Bei energieeffizienten Bauten ging es lange vor allem darum, den Heizenergiebedarf zu senken und die Wärmedämmung zu verbessern. Mit den Folgen des Klimawandels verändern sich jedoch die Anforderungen an Gebäude. Zunehmende Extremwetterereignisse wie langanhaltende Hitzewellen mit Tropennächten und Trockenheit, Unwetter, Starkregen und Hochwasser sowie häufigere Stürme und Hagel belasten Bauwerke und ihre Nutzenden gleichermaßen. Gefragt sind widerstandsfähige Gebäude, die diesen Ereignissen trotzen und sowohl die Sicherheit als auch die Wohngesundheit der Bewohnerinnen und Bewohner unterstützen.
Sommerlicher Wärmeschutz durch passive Maßnahmen
Der Klimawandel ist inzwischen besonders in den Sommermonaten spürbar. Hitzeperioden mit mehr als 30 Grad Celsius über mehrere Tage hinweg sind keine Seltenheit mehr. Das zeigt auch der Klimastatusbericht 2024: Österreich verzeichnete mit Abstand das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen – mit den bislang längsten Hitzeperioden und der höchsten Anzahl an Tropennächten.
Umso wichtiger ist der Hitzeschutz von Gebäuden, der bereits in der Planungsphase mitbedacht wird. Dabei sind die Gebäudeorientierung, die Raumorganisation und die Fensterplanung entscheidende Faktoren. Räume, die nach Süden ausgerichtet sind, erhalten über den Tag die meiste Sonneneinstrahlung und heizen sich in den Sommermonaten stark auf, insbesondere durch große Fensterflächen. Die Anordnung der Fenster trägt wesentlich dazu bei, dass eine natürliche Lüftung, insbesondere Querlüftung über zwei gegenüberliegende Fenster, möglich ist. Horizontale Bauteile wie Dachüberstände, Vordächer und Balkone können dagegen als Sonnenschutz fungieren.
Eine passive Strategie zur Reduzierung der Hitzeaufnahme ist die Begrünung von Fassaden und Dächern. Solche naturbasierten Lösungen wirken wie natürliche Klimaanlagen, spenden Schatten und bieten Lebensraum für Vögel und Insekten.
Weitere Maßnahmen:
- Eine kompakte Bauweise mit einem geringen Verhältnis von Oberfläche zu Volumen minimiert den Wärmeeintrag im Sommer und hält umgekehrt im Winter die Wärme im Haus.
- Helle Farben auf Dächern und Fassaden reflektieren das Sonnenlicht und minimieren die Wärmeaufnahme.
- Außenliegende Sonnenschutzlösungen wie Jalousien, Rollläden oder Markisen blockieren die Sonneneinstrahlung.
- Innenliegende Systeme wie Plissees oder beschichtete Innenrollläden bestehen aus speziellen Materialien, die die Wärme reflektieren.
- Sonnenschutzfenster ermöglichen es, den Lichteinfall zu steuern, und verhindern ebenfalls, dass unerwünschte Wärme in die Innenräume gelangt.
- Sonnenschutzfolien reflektieren durch ihre spezielle Beschichtung einen Teil der Sonnenstrahlung und schützen zugleich vor UV-Strahlung.
Starkregen mitdenken und Bauschäden vermeiden
Der Klimawandel bringt nicht nur Hitzeperioden mit sich, sondern auch starke Niederschläge, die Gebäude belasten. Eine wirksame Vorsorge beginnt bereits bei der Planung des Grundstücks. Versiegelte Flächen sind möglichst frühzeitig zu verringern, damit Regenwasser versickern kann und die Kanalisation entlastet wird. Geländevertiefungen (Retentionsmulden) oder Versickerungsschächte können Niederschlagswasser aufnehmen und zeitverzögert wieder abgeben.
Zum Schutz der Bausubstanz sollte zudem verhindert werden, dass Wasser in das Haus eindringt. Bodenschwellen oder Schutzmauern leiten Wasser gezielt von der Gebäudehülle weg. Besonders gefährdete Bereiche wie Lichtschächte, Kellertreppen und Eingänge benötigen Aufkantungen sowie wasser- und druckdichte Ausführungen. Heizungsanlagen, Elektroverteiler und andere technische Systeme sollten so positioniert werden, dass sie sicher vor Hochwasser sind. Eine Rückstausicherung wiederum verhindert, dass Abwasser in den Hausanschluss eindringt. Während Grün- und Retentionsdächer Regenwasser zwischenspeichern, schützen Dachüberstände, Regenrinnen und Fallrohre die Fassade vor Feuchtigkeitsschäden.
