In unserer Serie „KI im Workflow der Tischlerei“ ging es im ersten Teil (Tischler Journal 09/2026) um die KI-Basics und wie man den Einstieg schafft. Der vorliegende zweite Teil zeigt Anregungen, wie man mit den KI-Tools „spricht“. Im dritten Teil (Tischler Journal 11/2026) präsentieren wir konkrete „Einsätze“ aus der täglichen Tischlerpraxis.
Business-Account ist ein Muss
Bevor es „losgeht“, müssen datenschutzrechtliche Vorgaben beachtet werden. Sobald Kundendaten im Spiel sind (Anfragen, Grundrisse, Kalkulationen oder Verträge), braucht der Betrieb einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit dem Anbieter. Den gibt es nur zu den kostenpflichtigen Businesskonten. Ohne AVV ist die Verarbeitung von Kundendaten nicht zulässig.
Chancen und Grenzen
So groß die Zeitersparnis auch ist, so wichtig ist die fachliche Kontrolle seitens einer Tischlerfachkraft. Der Faktencheck bleibt immer Pflicht: KI-Systeme können „fantasieren“. Wichtig zu wissen: Die KI-Antworten sind nicht von „Menschenhand“ entworfen, sie sind digital generierte „Entwürfe“, die man nicht automatisch 1:1 übernehmen sollte.
Wie „spreche“ ich mit KI-Tools?
Da KI-Tools sich (noch) nicht selbst „anweisen“ können, sind klare Befehle (Prompts) notwendig, die vorzugsweise von einer langjährig im Betrieb tätigen Tischlerfachkraft kommen. Diese kennt die hauseigenen Prozesse und Anforderungen am besten, kann strukturierte KI-Anweisungen geben, um damit die gewünschten Ergebnisse zu „generieren“. Einige Punkte für das Prompting sind zu beachten:
- Klare, präzise Fragen formulieren, dafür eine einfache, verständliche Sprache verwenden. Zweideutigkeiten, Metaphern oder vage Begriffe sind zu vermeiden.
- Fokussiert fragen erleichtert der KI, „nicht abzuschweifen“. Komplexe Aufgaben besser in mehreren kleinen Schritten abfragen.
- Kontext angeben: gezielt angeben, für wen das Ergebnis (Tischler-Meister, Lehrling, Arbeitsvorbereitung, Kunde) sein soll.
Nachfolgend einige Beispiele, wie KI-Befehle für vier „Arbeitsphasen“ im Tischleralltag aussehen können. Die Prompts dienen nur als Anregung, um die jeweiligen KI-Tools zu testen – die Antworten können durchaus spannend ausfallen, frei nach Karl Farkas: „Schau´n Sie sich das an!“
1. Entwurf, Konstruktion & Materialauswahl
Fotorealistischer Entwurf: „Erstelle ein 3D-Rendering für eine moderne Küche in einer kleinen Single-Wohnung. Das Holz soll hell sein.“ (Ergebnis siehe Bild oben).
