“

Alexander Pawkowicz, Geschäftsführer Vöpe
Alexander Pawkowicz, Geschäftsführer Vöpe: „67 Monate sind absurd. Das sind fünfeinhalb Jahre. Und dabei reden wir noch gar nicht davon, wann tatsächlich der erste Bagger auffährt." © Alba Communications/Clemens Niederhammer

Wie das gelingen kann, beschreibt Pawkowicz anhand einer Regelung der OIB-Richtlinie 6: Österreich hatte bis vor Kurzem besonders hohe Anforderungen zur Raumtemperatur, die für die Berechnung des Heizwärmebedarfs angenommen wurde. Sie lag mit 22 Grad Celsius im europäischen Spitzenfeld. „Selbst in Finnland galten niedrigere Anforderungen“, so der Vöpe-Vertreter.  „Derartige Vorgaben haben unmittelbare Auswirkungen auf die Baukosten. Man benötigt stärkere Wärmedämmungen, aufwendigere Fenster und entsprechend dimensionierte Heizungsanlagen. Das macht Gebäude teurer und erhöht auch den Planungs- und Prüfaufwand.“

Auf 20 Grad gesenkt

Nach intensiven Gesprächen mit den Verantwortlichen wurde diese Vorgabe nun auf 20 Grad gesenkt. „Das zeigt, dass Veränderungen möglich sind und unsere Interessenvertretung etwas bewirken kann“, meint Pawkowicz. „Allerdings sind es viele kleine Schritte, die notwendig sind. Wir könnten einen ganzen Katalog mit Vorschriften zusammenstellen, bei denen Vereinfachungen sinnvoll wären. Entscheidend ist, dass wir diese Themen systematisch angehen.“

„Wenn wir Wachstum, Wohnbau und Investitionen wieder ankurbeln wollen, müssen wir dort ansetzen, wo Projekte heute Zeit und Geld verlieren“, meint auch Vöpe-Vizepräsident Ulm. „Weniger bürokratische Komplexität ist die Voraussetzung dafür, dass Österreich wieder mehr und leistbarer bauen kann.“