Der Gebäudebestand wird zu einem der wichtigsten Handlungsfelder, wenn es darum geht, Gebäude für den Klimawandel fit zu machen. Denn neben der Reduktion von Treibhausgasemissionen müssen Gebäude künftig auch mit häufigeren Hitzeperioden und Starkregenereignissen zurechtkommen. Wie sich Klimaschutz und Klimaanpassung beim Sanieren, Weiterbauen und im Neubau verbinden lassen, ist daher eines der Leitthemen der BAU 2027, die von 11. bis 15. Jänner in München (D) stattfindet.
Der Bestand wird zum zentralen Handlungsfeld
Der Anpassungsbedarf ist groß: Laut einer Prognos-Studie sind in Deutschland bis 2035 Investitionen von 137 Milliarden Euro bei einem moderaten und bis zu 237 Milliarden Euro bei einem starken Klimawandel erforderlich. Im Szenario eines moderaten Klimawandels entfallen 86 Prozent davon auf bestehende Gebäude. Klimaanpassung wird damit vor allem zu einer Aufgabe des Sanierens und Umbaus.
Auch beim Klimaschutz liegt ein wesentlicher Hebel im Bestand. Mehr als drei Viertel der Wohngebäude und Wohnungen in Deutschland werden derzeit noch mit Öl oder Gas beheizt. Energetische Sanierung und die Umstellung auf erneuerbare Wärme müssen daher zunehmend mit Maßnahmen zum Schutz vor Hitze und Starkregen zusammengedacht werden.
Hitze verändert die Anforderungen
Der sommerliche Wärmeschutz gewinnt dabei weiter an Bedeutung. Nicht nur steigende Außentemperaturen, sondern auch Gebäudegeometrie, Verschattung, Wind, solare Einstrahlung und die verwendeten Oberflächen beeinflussen das Mikroklima. Bauliche Maßnahmen wie Verschattung, Speichermasse, natürliche Belüftung und Nachtkühlung können dazu beitragen, den technischen Kühlbedarf zu reduzieren.
Auch Dächer und Fassaden bekommen dabei zusätzliche Funktionen. Sie können zur Verschattung, Begrünung und zum Wasserrückhalt beitragen. Gerade auf dicht bebauten Grundstücken wird die Mehrfachnutzung vorhandener Flächen wichtiger.
Mehrfachnutzung auf dem Dach
Starkregen stellt eine weitere Herausforderung dar. Entscheidend ist nicht nur, wo Wasser anfällt, sondern auch, wie es abfließt und wo es zurückgehalten werden kann. Besonders gefährdet sind unter anderem Keller, Tiefgaragen und tieferliegende Gebäudebereiche.
Das Dach wird damit zunehmend Teil einer klimaangepassten Infrastruktur. Photovoltaik, Begrünung, Gebäudetechnik und Regenwasserrückhalt müssen auf der begrenzten Fläche miteinander kombiniert werden. Bei frühzeitiger Abstimmung von Tragwerk, Dachaufbau, Abdichtung und Entwässerung können sich die unterschiedlichen Funktionen ergänzen. Retentionsdächer, Begrünung und Photovoltaik verbinden dabei Klimaanpassung und Klimaschutz auf derselben Fläche.
Früh planen, besser anpassen
Ob ein Gebäude mit Hitze und Starkregen umgehen kann, entscheidet sich vielfach bereits in den ersten Planungsphasen. Stadtklimaanalysen, Starkregengefahrenkarten und digitale Modelle können zeigen, wo Verschattung, Vegetation, Versickerung oder Retention besonders wirksam sind. Dafür müssen Architektur, Freiraumplanung, Wasserwirtschaft und technische Fachplanung frühzeitig zusammenspielen. Für das Bauhandwerk eröffnen sich damit zahlreiche neue Aufgabenfelder.
Auf der BAU 2027 werden dazu Lösungen aus unterschiedlichen Bereichen gezeigt – von Gebäudehüllen, Sonnenschutz und Gebäudetechnik über Dach- und Fassadensysteme bis zu Regenwassermanagement und digitalen Planungswerkzeugen.
(bt)
Nähere Infos: bau-muenchen.com