Bei einem Pressegespräch der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich Ende Jänner wurde die Gesamtlage nüchtern analysiert. Dabei kam es zu einem klaren Appell an Politik und Verwaltung, strukturelle Entlastung zu schaffen. Neben der Konjunktur standen auch die Themen Fachkräftesicherung, Lehrlingsförderung und Bürokratieabbau im Mittelpunkt.
Geschäftslage weiterhin eingetrübt
Die Branchenanalyse der KMU Forschung Austria für das vierte Quartal 2025 zeigt ein markantes Absinken der Stimmung in der SHK-Branche. Nur noch 19 Prozent der befragten Installateurbetriebe beurteilten ihre Geschäftslage als gut, während 37 Prozent sie als schlecht einstuften. Damit ergibt sich ein negativer Saldo von 18 Prozentpunkten – eine deutliche Verschlechterung gegenüber dem Vorquartal, in dem dieser Wert noch bei minus drei Prozentpunkten lag.
Gleichzeitig nahm auch der Anteil jener Betriebe ab, die die Lage als saisonüblich bezeichnen: Nur 44 Prozent gaben diese Einschätzung ab, gegenüber 51 Prozent im dritten Quartal. Damit ist die SHK-Branche schlechter gestimmt als das Gewerbe und Handwerk insgesamt, das laut Gesamtbericht der KMU Forschung ebenfalls rückläufige Werte, aber einen etwas weniger ausgeprägten Negativsaldo aufwies.

(C) KMU Forschung Austria
Weniger Auslastung
Der durchschnittliche Auftragsbestand sicherte im vierten Quartal 2025 nur noch 12,4 Wochen Vollauslastung. Im Vergleich zum vierten Quartal 2024 bedeutet das ein Minus von 16,6 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit Jahren und liegt deutlich unter dem Indexwert von 2020 bis 2023. Damit fehlt vielen Betrieben jene wirtschaftliche Grundsicherung, die für stabile Planung und Investitionen notwendig wäre.
67 Prozent des Gesamtauftragsvolumens entfielen zuletzt auf private oder gewerbliche Auftraggeber. Öffentliche Bauprojekte über Generalunternehmer oder Bauträger machten 24 Prozent aus. Direktvergaben durch Bund, Länder oder Gemeinden spielten mit neun Prozent eine vergleichsweise geringe Rolle.
Fast 40 Prozent der Betriebe gaben an, im vierten Quartal 2025 nur über einen Auftragsvorlauf von ein bis vier Wochen zu verfügen. 34 Prozent lagen bei fünf bis neun Wochen. Lediglich 18 Prozent hatten zehn bis neunzehn Wochen an Aufträgen in der Pipeline. Nur 5 Prozent verfügten über mehr als 20 Wochen Auslastung. Besorgniserregend: 4 Prozent der Betriebe hatten gar keinen Auftragsbestand. Zudem meldeten 52 Prozent der Unternehmen, dass sie sofort zusätzliche Aufträge übernehmen könnten. Weitere 38 Prozent wären innerhalb von drei Monaten verfügbar. Das zeigt: Die Kapazitäten sind vorhanden – es fehlt jedoch an Nachfrage.
Spartenobmann Manfred Denk © WKÖ Nadine Studeny
„Wir stehen an einer Wegscheide. Sollte sich die Bauleistung nicht bis Mitte des Jahres deutlich bessern, haben wir ein echtes Problem.“
Manfred Denk, MBA – Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ
Verhaltene Erwartungen
Für die kommenden Monate bleibt die Branche vorsichtig. Laut KMU Forschung erwarten 14 Prozent der Betriebe steigende Auftragseingänge im Vergleich zum ersten Quartal 2025, 62 Prozent rechnen mit gleichbleibender Lage und 24 Prozent befürchten Rückgänge. Der Saldo aus positiven und negativen Erwartungen liegt damit bei minus 10 Prozentpunkten. Zwar ist das weniger pessimistisch als im vorangegangenen Quartal (minus 20), aber von einem Stimmungsumschwung kann keine Rede sein. Im Gegenteil: Die erwartete Stabilität auf niedrigem Niveau zeigt, wie wenig Optimismus derzeit in der Branche vorherrscht.