Wie relevant solche Vorsorgemaßnahmen inzwischen sind, zeigte das Starkregen- und Hochwasserereignis infolge des Italientiefs „Anett“ im September 2024. Niederösterreich war besonders betroffen und wurde zum Katastrophengebiet erklärt.
Gebäudehülle gegen Sturm und Hagel schützen
Auch Stürme und Hagel stellen für die Gebäudehülle und außenliegende Bauteile eine Gefahr dar. Das Schadensrisiko steigt vor allem in exponierten Lagen, weshalb auch hier Schutzmaßnahmen berücksichtigt werden sollten. So haben sich Hecken und Bäume als wirksamer Windschutz bewährt. Sie bremsen Luftströmungen, ohne sie vollständig abzulenken, und können die Windgeschwindigkeit im geschützten Bereich drosseln.
Ebenso entscheidend ist die Sicherung der Dachkonstruktion. Geneigte Dächer sollten mit Sturmklammern ausgestattet werden, um das Ablösen einzelner Dachziegel zu verhindern. Bei Flachdächern sind Rand- und Eckbereiche gegen Windsog zu sichern. Neben der mechanischen Befestigung und vollflächigen Verklebung ist auch eine Auflast mit einer Kiesschüttung oder Dachbegrünung denkbar.
Robuste Fassadensysteme wie vorgehängte hinterlüftete Konstruktionen oder zweischaliges Mauerwerk schützen zuverlässig vor Hagelkörnern oder umherfliegenden Gegenständen. Zusätzlichen Schutz bieten hagelresistente Photovoltaikmodule sowie Schutzgitter, die über sensiblen Dachöffnungen angebracht werden.
Natürliche Baustoffe für ein gesundes Raumklima
Häufigere Extremwetter machen nicht zuletzt auch die passende Baustoffwahl entscheidender denn je. Baumaterialien sollten gerade gegenüber wiederkehrenden Frost-Tau-Wechseln und starken Temperaturschwankungen widerstandsfähig sein. Eine effektive Dämmung schützt beispielsweise nicht nur vor Kälte im Winter, sondern auch vor eindringender Wärme.
Neben der Materialwahl beeinflusst auch die Gebäudeform die Klimaresilienz. Eine kompakte Bauweise mit einem geringen Verhältnis von Oberfläche zu Volumen reduziert den Wärmeeintrag im Sommer und begrenzt zugleich Wärmeverluste im Winter. Ein besonders umweltfreundlicher und nachhaltiger Hitzeschutz sind natürliche Dämmstoffe wie zum Beispiel Hanf, Holzfaserdämmplatten, Schafwolle, Kork und Zellulose. Durch ihre Eigenschaft, Feuchtigkeit aufzunehmen und bei Bedarf wieder an die Raumluft abzugeben, fördern sie ein gesundes Raumklima.
In Regionen mit erhöhtem Starkregenrisiko empfiehlt sich insbesondere der Einsatz diffusionsoffener und durchfeuchtungsfähiger Baustoffe, die nach Wassereintritt schadlos austrocknen können. Holzbauteile benötigen dabei einen wirksamen konstruktiven Feuchteschutz. Im Innenausbau verhindern Lehm- und Kalkputze die Bildung von Kondensat und Schimmel, was die Luftqualität in den Räumen spürbar verbessert. Gerade im österreichischen Wohn- und Objektbau bieten regionale, natürliche Baustoffe großes Potenzial, um Energieeffizienz und Wohngesundheit miteinander zu verbinden.
Werterhalt von Immobilien
Klimaresilientes Bauen ist längst mehr als eine Frage des Umwelt- und Gesundheitsschutzes. Die Anpassung an den Klimawandel gewinnt auch aus wirtschaftlicher Sicht an Bedeutung. Gebäude, die besser gegen Hitze, Starkregen oder Sturm geschützt sind, müssen seltener instand gesetzt beziehungsweise saniert werden und tragen zum Werterhalt einer Immobilie bei. Maßnahmen zur Verbesserung des Wärmeschutzes, etwa in Form von Dach- und Fassadenbegrünung (), werden in vielen Bundesländern und Städten wie Graz oder Wien bereits gezielt unterstützt.
Der Autor

Christian Schaar ist Geschäftsführer der S2 GmbH. Seine baubiologischen Kenntnisse erlangte er durch den täglichen Umgang mit Problemen der Baubiologie in verschiedenen Unternehmen des ökologischen Holzbaus. Als Geschäftsführer eines Planungsbüros mit Schwerpunkt ökologischer Holzbau wird er bei Neubauprojekten und Sanierungen regelmäßig mit baubiologischen Fragestellungen konfrontiert und als Experte auf diesem Gebiet konsultiert.