„Nun muss auch die bislang gute Zahlungsmoral den jüngsten Krisenjahren Tribut zollen“, meint man beim Kreditschutzverband KSV1870. Laut aktuellen Zahlen des KSV1870 wird in Österreich mittlerweile jede fünfte Rechnung zu spät bezahlt. Im Vorjahr war es jede sechste (17 Prozent). Gleichzeitig hat sich die Zahlungsdauer bei Firmenkunden um vier auf 29 Tage verlängert. Bei den Ländern beträgt sie 32 und bei den Gemeinden 27 Tage – jeweils ein Plus von einem Tag. Parallel dazu sind nur noch 42 Prozent (Herbst 2025: 47 Prozent) der Unternehmen mit ihrer Geschäftslage zufrieden. „Das ist der niedrigste Wert seit 2020“, so die Kreditschützer. Weiters sehen sich die Betriebe häufig mit einer schwachen Umsatzentwicklung konfrontiert und ein Drittel der Befragten blickt sorgenvoll auf 2027.
Weniger gut oder sehr gut
Im August 2026 haben lediglich 42 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage mit „sehr gut“ oder „gut“ eingestuft. Das sind um fünf Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr und bedeutet einen historischen Tiefpunkt, wie aus der aktuellen Austrian-Business-Check-Umfrage des KSV1870 hervorgeht. Lediglich im ersten Jahr der Corona-Krise, im Herbst 2020, war die Geschäftslage noch schlechter. „Die Inflation, der anhaltend schwache Konsum und die erneute Verschärfung der Öl- und Energiepreise haben dazu geführt, dass die Geschäftslage auf dem harten Boden der Realität aufgeschlagen ist“, sagt Ricardo-José Vybiral, CEO des KSV1870. „Angesichts der aktuellen Situation birgt jede weitere Verschlechterung der Zahlungsmoral ein großes Risikopotenzial, wodurch sich die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen weiter verschlechtern könnte.“
Tendenz nach unten
Während zwischen Herbst 2025 und Frühjahr 2026 noch punktuelle Verbesserungen zu beobachten waren, weist die Wirtschaftsentwicklung seit dem heurigen Frühjahr überwiegend nach unten. Im Gewerbe (46 Prozent), im Dienstleistungssektor (44 Prozent) und ganz besonders im Handel (35 Prozent) hat sich die Situation in den vergangenen Monaten zunehmend verschärft. Einzig die Industrie (40 Prozent) konnte ihr (niedriges) Niveau zuletzt halten, wenngleich auch sie im Jahresvergleich an Boden verloren hat. Auf Bundesländerebene gibt es in Vorarlberg (55 Prozent) die meisten Betriebe mit einer positiven Geschäftslage, während Kärnten (35 Prozent) das Schlusslicht bildet.
Erschwert wird die gegenwärtige Situation dadurch, dass sich im Jahresvergleich drei von vier Betrieben (72 Prozent; + 5 Prozentpunkte gegenüber 2025) mit einer rückläufigen (23 Prozent) oder einer maximal gleichbleibenden Umsatzentwicklung (49 Prozent) konfrontiert sehen – nur 28 Prozent haben zuletzt ein Umsatzplus verzeichnet. Ein Grund dafür ist das sich zuletzt wesentlich veränderte Konsumverhalten: So sagt die Hälfte (51 V) der Betriebe, dass Privatpersonen heute weniger Geld ausgeben als vor drei Jahren.
Spitz auf Knopf
Wie die aktuelle KSV1870 Umfrage zeigt, werden 55 Prozent der Unternehmen laut Eigenangabe das Geschäftsjahr 2026 mit Gewinn abschließen – im Gewerbe (61 Prozent) fällt dieser Anteil am höchsten aus. Während das Gesamtergebnis gegenüber dem Vorjahr ein leichtes Plus von einem Prozentpunkt bedeutet, ist im mehrjährigen Vergleich ein deutlicher Rückgang erkennbar: 2021 haben noch 63 Prozent mit Gewinn abgeschlossen. Darüber hinaus dürften 28 Prozent (2025: 25 Prozent) der Betriebe am Jahresende eine „Schwarze Null“ erzielen – insbesondere die Industrie (32 Prozent) und der Dienstleistungssektor (31 Prozent).
„Gelingt es einem Unternehmen nur knapp, schwarze Zahlen zu schreiben, ist das ein Alarmzeichen. Denn in diesen Fällen könnte sich bei weiteren Preiserhöhungen, Umsatzverlusten oder gröberen Zahlungsausfällen rasch die Existenzfrage stellen“, so Vybiral. Weiters erwarten neun Prozent (2025: 11 Prozent) am Jahresende einen Verlust, während bei den restlichen acht Prozent der Ausgang gegenwärtig noch offen ist.
Verpflichtungen mehr oder minder pünktlich nach und begleicht Rechnungen zeitnah, obwohl die finanziellen Belastungen auch für sie in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind. Wie die Ergebnisse zeigen, ist das in anderen Kundenkreisen keine Selbstverständlichkeit“, so Koch. Auch im 10-Jahresvergleich kehren die Privatkunden auf ein gewohntes Niveau zurück, nachdem sich ihre Zahlungsdauer im Vorjahr um zwei Tage verlängert hat.