Fachkräfte und Lehre unter Druck
Ein zentrales Thema der Pressekonferenz war die Sicherung des Fachkräftebedarfs. Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, warnte vor den langfristigen Folgen der aktuellen Entwicklung: Die Lehrlinge, die heute nicht ausgebildet werden, fehlten morgen als Fachkräfte und Monteure.
Aktuell seien rund 44.000 junge Menschen in Betrieben des Gewerbes und Handwerks in Ausbildung. Das seien weniger als im Vorjahr, und das Minus ziehe sich durch alle Sparten. Die Gründe sieht Denk unter anderem in der demografischen Entwicklung, dem sinkenden Bekanntheitsgrad der Lehre in migrantischen Communities, aber auch in einem steigenden Aufwand für die Betriebe. Viele Jugendliche brächten zunehmend Defizite in der Grundbildung mit. Gleichzeitig steige der bürokratische Aufwand für Ausbildungsbetriebe.
Auch die Finanzierung stelle eine Herausforderung dar: Die staatliche Förderung sei gedeckelt, während die Lehrlingseinkommen in den letzten Jahren stark gestiegen seien. Denk betonte, dass die Ausbildung für Betriebe eine Investition mit ungewissem Ausgang darstelle. Die betriebliche Lehre sei für die öffentliche Hand dennoch die günstigste Ausbildungsform. Ein Lehrling koste den Staat im Schnitt 6.000 Euro pro Jahr, ein Schüler an einer berufsbildenden Schule das Doppelte. Wenn die Lehrstellenförderung nicht planbar bleibe, werde der Ausbildungsmotor ins Stocken geraten.
Bürokratieabbau gefordert
Reinhard Kainz, Geschäftsführer der Bundessparte, verwies auf das im Dezember präsentierte Maßnahmenpaket zum Bürokratieabbau. Wichtige Punkte seien dabei enthalten – etwa die Anhebung der Umsatzschwelle für Buchhaltungspflichten oder die vereinfachte Genehmigung von PV-Anlagen. Dennoch bleibe die Entlastung auf halber Strecke stehen. Bürokratieabbau müsse ein dauerhafter politischer Auftrag sein, keine Einmalaktion.
Kritisch äußerten sich Denk und Kainz zur neuen Hitzeschutzverordnung. Sie bringe aus Sicht der Betriebe keine tatsächliche Verbesserung für Arbeitnehmende, wohl aber eine neue Welle an Dokumentationspflichten. Ab Hitzestufe 2 – das entspricht 30 Grad Celsius – seien nun detaillierte Aufzeichnungen erforderlich, etwa über Maßnahmen zur Arbeitszeitverlagerung oder Kühlung. Denk sagte, er kenne aus eigener Erfahrung als Installateur die Herausforderung von Sommerbaustellen. In der Praxis sei es aber längst üblich, Arbeiten bei Hitze in die frühen oder späten Tagesstunden zu verlagern. Die neue Regelung gehe an der Realität vorbei und treffe Betriebe genau in arbeitsintensiven Phasen.
Lohntransparenz als Bürokratiefalle
Auch die Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie wurde kritisch gesehen. Kainz sprach von einem Bürokratiemonster. Die Richtlinie bringe neue Berichtspflichten, die bestehende Kollektivvertragssysteme massiv belasten würden. In Summe müssten über 600 Lohn- und Verwendungsgruppen neu bewertet werden. Kainz betonte, dass das ein Eingriff in die Autonomie von Betrieben sei, Leistungen realistisch einzuschätzen. Vieles lasse sich auf betrieblicher Ebene regeln – neue gesetzliche Vorgaben seien dafür nicht notwendig. Die Forderung der Sparte lautet: kein Goldplating bei der nationalen Umsetzung.