Konstruktion: „Ich bin Tischlermeister und möchte einen massiven Küchentisch aus Eichenholz bauen für eine vierköpfige Famile. Die Maße sind 200 cm lang x 90 cm breit.“
Materialauswahl: „Ein Kunde möchte eine Arbeitsplatte für die Küche in Beton-Optik, aber keinen echten Beton wegen des Gewichts. Welche Plattenwerkstoffe oder Beschichtungen bieten sich als Alternative an?“
2. Kundenkommunikation & Angebote
Kostenvoranschlag professionell formulieren: „Schreibe eine freundliche, professionelle E-Mail an einen Kunden. Ich muss ihm mitteilen, dass das Angebot für den Schlafzimmerschrank um zehn Prozent teurer wird, weil die Materialpreise für Zirbenholz gestiegen sind.“
Erklärung der Qualität: „Erkläre einem Kunden in einfachen Worten und ohne Fachchinesisch, warum ein handgefertigter Tisch vom Tischler aus Massivholz langlebiger und nachhaltiger ist als ein kostengünstiger Tisch von einem Möbeldiscounter.“
3. Marketing & Social Media
Instagram-Post: „Schreibe einen spannenden Instagram-Post mit passenden Hashtags für unsere Tischlerei. Wir haben gerade eine stylische Küche mit LED-Beleuchtung fertiggestellt.“
Eine mögliche Antwort lautet: „Küchentraum wird Wirklichkeit: Modern, funktional und ein absoluter Hingucker: Wir haben diese stylische Küche gerade fertiggestellt! Das absolute Highlight? Die integrierte LED-Beleuchtung. Sie setzt die hochwertigen Oberflächen ideal in Szene und sorgt abends für die richtige Wohlfühlatmosphäre beim Kochen. Jedes Detail haben wir maßgeschneidert, exakt nach Kundenwunsch umgesetzt. Wir lieben solche Aufgaben und unser Handwerk! Wie gefällt euch das Projekt? Schreibt es in die Kommentare! #kücheninspiration #traumküche #ledbeleuchtung #küchendesign.
4. Werkstatt-Organisation & Ausbildung
Unterweisung für Lehrlinge: „Erstelle eine kurze, leicht verständliche Sicherheitsunterweisung in Form einer Checkliste für Lehrlinge im ersten Lehrjahr zum sicheren Umgang mit der Formatkreissäge.“
Struktur von Arbeitsabläufen: „Wir wollen in der Werkstatt hundert identische Stühle aus Massivholz in Serie fertigen. Erstelle einen effizienten Arbeitsablaufplan vom Holzeinkauf über den Zuschnitt bis zur Endmontage, damit wir Zeit und Verschnitt sparen.“
Die gängigen KI-Tools


Die Übersicht präsentiert einige wichtige „KI-Werkzeuge“, mit denen auch kleine Tischlerbetriebe einen konkreten Nutzen erzielen und den Einstieg schnell und kostengünstig schaffen.
Wo liegen nun die Alleinstellungsmerkmale (USP) der hier vorgestellten KI-Werkzeuge? Der Autor hat Google per KI-Modus „befragt“ (Antworten sind stark gekürzt).
KI-Text-Spezialisten & Allrounder
- ChatGPT (OpenAI): flexibler Allrounder, ideal als „Einstieg“ und fortschrittliche native Sprachinteraktion.
- Claude (Anthropic): Favorit für eine hohe Textqualität und komplexe Aufgaben. Analysiert auch sehr lange Dokumente und schreibt „menschlich“ natürlich.
- Copilot (Microsoft): direkt integriert in die Microsoft-365-Arbeitswelt (Word, Excel und Teams).
- Gemini (Google): verarbeitet riesige Datenmengen auf einmal (etwa stundenlange Videos).
- Mistral AI: Die KI-Modelle des europäischen Anbieters bieten eine starke Leistung bei geringem Ressourcenverbrauch. Sie sind ideal für Unternehmen, die KI auf eigenen Servern hosten möchten, um die volle Datenhoheit zu behalten.
KI-Bild-Spezialisten
- Midjourney: liefert nach „KI-Aussagen“ eine atemberaubende ästhetische und fotorealistische Bildqualität. Versteht komplexe, stilistische Prompts angeblich besser als viele andere „Marktbegleiter“.
- DALL-E (OpenAI): setzt Textanweisungen sehr präzise und logisch um (etwa bei Text im Bild). Durch die Einbettung in ChatGPT lässt es sich über natürlichen Dialog sehr leicht korrigieren und steuern.
KI-Recherche-Spezialisten
- Perplexity AI: Recherche-Spezialist, der statt Link-Listen zusammengefasste Antworten auf komplexe Fragen gibt und direkt überprüfbare Quellenangaben nennt. ■
Die KI-Tools können sehr viel, Kontrolle ist aber Pflicht!