Christian Höberl über die Geschäftslage im laufenden Jahr:
Anspruchsvoll ist noch harmlos ausgedrückt. Wir liegen ungefähr auf Vorjahresniveau und damit hinter unserem Plan. Gleichzeitig steigen die Kosten, sodass heute deutlich mehr Umsatz notwendig ist, um dieselben Ergebnisse wie früher zu erzielen. Das schaffen wir derzeit nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass die Förderung für die thermische Sanierung im Februar praktisch über Nacht eingestellt wurde. Solche Entscheidungen sorgen für große Unsicherheit im Markt.
Getrennte Töpfe
Wie er die neue Regelung für die Förderungen bei Heizungstausch und thermischer Sanierung beurteilt, die ab 2027 gelten soll:
Bisher lagen der Austausch von Heizkesseln und die thermische Sanierung der Gebäudehülle in einem gemeinsamen Fördertopf. Das hat dazu geführt, dass unterschiedliche Interessen miteinander konkurriert haben. Die Trennung schafft hier hoffentlich mehr Klarheit und Planbarkeit.
Wann er wieder mit einer Erholung der Baukonjunktur rechnet:
Wir sagen seit drei Jahren, dass es im nächsten Jahr besser wird. Trotzdem bin ich auch diesmal vorsichtig optimistisch. Wenn man durch das Land fährt, sieht man, dass wieder Bauprojekte begonnen werden. Vieles wurde lange aufgeschoben, aber es bewegt sich etwas. Bis das bei uns in der Putz-, Mörtel- und Estrichbranche ankommt, dauert es allerdings. Ich erwarte deshalb keinen schnellen Aufschwung, sondern eher eine schrittweise Verbesserung – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen stimmen und es kommt nicht wieder etwas völlig Unvorhersehbares.
Was er sich für Röfix bis 2030 vorgenommen hat:
Wir wollen einfacher und schneller werden. Wir müssen unsere Strukturen an die heutige Zeit anpassen, Prozesse verschlanken und stärker digitalisieren. Gleichzeitig wollen wir kundenorientierter, effektiver und profitabler werden. Wachstum um jeden Preis ist ausdrücklich nicht unser Ziel.
Was das konkret bedeutet …
Wir hatten bislang acht Verkaufsniederlassungen mit acht Dispositionen, achtmal Auftragsmanagement und acht Backoffice-Strukturen. Diese Aufgaben organisieren wir stärker zentral. Die Mitarbeiter bleiben trotzdem vor Ort, denn unsere Kunden brauchen persönliche Ansprechpartner. Aber wenn beispielsweise zwei Kollegen an einem Standort gerade nicht erreichbar sind, kann künftig ein Mitarbeiter an einem anderen Standort übernehmen. Für den Kunden soll es einfacher werden, uns zu erreichen und sein Anliegen rasch erledigt zu bekommen.
… und was noch:
Wir hinterfragen auch unser Sortiment: Welche Produkte brauchen wir tatsächlich noch? Manche Produkte stammen aus einer Zeit, in der es heutige Lösungen noch gar nicht gab. Wir wollen deshalb sowohl beim Sortiment als auch bei unseren internen Abläufen schlanker werden. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Kundennähe.
Welche Rolle die Digitalisierung dabei spielt:
Eine große: Ein gutes Beispiel ist unsere Kundenplattform my Röfix. Dort können Kunden ihre Angebote, Rechnungen, Lieferscheine und andere Dokumente selbst verwalten und einem Bauvorhaben zuordnen. Sie können auch am Wochenende oder in der Nacht eine Silo-Abholung disponieren oder rund um die Uhr Lagerware bestellen. Damit bieten wir unseren Kunden mehr Flexibilität und einfachere Abläufe.
Was er sich von der Politik erwartet, um die Bauwirtschaft zu unterstützen:
Vor allem klare und stabile Rahmenbedingungen. Die Unternehmen müssen planen können. Dazu kommt die Bürokratie. Die Zahl und Komplexität der Vorgaben binden inzwischen enorme personelle und finanzielle Ressourcen. Große Unternehmen können eigene Teams dafür aufstellen, für kleine Betriebe kann das aber zu einem echten Problem werden. Wenn Kleinunternehmer bestimmte Märkte nicht mehr bedienen, weil sie die regulatorischen Anforderungen nicht mehr bewältigen können, läuft etwas falsch.
Wo er die Zukunft der Baubranche sieht:
Ich bin überzeugt, dass die Zukunft nicht primär im Neubau liegt, sondern in der Sanierung des Bestands. In unseren Städten und Ortszentren stehen Wohnungen, Geschäfte und andere Gebäude leer. Wenn wir diese Immobilien sanieren und wieder einer Nutzung zuführen, können wir bestehenden Raum besser nutzen und gleichzeitig den Flächenverbrauch reduzieren. Außerdem besteht die Chance, wieder mehr Leben in die Ortszentren zu bringen.